Freitag, 26. Februar 2021

Leben in der Dystopie

PROLOG

Kürzlich las ich in der Zeitung von einem Jugendlichen in Großbritannien, der wegen eines Unfalls im Koma lag, über ein Jahr lang, der jetzt wieder aufgewacht sei und die Ärzte nicht wissen, wie sie ihm sagen sollen, dass inzwischen eine weltweite Pandemie herrsche und der deshalb keinen Besuch von seinen Eltern und Freunden bekommen kann. Dass sie sich nicht trauen, ihm das zu sagen, weil die Gefahr zu groß ist, dass er einen Schock bekommt, von dem er sich nie wieder erholen werde. 

So gesehen war das Setting auch vorher schon geeignet für einen Splattermovie:

  • Ein Planet auf dem alles Leben zum Tode verurteilt ist. Man weiß nicht wann, man weiß nicht wie, nur dass. (Es gab mal eine Star Trek Folge, da landete Kirk auf einem Planeten, auf dem alle sehr happy und friedlich waren, aber es durften alle nur 24 Jahre alt werden)
  • Den Planeten, der das lokale Sonnensystem am laufen hält, darf man nie direkt ansehen, sonst wird man blind.
  • Fällt noch jemandem was skurriles Drittes ein?
  • Miri: Eine einzige Insektenart, die 80 % aller Nutzpflanzen bestäubt, sichert so das Überleben der Menschheit und wird von dieser mit Insektiziden und Monokulturen immer weiter dezimiert.

***

Schwups - haben wir gleich wieder März und sommerliche Tage sind unterdessen bereits im Februar möglich. Im Prinzip laufe ich wie Clint Eastwood nur noch mit halb zusammengekniffenen Augen durch die Gegend und behalte alles im Blick. Die Aerosole, das Wetter, den sich verlangsamenden Golfstrom. 

Die Nachrichten scanne ich nach News, die ich auf keinen Fall wissen möchte, nicht mal mehr mein Horoskop lese ich. Überall dreut Ungemach, leider nicht temporär sondern hinauslaufend auf die alles verschlingende Katastrophe. Was so eine Exponentialkurve im wahren Leben bedeutet, zeigt uns Mutter Natur in aller Deutlichkeit, gleich zweimal, weltweit. Klima & Pandemie. 

Ich werde immer bescheidener. Lebe ruhig vor mich hin, halte mich unterm Radar, zehre von endlosen Spaziergängen mit mir nahen Menschen, vermisse den Leihhund, den ich immer seltener ausleihen darf, weil die Besitzerin ihn selber dringend braucht, arbeite zu den unmöglichsten Zeiten im Home Office, alles verwischt. 

Nach Corona brauche ich eine neue Wohnung, weil diese hier ist so ähnlich besetzt wie von einer furchtbar unglücklichen Liebesgeschichte: "get outta my head" - Untertitel: Wie sich in meiner Wohnung alle meine Geschäftsführer virtuell breit machten". Die ganze Firma kennt meine Bücherwand, das will doch kein Mensch. 

Ach, die Firma. Auch so ein Thema. In wieviel online-bullshit-bingo-Meetings ich sitzen muss, kann sich kein Mensch vorstellen. Ca. 5 Stunden pro Tag glotze ich in den Rechner, ohne arbeiten zu können, verdammt zum zuhören. Sagte ich jemals meine Meinung zu all dem sinnlosen Geschwurbel, müsste ich mein Ränzlein schnüren. So bleibt mir nur zu hoffen, dass ich niemals einschlafe vor der Kamera, denn dies zu verhindern bindet ehrlich gesagt den Haupteil meiner Energie. Ich sitze in "weeklys" und höre Geschäftsführern zu, die jeden Mittwoch das genau gleiche wie den Mittwoch zuvor referieren und dank einer gewissen Transparenz im Haus weiß ich, was er so ungefähr verdient für den Schmarrn, den er verzapft und ich denke einfach nur "Hauptsache gesund bleiben" - das Mantra eines jeden Hypochonders.

Wer weiß, vielleicht lese ich das in drei Jahren, wenn vielleicht doch wieder alles gut geworden ist, die Sommer regenreich, die Wälder gesund, die Temperaturen angemessen, der Virus längst vergessen ist und bezichtige mich der Paranoia; aber für heute halte ich mich  für eine pessimistische Realistin, die sehr gut verdrängen kann und trotz sporadischen Niederschreibens meiner Selbstbeobachtungen die meiste Zeit Gelassenheit mit Resten von Heiterkeit empfindet. Wie ich das hinkriege ist mir das Größte aller Rätsel.

PS: Hier noch einer der schönsten Nachrufe auf einen Buchhändler:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/nachruf-auf-leo-baumann-kundenglueck-kundenschreck/26907940.html

Samstag, 20. Februar 2021

Donnerstag, 4. Februar 2021

Kotzende Hunde und persische Teppichhändler



Also irgendwann muss ich hier ja mal wieder was schreiben, auch wenn es mir schwer fällt, nach Feierabend im Homeoffice freiwillig sitzen zu bleiben und mir etwas aus dem Hirn zu saugen, was euch interessieren könnte, jetzt, wo mein Leben doch vor allem aus meinem Innenleben besteht. 

Es gibbet ja nüscht zu berichten und wenn ich mit den schrecklichen Online Meetings durch bin, habe ich kaum noch den Drive, ins operative Arbeiten zu kommen, geschweige denn zu bloggen. Obwohl ich den Fahrtweg spare, also Zeit gewinne, zerrinnt sie mir unter den Händen und deshalb fühle ich mich zunehmend überfordert und erschöpft. Ich weiß nur nicht, wovon. 

