Samstag, 3. März 2018

Hoch die Hände, Wochenende

Heute war ich mal einkaufen. Man muss wissen, ich hasse einkaufen. Wenn ich mal im Lotto gewinne, werde ich nie wieder einkaufen. Das machen dann andere Leute für mich. 

Jedenfalls bin ich zum OBI Baumarkt, um mir vernünftige Klettbänder für die Mückengaze vor den Fenstern zu kaufen. Im Spätherbst habe ich so Billigzeugs von Aldi gekauft und schon nach drei Stunden war die Hälfte wieder vom Wind verweht, deshalb kann  ich schon die ganze Zeit nicht lüften, wegen der Spinnen. Sonst habe ich immer vergleichsweise frische Luft in meiner Wohnung, weil ich für gewöhnlich Tag und Nacht die Fenster geöffnet halte. Das muss so, wenn man in der Wohnung raucht. Wenn mir Gäste sagen, dass man gar nicht riecht, dass ich rauche, bin ich so glücklich wie eine Hausfrau aus den Fünfzigern.

Ich also los und weil ich schon mal dabei war, bin ich anschließend rübergeschlendert zum Möbelhaus, wo es aber nur breihässliche Sachen gab, was nichts macht, ich habe ja Möbel genug. Was mir allerdings fehlt, ist ein Sessel. Wir haben nämlich in der Arbeit neuerdings einen Ruheraum mit einem Liegesessel. Man kann den so nach hinten kippen, bis man liegt. Ein Träumchen, auf dem mache ich gerne meine Mittagspause und meistens schlafe ich ein. So ein Nickerchen am Tag ist sehr gesund. Zum Glück liegt der Ruheraum so abgeschieden, dass ihn niemand aufsucht, außer mir. Ich habe schon viele schöne Stunden auf dem Trumm verbracht. 

Er ist recht unansehnlich, was diesen Sesseln leider gemein ist, aber im Büro ist mir das freilich wurscht. Im Möbelhaus kam dann auch so eine Abteilung mit Fernsehsesseln, elektrisch zu bedienen, einer hässlicher als der andere, aber da ich sowieso gerade eine Pause brauchte, probierte ich einige aus. Was soll ich sagen, ich brauche unbedingt so ein Gerät. Aber natürlich nur in schön. Das wird eine Aufgabe, an der ich scheitern werde, klaro, aber vielleicht schreibe ich eine Petition. 

Einer der Sessel hatte sogar einen Mechanismus, der mir beim aufstehen hilft. Den hätte ich mal haben sollen, als ich Rücken hatte. Ich konnte mich kaum lösen, aber die Verkäufer sahen mich schon komisch an, denn noch sehe ich nicht aus wie die Zielgruppe, hoffe ich jedenfalls. Wenn ich in Rente gehe, kauf ich mir so ein Ding, spätestens, auch wenn ich mich dann schämen muss. So wollte ich eigentlich nie enden. Ich hätte ich nie reinsetzen dürfen.

Später, auf dem Weg zum Ausgang, kam ich an der Posterabteilung vorbei. Schauerliche Fotos waren auf Leinwand aufgezogen, wobei mir eins gefallen hat: ein hübsches, gigantisch großes Bild von einem Wald. Es war so gut fotografiert, dass ich gleich ein bisschen spazieren gehen wollte. 

Ich erinnerte mich an die frühere Mode von Fototapeten. Das müsste doch auch bald wieder modern werden. Oder ist es das schon und ich hab's nicht mitbekommen? Ein Serverfehler an der Kasse und daraus resultierende Menschenschlangen bewahrten mich vor einer unüberlegten Handlung. Der Wald blieb im Möbelhaus.

