Während unterdessen sowohl Niki Lauda als auch Wiglaf Droste gestorben sind, schlage ich mich mit den Auswirkungen meiner Nichtraucherei plus Schokoladenentzug herum.
Früher habe ich immer gesagt, das Gute am Rauchen ist doch, dass man weder ausfällig wird noch lila Sonnen sieht, sondern einfach nur still in einer zugigen Ecke steht und niemandem auf den Geist geht.
Nun, da ich selber gedetoxt bin, wird mir klar, dass ich vor allem mir selber nicht auf den Geist gegangen bin mit irgendwelchen Befindlichkeiten. Das hat sich jetzt geändert. Nikotin ist ein Nervengift, das hab ich nie bestritten. Aber die Auswirkungen - außer hochgradige Gefahr von Lungenkrebs - hielt ich für vernachlässigenswert. Ich spürte keine Auswirkungen, echt jetzt, manchmal Kopfschmerz, wenn ich übertrieben hatte, aber ansonsten: alles roger.
Naja. Jetzt, nach über 4 Monaten nichtrauchens und fast 8 Monaten ohne Schokolade stelle ich fest, dass ich eine tickende Zeitbombe bin, die sich ausnahmslos dysfunktionale Beziehungsgeflechte diagnostiziert, ja, sogar so weit geht, zu vermuten, alle langjährigen Begleiter und -innen sind überhaupt nur deshalb in meinem Leben, weil ich mir alle weniger liebenswerten Eigenheiten meiner beloved ones weggeraucht und/oder hübsch in Milka Vollmilch ersoffen habe.
Also: ich fühle jetzt immerzu alles. Ich, die ich noch Anfang des Jahres ungerührt von allerschlimmsten Kümmernissen berichtet habe, als sprüche ich über eine andere, muss jetzt wegen jedem Scheiß heulen und alles am lebendigen Leib empfinden. Ist das scheiß anstrengend!
Und da fast alle meine Freunde (m/w/d) saufen wie die Löcher, ertragen die umgekehrt womöglich auch mich nur, weil sie zwar tagsüber alle einer geregelten Arbeit in hoffentlich nüchternem Zustand nachgehen, sich aber am Abend, wenn wir uns für gewöhnlich treffen, sofort rosa Cremant hinter die Binde gießen. Aber gut, das ist deren Problem. War nur so'n Gedanke.
Anyway, ich habe Vollbeschäftigung mit all diesen Gefühlen und den daraus resultierenden Fragen, ob die eine oder andere verwandschaftliche oder freundschaftliche Beziehung im Grunde nicht längst auf den Misthaufen meiner Vita gehört.
Neulich war ich über eine Sache so verstört, dass ich mich mit zwei landesweit bekannten Bloggerinnen extra in Leipzig getroffen habe, um mich mit ihnen darüber zu unterhalten. Ich versprach mir von unserer virtuellen Freundschaft (die aufgrund höchst seltener persönlicher Treffen noch keine Alltagsabnutzungserscheinungen hat) eine sehr objektive Sicht auf mein Dilemma und da hatte ich mich auch nicht getäuscht. Kluge Bloggerinnen sind auch in echt kluge Frauen und so saßen wir fünf Stunden an einem verregneten Samstag im Cafe Central und dann fuhr eine jede wieder heim.
War das schön, Zeit mit Menschen zu verbringen, denen ich noch rein gar nichts übel nehmen konnte, weshalb ich auch nicht heulen musste bei der Erinnerung an frühere Verletzungen, weil sich ja bisher schlicht keine Gelegenheit für auch nur die kleinste Verfehlung gegen diverse Freundinnen-Kodexe ergab - bei dem nunmehr dritten Treffen in sieben Jahren (und die eine lernte ich an diesem Regentag sogar erst kennen.) Blütenreine Freundschaften - eine Labsal für meine entzündeten Nerven, die jetzt immerzu gekränkt sind, auch retrospektiv. Ich muss die beiden jetzt öfter treffen, es war zu schön!
Mir hat mal jmd. vor Jahren gesagt, keiner müsse sich einbilden, dass alles einfacher werde mit einem ehemaligen Suchtkranken, nur weil er nicht mehr trinke oder fresse oder sonstwas. Nein, wenn das alles weg sei, komme sein wahres Ich zum Vorschein und da wünscht sich manche/r das stets hackedichte Gegenüber zurück.
Schätze, dass meine neue Überempfindlichkeit und meine dramatischen Ausrufe "Ich fühle jetzt andauernd alles, ist das ätzend!" viel Gleichmut erfordert von denen, die mit mir zu tun haben.
Dieser kleine Exkurs nur mal so als Warnung an alle, die aufhören wollen zu rauchen: Macht euch auf etwas gefasst!
P.S. Die schönsten Nachrufe zu Wiglaf Droste gibt es hier
PPS: Ich bin jetzt doch eine ekelhaft militante Ex-Raucherin geworden. Noch halte ich zwar keine Volksreden über die Gefahren und das habe ich auch nicht vor, aber natürlich darf kein Mensch mehr in meiner Wohnung rauchen. Und ich bin sogar soweit gegangen, dass ich dreiviertel meiner Bücher im Laufe von 14 Tagen in so eine Bücher-Telefonzelle geschleppt habe - weil die einfach nach 30 Jahren Zugequalme so dermaßen stinken, dass ich's jetzt, mit meiner neuen Intoleranz einfach nicht mehr ertragen kann. Und ich bin sehr stolz, dass meine Bücher am jeweils nächsten Tag fast immer komplett weg waren. Kein Wunder, war ja Qualitätsware...