Wie soll das werden, wenn alles wieder normal wird (man wird ja wohl noch träumen dürfen). Wenn ich nach der Arbeit auch noch meine Freizeit bewältigen muss, inklusive Fahrtwege ins Büro, zu den Verabredungen, spätabends zurück nach Hause - wer soll denn sowas schaffen? Derzeit wechsle ich aufs Sofa und schau Netflix und das Schlimmste ist, mir ist ganz heimelig und muschibubu dabei. Mir fehlt bald gar nix mehr. 

Außer täglichen 2-3 stündigen Spaziergängen durch alle Parks und neuerdings über alle Friedhöfe, weil da keine Völkerwanderungen stattfinden (klarer Favorit: Waldfriedhof Zehlendorf)

 

- also außer diesen 2-3 Stunden Märschen oder Schlendereien - je nach Tagesform - in wechselnder Besetzung, wochentags unter drei, am Wochenende auch schon mal zu viert, passiert rein gar nichts in meinem Leben.

Doch, neulich da ist mal was passiert: da hatte ich den Leihund für eine Woche und er kotzte mir zweimal großräumig die Wohnung voll; vor allem auf meinen Teppich, den er wohl für eine Wiese hielt und da ich alles, was oben rauskommt nicht aus hochflorigen Teppichen entfernen kann (nicht mal von Parkett krieg ich das entfernt, weil ich schon Herpes kriege, wenn ich nur dran denke), rollte ich das Ding zusammen und schleppte es auf den Balkon.

 

Dann suchte ich eine Teppichreinigungsfirma. Um die Ecke war gleich eine, eigentlich ein Teppichgeschäft, lauter persische und chinesische Riesenteppiche und das dazugehörige, jedem schlechten Klischee entsprechende Personal. Mit einiger Verachtung wurde mein kleiner, geliebter Teppich entgegen genommen und nach einigen Versuchen, mir einen anderen Teppich zu verkaufen, bekam ich endlich so einen Zettel in die Hand und die Abholung wurde terminiert.

Abholung klappte pünktlich wie die Feuerwehr, eine Rückkehr des Teppichs wurde mir binnen einer Woche in Aussicht gestellt. Das ist nun 14 Tage her, also ging ich heute mal vorbei. Vielleicht hatten die meine Telefonnummer verbusselt. Der servile Verkäufer wusste erkennbar nicht mehr, wer ich war und um welchen Teppich es sich handelt. Auf dem Abholzettel war die Teppich-Nummer nicht vermerkt, wie er vorwurfsvoll anmerkte, ungeachtet dessen, dass er den Zettel ausgefüllt hatte. 

Nun ja, ich blieb 20 Minuten im Regen vor dem Teppichgeschäft stehen, während drinnen eifrig gesucht wurde. Übrigens ergebnislos, was nach meiner Vorrede wohl niemanden mehr wundert. Ich wurde wieder hineingewunken. Der Teppich sei "nicht da", man würde weiterhin nach ihm suchen und sich dann bei mir melden. Nicht mal um einen bedauernden Tonfall wurde sich bemüht, von einer Entschuldigung ganz zu schweigen. Ich sagte, dass ich jetzt aber doch etwas beunruhigt sei. Der Teppichhändler nun ungehalten "Keine Sorge, ich brauche Ihren Teppich nicht!"

Jedwede Servilität auf Nimmerwiedersehen verschwunden und sollte ich in ca. 14 Tagen dort erneut hindackeln und auf Herausgabe meines Teppichs bestehen, werde ich wahrscheinlich gemeuchelt. Am besten ist, ich nehme dann den Leihhund mit und dann kann er dort alles vollkotzen.


Donnerstag, 31. Dezember 2020

Als Single in Corona-Zeiten

Gott sei Dank bin ich in einem Alter, in dem ich geduldig so ein Jahr ertragen kann. Gut, dass ich nicht 18 bin oder 30 - ich wär' bekloppt geworden. 

Aber in einem ist dieses Jahr unübertroffen: es bringt alles ans Licht, was sich sonst hübsch verleugnen bzw. schönreden lässt. Corona funktioniert wie ein Detektiv, den man zwar nicht engagiert hat, der aber unermüdlich aufdeckt. Und wenn man schon mal hinschaut, geht man gleich in die Retrospektive und spätestens dann trennt sich die Spreu vom Weizen.

Denn wenn niemand mehr kommen darf und man zu niemanden mehr gehen darf: wer passt auf dich auf und auf wen darfst du aufpassen? Fast immer unausgesprochene, aber kristallklare und mitunter total überraschende Antworten erhält man.

Hat man einen Lebensmenschen, mit dem man unter einem Dach wohnt, stellt man sich womöglich andere Fragen, zum Beispiel "Wie komme ich hier schnellstmöglich raus?" oder "Ist ja doch insgesamt ganz kuschelig hier" - hier wird aufeinanderzu oder voneinanderweg gedriftet.

Aber wie geht es Singles, die niemanden verpflichtet haben, sich innerhäusigen Wonnen oder Querelen gemeinsam zu stellen?

Meine Rede: Singlesein ist okay, es braucht nur ein paar richtig gute Freunde und man erlebt alles ganz gemütlich und kommod. Plus ab und an den knorke Leihhund und alles ist in Butter. Aber dann kam Corona und mein Leben zum Stillstand; der Sommer war ja noch klasse, alles wurde nach draußen verlagert bis in den November hinein. Am Horizont jedoch: Weihnachten. Und der zweite Lockdown. Erneut monatelang Home Office. 