Weiter zu Glen, meinem Optiker. Wir sind mittlerweile so dicke miteinander, dass er mir Fotos aus dem Urlaub whatsappt. Ich muss jetzt auch immer mehr Zeit einplanen, weil wir so lange quatschen. Manchmal muss ich direkt schon auf die Toilette, was aber blöde ist, denn der Laden hat keine Toilette; dann muss ich auf das öffentliche WC gehen, was Gottseidank auch im Untergeschoss des SSC zu finden ist. 

Heute hatte er frei und so bediente mich ein junger Mann, der mir noch viel Neues sagen konnte zu meiner Augenproblematik und eine sagenhaft schöne Augenfarbe hatte: hellblau mit einem dunklen Rand. Als er in meine Akte sah, sagte er gleich, Ah, sonst bedient Sie ja immer Glen und ich dachte, du meine Güte, das ist sogar verzeichnet. Ich glaube, Glen ist der Schwarm aller mittelalterlichen Damen mit Hornhautverkrümmung. 

Noch viel später las ich Zeitung. Das hätte ich mal lieber gelassen, denn mein Leben ist in Gefahr. Durch den Temperaturwechsel, der uns bevorsteht - fast 20 Grad Unterschied - steigt das Risiko eines Herzinfarktes. Na toll. Ich bleibe zuhause, bei gleichbleibenden Temperaturen, denn eben ist die Dezemberaffaire gekommen, wir haben noch 60 Folgen von den Sopranos vor uns.

Kommentare:

  1. Diese Fernsehsessel sind immer unansehnlich. Da kann man sich nur mit einem Überwurf bzw. einer Wolldecke helfen ;)

    Mein Vater hat so ein Ding seit fast 20 Jahren. Ok, ist mittlerweile etwas mehr als "eingesessen". Aber billig war das Teil nicht.

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  2. Du weisst aber schon dass Insekten und Spinnen sich unterhalb 15 Grad kaum noch bewegen können und unter 10 Grad dann gar nicht mehr?

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  3. Die beste Methode, das Risiko eines Herzinfarktes zu senken, wäre wohl … Moment, ich komme gleich drauf … es hat irgendwas mit den offenen Fenstern zu tun. ;-)

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    1. Ich weiß wirklich nicht, wovon du sprichst.

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  4. Apropos Zielgruppe. Letzte Woche ist es passiert. Ich habe es nicht mal kommen sehen, aber es ist passiert und jetzt muss ich damit leben. Ich war mit dem Hund draussen, kommt mir ein anderer Hundebesitzer entgegen, ein Schwarzer, Mitte 60, den ich vom Sehen kenne. "Sind Sie auch Rentner?" Erst dreh ich mich um, weil ichdenke, der meint meinen Hund. Ich geh kaputt.

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    1. Ich fühle mit dir. Aber du kannst dich freuen. Dir ist es sehr viel später passiert, als mir. Als ich mal auf einer Dienstreise in eine Drogerie ging und mir eine Verkäuferin meines Alters, damals Anfang 40 (allerdings war sie verkleidet als Amy Whitehouse) einen Augenbrauenstift empfahl, den „die anderen alten Damen“ auch immer nehmen würden, ging ich als gebrochene Frau aus dem Geschäft. Kannst du mir glauben. Es war fürchterlich.

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    2. Lebt die denn noch? Die Verkäuferin? Ich meine, hat sie die Bemerkung tatsächlich überlebt? Oder nur als vage Ansammlung von Restblut?

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    3. Ich denke, sie lebt noch, falls sie nicht ihrem Idol Amy gefolgt ist. Ich hatte seinerzeit keine Kraft, adäquat zu reagieren.

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    4. Als Borgelfe ist das Risiko einer Herzerkrankung faktisch null.
      #mussmanwissen

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  5. Was soll der Jugendwahn?

    Ich werde ständig für die Mutter meines Gatten gehalten und überlege schon, ihm Tränensäcke zu malen, eine Bierbauchprothese umzuhängen und ein fusselig graues Toupet überzustülpen, weil es den Irrenden immer so peinlich ist.

    :o)

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    1. Auch hier wäre Gewalt eine Lösung!

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