Ich begab mich ernsthaft auf die Suche nach einem eigenem Hund, denn der Leihhund wird nun von der Auftragsmörderin selbst gebraucht; ich kann das verstehen. Allein, der Markt ist leergefegt und die Preise astronomisch. Hinzu erschwert der Vermieter (= Hausbesitzer) das Procedere, denn auf meine offizielle Anfrage bei ihm, mir einen Hund anschaffen zu dürfen, verwies mich der Arsch an die sogenannte Hausverwaltung. Er gab mir eine Postadresse, von der kam mein Brief zurück, Empfänger unbekannt - darüber sind sechs Wochen vergangen und ich bin jetzt bereit für einen Bilanzmord. Vielleicht doch eine Katze? Aber dann kann der Leihhund nie wieder zu mir kommen, der zerschreddert die sofort.

Eigentlich mag ich Weihnachten und jedes Jahr steigt meine Geschäftigkeit auf ein manisches Plateau aus Traditionen: Schrottwichteln, gemeinsames Backen, Weihnachtsmärkte, gemeinsames Plätzchen essen, Kesselgulasch, Weihnachtsfeiern, etc. jedes Wochenende vollgestopft, damit komme ich gut durch diese überfrachtete Zeit. 

Dieses Jahr stellte ich mir die Feiertage schrecklich vor und ich habe eine Menge geweint. Ich habe sogar einigen Menschen anvertraut, dass ich mich elend fühle bei dem Gedanken, am 24.12. allein zu sein, obwohl mir das unheimlich peinlich war. Alleinsein ist nicht schlimm, sich einsam fühlen ist ganz schlimm und das auszusprechen ist der Ober-GAU. Anfangs hatte ich das noch tapfer genommen, aber je näher, desto kläglicher mein Gemüt und ich sah mich selbst auf dem Sofa sitzen, in Bollerhosen, die Tüte Chips in mich reinfutternd und mich später in den Schlaf heulend. 

Der schlimmste Moment war allerdings schon Mitte Dezember: ich ging in der Dämmerung mit dem Hund im Wald spazieren und stolperte über eine Wurzel. Ich flog in hohen Bogen auf die Nase und blieb benommen ein paar Sekunden liegen. Ein Radfahrer fuhr langsam an mir vorbei, er sah auf mich runter, ich sah zu ihm hoch. Er fuhr einfach wortlos weiter. Irgendwie rappelte ich mich auf, ich hatte mir das Knie und die Knöchel zerdengelt und humpelte ca. einen Kilometer heim, es tat schweineweh, die Tränen liefen eimerweise, weil ich nun mal die einsamste Frau im ganzen Universum war, an der sogar Radfahrer ungerührt vorbeifahren. Ich hätte ja was richtig Schlimmes haben können, einen Schlaganfall oder so - aber nein, unsereins muss im Park krepieren, in aller Öffentlichkeit. So dachte und bejammerte ich mich regelrecht in einen Rausch und fand mein Leben ziemlich scheiße.

Von da an ging's bergauf. Ich kurierte mein Knie aus, schlief eine Woche mehr oder weniger durchgehend und beschloss, dass kein Grund für Traurigkeit besteht. Es ist die Pandemie und die und nur die hindert mich daran, mit all meinen so nervigen wie geliebten family & friends zu feiern. 

Am 23.12. gab es ein hochkomisches Online Treffen, anderenorts das "Berliner Damenclübchen" genannt, bei dem das Geburtstagskind volltrunken einschlief; plötzlich hörten wir ihr leises Schnarchen und sie war nicht mehr aufzuwecken. Sie ist die Einzige, die ihre Kamera immer auslässt, denn sie fuchtelt stets so wild mit dem Handy rum, dass man schon nach ganz kurzer Zeit auf den Bildschirm kotzen muss - so konnte sie also zunächst unbemerkt wegschlummern. Ich lächelte noch beim einschlafen und wachte immer noch heiter gestimmt an Heiligabend wieder auf.

Abends traute ich mich rüber zur Freundin, drei Leute, drei Stunden, Bescherung, Tannebaum, Raclette - Niedersächsinnen unter sich. Morgen dasselbe nochmal und dann wird 2020 zu den Akten gelegt. Ich habe nur Angst, dass wir 2020 später mal erinnern werden, als "alles noch gar nicht so schlimm war". 

Hoffen wir das Beste. Bleibt alle gesund.
Hirnbefreite Coronaleugner: legt euch gehackt.

 

Hier schreibt eine über den Tellerrand hinaus


Dienstag, 22. Dezember 2020

Last Minute Geschenke Tipp


Für Krankenschwestern und Krankenpfleger wird nicht mal mehr auf den Balkonen geklatscht.

Wie wäre es, wenn im Freundeskreis einer jeden Krankenschwester Geld für sie gesammelt wird? Schwupps, hat sie endlich ihren Bonus.

Es wäre gut angelegtes Geld; in den richtigen Händen. Wir sparen doch ohnehin so viel Geld, das wir nicht ins Restaurant, Kino oder sonstwohin tragen können.

Donnerstag, 19. November 2020

Kaufen gegen Corona

So ein Dingsi habe ich mir heute gekauft, weil ich von unten so schrecklich aussehe, wie ich nie vermutet habe, dass ich aussehen könnte. Das ist ja das Schlimmste an diesen endlosen Online Meetings, dass man sich selbst so oft sieht, sich beim reden zusieht und ich denke immer, meine Güte, was für Grimassen ich schneide, ich habe gar nicht so viel tolle Gesichtsausdrücke, dafür aber jede Menge, die verdächtig nach Hackfresse aussehen. Das wusste ich vorher nicht und wer hätte dieses Wissen gebraucht?

Überhaupt: ich habe in mich selbst investiert. Schreibstischstuhl und Schreibtischlampe, ich konnte es nicht mehr aushalten, mir auf meinem ollen Stuhl den nächsten Bandscheibenvorfall zu ersitzen und bei dem funzeligem Licht draußen und drinnen hätte ich mir auch bald meine Augen komplett ramponiert.

Also bin ich nach Prenzlauer Berg zu Büro Müller gefahren, kann ich nur empfehlen. Riesige Auswahl, aber das Beste: ein kompetenter Verkäufer, der offenbar mit jedem einzelnen Stuhl eine lebenslange Verbindung eingegangen ist - er wusste auswendig alles über jeden Stuhl. Faszinierend. Und er hatte Zeit, weil ich in der riesigen Halle die einzige Kundin war. Und das Allerbeste: Aufbau und Lieferung für 30 €. 

Während ich also zuhause bin, möchte ich mir lauter teure Sachen kaufen, die meine Kemenate perfekt machen. Wasserkocher verkalkt? Bitte einen neuen, dann aber auch gleich den Toaster erneuern und einen Induktions-Milchschäumer, aber alles in derselben Farbe oder alles in Edelstahl - während über mir das Damokleschwert schwebt und die Gesamtsituation immer bekloppter wird, erhöhe ich das Bruttosozialprodukt, aus Trotz oder Frust oder beidem oder weil ich meine Wohnung jetzt so oft sehe, wie nie zuvor und mir all diese Ecken auffallen, die dringend einer Erneuerung bedürfen, obwohl man doch wegen des Klimas unbedingt aufhören muss soviel zu konsumieren, was ich auch nie, nie, nie getan habe, aber jetzt, JETZT will ich es. 

Ich hoffe, da schreibt später mal jemand eine Dissertation drüber, wie ich damals in 2020 anfing, mir auszudenken, was ich noch alles kaufen könnte und wie ich das auch noch ins Internet schrieb.

Relevantes zum Thema findet ihr hier 

Ach, und jetzt werde ich selbstreferentiell (Die Suchbegriffe haben Traffic bei diesem 4 Jahre alten Post verursacht).

Sonntag, 1. November 2020

Keep calm

So, jetzt kommen sie alle heraus,"mit der Wahrheit", "seit 6 Monaten schweige ich", genau, aber jetzt, da "muss ich es sagen", weil "das grenzt an Krieg." Aha, soso. 

Seitdem ich einer engen Freundin dabei zusehen muss, wie sie seit vier Wochen gegen Corona kämpft, Einzelheiten erspare ich euch; ganz ehrlich, jeder der mir jetzt noch damit kommt, Corona sei Fake, dem hau' ich auf's M... - so wütend macht mich das Geschwaller.

Entweder bin ich ein extrem talentiertes Rädchen im Getriebe, das sich klaglos an notwendige Vorgaben hält und Einschränkungen erträgt, sobald ich Gefahr laufe, von einem Virus dahingerafft zu werden, nicht weil ich so dumm und naiv bin, sondern weil ich erkenne, dass derzeit niemand genau wissen kann, wie dieser Horrofilm endet, in dem wir uns kollektiv befinden, und daher das mache, was angezeigt erscheint.

Überträgt sich ein Virus durch Atemluft, bleibe ich möglichst dort, wo nur ich atme. Das ist doch irgendwie logisch, oder? 

Ich arbeite im Home Office, hab's warm und trocken, genug zu essen, einen Wald vor der Tür, eine Freundin direkt gegenüber, dir mit mir in den Wald geht. Habe Netflix, Internet, Telefon, Skype, Teams, Face Time - es gibt nicht arg viel zu beklagen. Ja, Winter is coming, da freut sich kein Mensch, mir fehlt alles, was allen anderen auch fehlt. 

Dennoch: uns geht's gold. 

Nein, ich korrigiere: MIR geht's gold. Mein Job ist weder in Gefahr, noch muss ich an die Front. Aber es gibt viele, die wie ich arbeiten und trotzdem mit Aluhut rumlaufen. Vasteh' ich nich.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Die Stunde der Komödianten

Nun absentiere ich mich wieder im Home Office, denn ich kann schon längere Zeit nicht mehr mit "nein" antworten, wenn mich ein Corona-Skeptiker fragt "Und, kennst du überhaupt jmd., der Corona hatte?"

Leider werden es täglich mehr. Aber nicht nur das.

Bedauerlicherweise outen sich im Zuge der an Fahrt aufnehmenden Infektionen auch Menschen, die nach wie vor überzeugt sind, dass Corona eine Lüge ist und wir alle manipuliert werden. Deshalb gehen sie erkältet ins Theater, fliegen nach Kreta, und eine Kollegin schrieb mir heute trotzig, sie habe ein halbes Jahr geschwiegen, aber jetzt habe sie die Nase voll: in Sachsen, da gäbe es noch Konzerte, mit 500 Leuten und sie genieße das, obwohl sie Asthma habe, jawohl. Abgesehen von der Blödheit, welche Konzerte das wohl sind in Sachsen? Da kommt ein Gewölle nach oben...

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Ich schließe ja nicht mal aus, dass wir manipuliert werden, wir werden immer manipuliert, das weiß jedes Kind, aber dass Corona eine Lüge ist... tja, ganz ehrlich: das ist mein heißester Wunsch. Der wird aber nicht in Erfüllung gehen. 

Mein Mütterlein treibt sich im Kaff herum auf der Suche nach etwas, womit sie mich erfreuen kann. Ganz zauberhaft, aber ausgerechnet jetzt fährt sie im Bus über die Dörfer bis zum Baumarkt, um mir ein Meisenknödelnbehältnis zu kaufen und nach Berlin zu schicken. Auf der Post macht sie Tags darauf eine Kopie von etwas, was sie locker hätte fotografieren können, um es mir dann per WhatsApp zu senden. Aber nein, offensichtlich ist sie von einer unerklärlichen Abenteuerlust befallen. Dafür hätte sie ihr ganzes Leben Zeit gehabt, aber nein, jetzt entdeckt sie ihre Lust auf Gefahr mitten in einer Pandemie. Am liebsten würde ich sie festsetzen und 24 Stunden bewachen. 

Was können wir tun? Alle mit gesundem Menschenverstand handeln ohnehin danach, aber dennoch empfehle ich diesen unaufgeregten Zeit-Artikel  Lest hier: Dieser Winter noch

Dann noch ein wirklich wichtiger Hinweis: Falls du an Corona erkrankst und dich nachweisbar auf der Arbeit angesteckt hast, dann musst du unbedingt eine Unfallanzeige machen (weil es dann als "Arbeitsunfall" gilt); somit fällst du in der weiteren Betreuung unter die Fittiche der Berufsgenossenschaft. Nach allem, was ich weiß, kann einem im Krankheitsfall nichts Besseres passieren. Gibt man keine Unfallanzeige auf, kann es passieren, dass der Anspruch aus der Gesetzlichen Unfallversicherung verloren geht. Wer mehr Beratung dazu haben möchte, schreibt an: beratungsstelle.bkv@senias.berlin.de oder ihr folgt diesem Link

Bleibt gesund! 


PS: was ich gerade schaue
Netflix: Monaco Franze
Amazon Prime: Call my Agent 
Arte: Moonrise Kingdom

Dienstag, 13. Oktober 2020

Kein Ponyhof, nirgends


Bevor der nächste Lockdown kommt (und er wird kommen, ich verordne mir den selbst), fahre ich hektisch über Land. Jedes Wochenende sitze ich im Auto, mit Maske wegen der Begleitung und gemeinsam durchpflügen wir Brandenburg. 

Was ich alles gesehen habe, bevor hier wieder alles zappenduster wird draußen bis zum nächsten März, direkt manisch karriole ich übers Land. Spreewald, Beelitz, Dom zu Brandenburg, Caputh, Bonsai-Garten in Ferch, Zoologischer Garten. Neulich war ich doch glatt mal wieder am Winterfeldmarkt, im strömenden Regen - war schön leer.



Mir graust ein wenig vor Dunkelheit schon tagsüber und geschlossenen Spelunken und am Ende gibt's nicht mal Schrottwichteln, ich seh's schon kommen. Meine Reise nach Regensburg habe ich abgesagt, insgesamt 10 Stunden in der Bahn scheinen mir suboptimal und die zu Besuchende hatte schon Angst vor Lynchjustiz im Dörfchen, wegen meiner Beherbergung. Der Mob hatte sie schon gefragt, ob sie sich nach meiner Abreise in 14-tägige Quarantäne zu begeben plane. Das wäre wohl das Mindeste, wenn sie nun schon aus dem Hotspot Berlin die Superspreader zu sich einlade. 

                                                                Meine Heiligabendbegleitung

Ich denke schon weiter. Schätze, dieses Jahr werde ich zum ersten Mal Weihnachten allein verbringen. Das Mütterlein wird nicht mehr zu besuchen sein und sie selbst verlässt das Haus nur zum Rewe. Meine Schwestern sind noch corona-panischer als die übrige Bevölkerung und sehen seit Monaten niemanden mehr außer die Geheirateten und Selbst-Geborenen. Freunde, die jeden Heiligabend zig Leute einladen, laden dieses Mal niemanden ein. Besser ist das - wer würde auch schon kommen?

Ich werde da kein Gewese drum machen. Ist so. Müssen wir durch.

Mittwoch, 9. September 2020

Besuch bei den Kindern von Golzow


Wer da einmal reinzappt, ist auf Stunden verloren
Ich weiß nicht seit wie vielen Jahren verirre ich mich zu nachtschlafender Zeit beim zappen zu den Kindern von Golzow, einer Langzeitdokumentation über ein abgeschiedenes Dorf an der Oder und deren Bewohner. Im August 1961 beginnt alles mit der Einschulung von Erstklässlern, die in der Folge bis ins Jahr 2005 begleitet werden. 

Im Lauf der Jahre werden immer weniger von ihnen bereit sein, sich von der Kamera und den bohrenden, mitunter wenig suptilen, teils hanebüchenen Suggestivfragen des Regisseurs Winfried Junge, begleiten zu lassen. 

Das ist das einzig Unangenehme an diesen Filmen: dass der Regisseur der Versuchung nicht immer widerstehen kann, bei diesen vielleicht nicht zur Intelligenzia gehörenden Kindern, Jugendlichen und später dann erwachsen gewordenen Menschen, tumbe Gesichtsausdrücke zu provozieren. Dabei sind seine Fragen dann so grenzverletztend, dass ein jeder erstmal kariert aus der Wäsche gucken würde; auch wenn er/sie in den 60ern in Köln oder Hamburg sozialisiert wäre. 

Nun bin ich mit einer Kollegin, die kurz vor Maueröffnung ausgereist ist, nach Golzow gefahren. Wir kennen uns seit über 30 Jahren, stellten unsere Begeisterung für die "Kinder von Golzow" aber erst vor sechs Wochen fest. Wir planten sofort die Anreise.

Früher hypermodern
Dieser heilige Ernst - mir Wessi fremd

Als wir ankamen, war sie so bewegt, dass sie erstmal innehaltenb musste. Sie kann jeden Dialog mitsprechen, kennt jedes Kind und dessen Geschichte, während ich vor einiger Zeit den Lebenslauf von Brigitte gesehen hatte und alles andere längst schon wieder vergessen habe. Das kommt ja immer nur alle paar Jahre im RBB. Naja, vielleicht habe ich auch schon Demenz.

Wir bekamen eine Führung durch's Museum von einem Mann, der seine besten Jahre weit hinter sich gelassen hat, seine Maske unter der Nase trug und schrecklichen Raucherhusten hatte. Sein Fokus lag auf dem Original Schneidetisch und den technischen Details, während wir uns in den Fotos verloren und uns auf die Möglichkeit freuten, an Ort und Stelle weitere Filme zu sehen, die bisher im RBB noch nicht zu sehen waren. 

Wir waren die einzigen Besucher im Kinoraum. Ich packte meinen Picknickkorb aus und so schmatzten wir beseelt und schauten anderthalb Stunden eine noch ungesehene Folge. Es kam sogar Kim Il Sung vor, den ich gleich erkannte, meine Kollegin aber nicht, dabei war das doch ihr Bruderstaat und nicht meiner. Wir in Niedersachsen hatten als Partnerstadt Swindon und da gab's keine Diktatoren. Sie glaubte nicht, dass Kim Il Sung in Golzow war, aber als wir anschließend durch die liebevoll kuratierte Ausstellung liefen, fand sich der Beweis:

Verdamp hoher Besuch in Golzow
Wir sind auch durch das Dorf gelaufen, auch auf der Suche nach irgendeinem Mitbringsel (es wurde ein Glas Honig aus der Imkerei) und dann waren wir natürlich auf dem Friedhof, mit dem festen Willen, das namenlose Grab von Brigitte zu suchen, dem Mädchen, das rundlich, scheu und keiner flüssigen Artikulation fähig, als erste schwanger, alleinerziehend, mit einem schweren Herzfehler geplagt, die Welt mit 29 Jahren auch schon wieder verließ. Ihre Mutter nahm den Sohn Marcel bei sich auf, erklärt aber im Film, ein Grabstein lohne sich nicht, denn wer würde das Grab pflegen, wenn sie mal nicht mehr sei?

Das machte uns so traurig, dass wir ihr unsere Aufwartung machen wollten. Gottseidank hat aber wohl das Amt ein Einsehen gehabt; sie liegt recht prominent (wenn auch schlicht, Kies an Kies) eingezäunt, gemeinsam mit ihren Eltern, nah beim Eingang und ein Stein fehlt auch nicht. 

Wann immer man über den Verkorksungsgrad seines eigenen Lebens lamentiert, empfiehlt sich ein Besuch an Brigittes Grab.


Nachdenklich fuhren wir zurück nach Berlin und seitdem schaue ich in der ARD-Mediathek jeden Abend eine Folge, weil ich bin jetzt so drin im Stoff, wie damals bei den Sopranos.

Brigitte & Marcel

Marie-Luise

Dieter

Lebensläufe

Und 2015 habe ich Winfried Junge sogar mal kennengelernt und dabei habe ich mich schön zum Horst gemacht


+++breaking news+++ Trump für Friedensnobelpreis vorgeschlagen

Sag mir bitte jemand, dass es sich um Fake News handelt, auch wenn es gerade viral geht.
Ich verliere sonst jeglichen Glauben an Alles.

Tagesspiegel 

RTL

Edit nach 10 Minuten: Es scheint, dass er öfter mal vorgeschlagen wird. Und ebenso kann wohl Hinz und Kunz Leute für den Nobelpreis vorschlagen. Ich geh mich wieder abregen.

Donnerstag, 3. September 2020

Was tun, wenn die Nachbarin Alu-Hut trägt?

Inzwischen hat unsereiner nicht mehr so eine Angst vor dem Virus (und dem in meinem Fall vorhersehbaren, unmittelbar Einsetzen schrecklichen Siechtums), sondern vor Aluhut-Trägern in der näheren Nachbarschaft. 

So gesehen lebe ich seit neuestem in der Gefahrenzone einer durchgeknallten Eiferin, formerly known as tapfere Drogeriekassiererin, Ehefrau und mehrfache Mutter, proper und hübsch, pausenlos plappernd, oft auch schreiend (sehr dynamisches Eheleben halt - daran muss ja nix Schlechtes sein; ich glaub, die haben täglich Versöhnungssex) - anyway, dieses eigentlich sonnige Gemüt klärte mich vor einigen Tagen gründlich auf.

Über die Machenschaften von Merkel und wie froh wir alle sein können, dass wir Trump haben, denn der sorgt dafür, dass die ganze Schlechtigkeit auf der Welt verschwindet, "Weißt du, der Jonny Depp, der ist jetzt im Gefängnis und Mariah Carey hat ihre Mutter wegen sexuellen Missbrauchs angezeit, die ist jetzt auch im Gefängnis, das ist alles wegen Trump, dass das jetzt alles ans Licht kommt, endlich!" Und weiter: "Am 30.8. ist der zweite Lockdown, das sag ich dir, stand auch in der FAZ, weltweit, die wollen uns fertig machen und im Herbst, da haben wir Plündeurngen und kriegsähnliche Zustände auf den Straßen, das sag ich dir, du weißt ja nicht, was ich alles weiß, du musst auf jeden Fall Vorräte anlegen, musst du unbedingt, das wird Krieg auf den Straßen geben, das sag ich dir. Ich weiß jetzt, was los ist."

Ich höre ihr zu und sage nur, man läuft nicht mit Nazis. Sobald Nazis neben einem herlaufen, hat man sich zu entfernen. 

Dass ich sie damit nicht erreiche ist klar, denn inzischen ist sie verrückt geworden und wie es für Verrückte üblich ist, hält sie mich für verrückt, weil ich das nicht auch alles sehe, Gates und die Kinder unter der Erde, aus derem Blut sich Hillary Clinton ... ach, ich will diesen Scheiß hier gar nicht wiederholen.

Selbst von mir einstmals als klare Köpfe geschätzte Blogger, sind unterdessen komplett übergeschnappt und fühlen sich verfolgt von der Maskenpflicht; wähnen sich in einer Diktatur, obwohl sie ja, wo sie gehen und stehen, ihren Schwachsinn absondern dürfen, was sag ich: schreien dürfen "TRUMP IST IN BERLIN WIR HABEN GEWONNEN" - ich bin erstaunt, wie schnell hier alles kippt. Das Klima, das Virus, die Wirtschaft, vor allem aber: die Bekloppten. 

Da wird's später mal haufenweise Dissertationen drüber geben. 

Margarete Stokowski legt schon mal vor

Und hier noch ein Hinweis von Frau Nessy: Die Patientenverfügung
(bis zum Ende des Posts runterscrollen - ist aber nix für schwache Gemüter - ich konnte nur flüchtig querlesen)



Montag, 3. August 2020

Wien, 36 Grad, die Frisur ist im Arsch


Als ich in Wien ankomme, empfängt mich u.a. auch dieser feine Herr Anton und entschädigt mich für die Nacht im Schlafwagenabteil; denn aus unerfindlichen Gründen jagt er auf mich zu und springt freudig an mir hoch, kaum, dass ich aus dem Zug steige - dabei haben wir uns noch nie gesehen.

In der Wohnung angekommen achten wir drauf, möglichst nicht auf ihn zu treten, wenn er sich zu Tarnzwecken auf's Kuhfell legt; aber das gelingt uns nicht immer. Er verschmilzt geradezu mit dem Untergrund; wahrscheinlich denkt er, es ist seine Mutter.

Welche Koinzidenz!
Kaum bin ich also angekommen, bricht eine Hitzewelle vom feinsten aus und so gerät der Kurztrip nach Wien zu einem Survival Training, das mich in der Nachbetrachtung für den restlichen Sommer jedoch immun machen wird. Es war nämlich so: kein Auto vorhanden, kein E-Roller oder Fahrrad zu mieten, wegen des Hundes - also alles per Pedes. Die Wohnung im Dachgeschoss, also auch keine Abkühlung, wenn wir nach Hause kamen. Ventilator gab's auch nicht und ich wurde dringend gebeten, keinen zu kaufen.

Das sind nun alles Bedingungen, die ich unter normalen Umständen keine 30 Minuten toleriere - aber nun kam Wien ins Spiel. Und ich muss sagen: vor lauter Schönheit kam ich gar nicht  kaum zum jammern. Natürlich habe ich nur den 7. und 1. Bezirk gesehen und Schönbrunn - es wird auch andere Ecken geben. Aber diese Gebäude, von denen es in Berlin höchstens 10 Stück hat, stehen in Wien kilometerweit nebeneinander und dann wohnen ganz normale Leute drin, jeder Blick trifft auf ein nächstes Zuckerbäcker-Highlight.

Das hier - die Hofburg - war Sissis Arbeitswohnung. Direkt davor der Volkspark; voller Rosen und Stühle, auf denen man sitzen und die Rosen bewundern kann, ganz in Ruhe. Die wollen, dass es den Menschen gut geht. Wien ist wie das Vabali.


Die Hofburg

Allerdings gibt es einen kleinen Wermutstropfen: den Hunden geht es nicht so gut, obgleich Herr Anton unentwegt Entzückensschreie verursachte - die Wiener also durchaus einen hübschen Hund zu würdigen wissen, darf kein Park von einem Hund betreten werden. Es gibt auch wenig Bäume an den Straßen; deshalb sind die Häuser untenrum ein bissel schäbig. 

Obenrum tatdellos
Das hier ist Sissis Wochenend-Datsche: Schönbrunn. Ich finde, man sieht sehr deutlich, wie affenartig heiß es war. Aber auch wie leer - normalerweise treten sich hier alle auf die Füße.


Von vorn
Von hinten
Die Gloriette

Ehrlich gesagt schlich ich von Schatten zu Schatten und obwohl die Gloriette verlockend auf dem Hügel stand, wäre ich ohne Sänftenträger nicht nach oben gelangt. 


Ihm ging's auch nicht besser, er musste ja die ganze Zeit nah am Boden auf dem kochendheißen Pflaster laufen und wann immer wir ins Dachgeschoss zurückkehrten, fielen wir alle ins Koma und träumten wirr - aber keiner sah dabei so elegant aus, wie er.


Knuffig, aber elegant

Und wie ich überhaupt nach Wien gekommen bin, steht hier

Mittwoch, 15. Juli 2020

Ernsthaft, Markus Söder?


Da lädst du die Kanzlerin in dein Ländle, kutschierst sie wie Kaiserin Sissi, Gott hab sie selig, erst übers Wasser, dann in einer Kutsche durch die Gegend, bis ihr dann endlich in einem güldenem Prunksaal ankommt und dann sitzt ihr an diesen geschmacklos geskirteten Tischen auf dem billigsten und gleichzeitig hässlichsten Konferenz-Plastik-Gestühl?

Derlei Versagen hätt‘s in Berlin unter meiner Ägide nicht gegeben!

So wird man nicht Kanzler, Herr Söder. So nicht.


So auch nicht. Das soll Marilyn Monroe sein? Nein, Herr Söder, das ist Alma Mahler-Werfel.
Da müssen bessere Berater her.

Dienstag, 14. Juli 2020

Ups, I dit it again


Heute war ich in einem Teil von Berlin, das ein bissel zerbeult ist. Dort erwarb ich den dritten und (hoffentlich) letzten Strandmon Sessel meines Lebens. 

Wunderbarer Nebeneffekt: ich weiß nun, dass ich nicht an einer koronaren Herzerkrankung leide, oder hätte ich sonst 10 Stockwerke hochlatschen können? Eigentlich lag die Wohnung mit dem Sessel im dritten Stock, aber die Verkäuferin hatte mir nicht ihren Nachnamen genannt, sondern bat mich, sie anzurufen, wenn ich vor der Tür stehe. Nur dass sie im 3. OG ohne Fahrstuhl wohne, das wusste ich.

Als ich dort ankam, rief ich an und niemand ging dran. Ich schrieb eine sms; keine Antwort. Geh ich doch schon mal in den 3. Stock, dachte ich, als sich die Haustür öffnete, weil jmd. das Haus verließ. Kurz überlegte ich, ob ich im Vorderhaus hochgehe oder im Hinterhaus. Entschied mich für ersteres und oben angekommen, rief ich noch mal an. "Oh, das tut mir leid, ich wohne im HH - ich lass die Tür auf."

Ich also ins HH. Im dritten Stock angekommen, war keine Tür auf. Ich ging in den 4. Stock, keine Tür auf. Rief sie wieder an, hier sei keine Tür auf. Sagt sie: Du bist doch in Hausnummer 183 a? 
War ich natürlich nicht. Ich war nur bis 183 gekommen. Also ab ins nächste Haus, HH, 3. OG. Oben angekommen ließ ich mich gleich in den Sessel fallen. Ich war unheimlich froh, dass ich noch lebte. 10 Stockwerke - ich war direkt berauscht von meiner Großtat.

Aber wir mussten den Sessel ja auch noch nach unten kriegen. Nach der ewig gültigen Maxime "Muss ja" gelingt auch den schwächlichsten unter uns einiges - et voila!


Was hat es nun für eine Bewandnis mit dem Blogtitel? Wie erwähnt, er ist der Dritte im Laufe der Jahre. 

  1. Den ersten (samt & beige) verkaufte ich recht schnell weiter, weil ich von einem kleinen auf ein großes Sofa umswitchte. Kein Platz mehr.
  2. Den zweiten (samt und dunkelgrün) musste ich haben, obwohl immer noch kein Platz war. Nach einem Monat sah ich ein, dass ich nicht in einem Möbellager wohnen möchte. 
  3. Den dritten (grau) kaufte ich in Kenntnis meiner rasch einsetzenden Verkaufswut gebraucht über ebay, diesmal für mein Schlafzimmer. 
Farblich passt er. Vom Platz her, nun ja. Aber meine Sehnsucht nach einem Sessel, in dem ich bequem sitzen und lesen kann, wurde übermächtig, denn ich bin dem hinfläzen entwachsen. Wenn diese motorisierten Relaxsessel nicht so grauenvoll hässlich wären, ich hätte schon längst das Sofa entsorgt und mir drei dieser Sessel hingestellt. Mit elektrischer Aufstehhilfe, wenn mal wieder ein Bandscheibenvorfall jugendlich-vitale Möbelnutzung verhindert. 

Aber das ist alles Zukunftsmusik. 

Dienstag, 23. Juni 2020

Voll auf die Zwölf

Binnen drei Tagen geriet ich zweimal in Gefahr.

Einmal hat der Leihhund beinahe meine linke Hand amputiert, weil, wann immer er mich erblickt, dreht er vollkommen durch und leider dreht er sich dabei auch wirklich und ich hatte den Fehler gemacht, ihm mit beruhigenden Gesten von seinem Trip holen zu wollen. Schwups drehte er meinen Arm in seine Hundeleine und wie ein Schraubstock wurde es immer enger und leider musste ich auch laut aufschreien, weil das so schweineweh tat und die Auftragsmörderin das erst gar nicht begriff - naja, was soll ich sagen, der Arm tut immer noch weh und den Hund mochte ich auch ein paar Stunden nicht mehr. 

Fazit: ist unser aller eigener Fehler. Er muss erzogen werden und darf diesen Veitstanz nicht aufführen, wenn er mich und andere Menschen trifft, die ihm sympathisch sind. Bei mir zuhause liegt er immerhin nur noch auf der Decke und stalkt mich nicht mehr durch die Wohnung. Meine Erziehungsversuche sind geglückt.

Aber gestern wurde es dann richtig brenzlig: radelte vom Büro heim, wegen des Windes hatte ich mir ein Tuch um den Hals drapiert. Wie ich da schön einen Berg runter fuhr, flog mir was gegen den Hals und wegen des Tuchs prallte das Insekt nicht gleich wieder ab, sondern stach in Panik zu. Eine blöde Wespe. Ich schrie schon wieder laut auf, machte eine Vollbremsung und achtete darauf, jetzt nicht zu hyperventilieren, denn das hilft ja auch nix. Ich versuchte mit dem Handy meinen Hals zu fotografieren - und wirklich: mittiger hat kein Insekt je in einen Hals gestochen. 

Tat echt weh, aber hier drohte ja nun der anaphylaktische Schock auf offener Straße (weit besser, als in geschlossenen Räumen, by the way). Ich fuhr die restliche Strecke heim und eilte sofort zu meiner Freundin von gegenüber, zur Diagnose und Beratung. Sie guckte ernst, murmelte "Mit dem Hals ist nicht zu spaßen". 

Mir wurde eine Zwiebel in die Hand gedrückt, zwecks Auflegung und mit dieser saß ich den restlichen Abend auf dem Balkon, mitten in so einem Mittagessenduft (was ich so alles mit Zwiebeln verbinde, wusste ich bis gestern gar nicht) - kein Schock, kein gar nichts, nur ein zugegeben ätzender Schmerz, wie eine ganz schlimme Prellung.

Wieder was gelernt: scheine nicht gegen Wespen allergisch zu sein. Ist doch alles immer zu irgendwas gut...