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Sonntag, 26. Mai 2019
Donnerstag, 24. Januar 2019
Finally rauchfrei
Ich hab ja immer gesagt, dass ich nicht nikotinsüchtig bin. Die Handlung ist's. Irgendwas in den Fingern haben und vor mich hindampfen, wenn mir danach ist.
Was soll ich sagen? Es stimmt. Seit 14 Tagen rauche ich nicht mehr. Nur E-Zigarette ohne Nikotin, dafür mit Eukalyptus-Geschmack.
Ich mein', ich höre mich an wie Darth Vader, wenn ich an diesem Elektrodings sauge und es liegt auch recht schwer in der Hand und dass ich gaaaaanz lange daran ziehen muss, damit das Liquid das tun kann, was ein Liquid tun muss (fragt mich bitte nicht was, hat mir die Verkäuferin erklärt und ich hab's gleich wieder vergessen) und es auch eine gewisse Eingewöhnungsphase gab, weil ich Eukalyptus doch sehr mit Bonbons assoziiere und ihr wisst ja, was passiert, wenn man versehentlich einen Bonbon einatmet (genau, man braucht gute Bekannte in der Nähe, die den Heimlich-Griff beherrschen), naja, trotzalledem bin ich zufrieden, dass es diese Ersatzhandlungsdinger überhaupt gibt. Ich hätte sonst nie aufhören können. Kein Zucker und keine Zigaretten mehr, es gibt auch bei mir Grenzen des Machbaren.
Überhaupt diese Läden, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, House of Vapes London, Tante Dampf, Capital Vapers, VapeOne, Dämpfchen, Lynden Vape Culture, Hello Vape und wie sie alle heißen: betritt man so einen Laden (ich war in zweien), wird man grundsätzlich geduzt. Zudem verdächtig freundlich und geduldig bedient.
Kein Wunder die müssen ihre Klientel ja ganz neu züchten. Uns gibt's noch nicht wie Sand am Meer. Also gibt man uns das Gefühl, wir seien furchtbar jung, lässt uns an allen Geschmacksrichtungen nuckeln, um nach einstündiger Beratung ca. 30 € im Laden zu lassen, was sich meiner Meinung nach nicht rechnen kann, aber vielleicht machen die ihr Geld mit den Liquid-Junkies und wahrscheinlich bin ich auch bald einer.
Irgendwas muss da drin sein, ich bin seit Tagen ganz früh müde und geh teilweise schon um 22 Uhr ins Bett, nach 10 Minuten bin ich schon in der ersten REM-Phase.
Das nächste Projekt: ich habe einen Flug gebucht. Dazu ein anderes Mal mehr.
Was soll ich sagen? Es stimmt. Seit 14 Tagen rauche ich nicht mehr. Nur E-Zigarette ohne Nikotin, dafür mit Eukalyptus-Geschmack.
Ich mein', ich höre mich an wie Darth Vader, wenn ich an diesem Elektrodings sauge und es liegt auch recht schwer in der Hand und dass ich gaaaaanz lange daran ziehen muss, damit das Liquid das tun kann, was ein Liquid tun muss (fragt mich bitte nicht was, hat mir die Verkäuferin erklärt und ich hab's gleich wieder vergessen) und es auch eine gewisse Eingewöhnungsphase gab, weil ich Eukalyptus doch sehr mit Bonbons assoziiere und ihr wisst ja, was passiert, wenn man versehentlich einen Bonbon einatmet (genau, man braucht gute Bekannte in der Nähe, die den Heimlich-Griff beherrschen), naja, trotzalledem bin ich zufrieden, dass es diese Ersatzhandlungsdinger überhaupt gibt. Ich hätte sonst nie aufhören können. Kein Zucker und keine Zigaretten mehr, es gibt auch bei mir Grenzen des Machbaren.
Überhaupt diese Läden, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, House of Vapes London, Tante Dampf, Capital Vapers, VapeOne, Dämpfchen, Lynden Vape Culture, Hello Vape und wie sie alle heißen: betritt man so einen Laden (ich war in zweien), wird man grundsätzlich geduzt. Zudem verdächtig freundlich und geduldig bedient.
Kein Wunder die müssen ihre Klientel ja ganz neu züchten. Uns gibt's noch nicht wie Sand am Meer. Also gibt man uns das Gefühl, wir seien furchtbar jung, lässt uns an allen Geschmacksrichtungen nuckeln, um nach einstündiger Beratung ca. 30 € im Laden zu lassen, was sich meiner Meinung nach nicht rechnen kann, aber vielleicht machen die ihr Geld mit den Liquid-Junkies und wahrscheinlich bin ich auch bald einer.
Irgendwas muss da drin sein, ich bin seit Tagen ganz früh müde und geh teilweise schon um 22 Uhr ins Bett, nach 10 Minuten bin ich schon in der ersten REM-Phase.
Das nächste Projekt: ich habe einen Flug gebucht. Dazu ein anderes Mal mehr.
Mittwoch, 25. Januar 2017
Schöner wohnen
Nachdem ich es geschafft habe, eine Runde um den Grunewaldsee zu laufen, auf vereisten, halb angetauten Wegen, mit den falschen Stiefeln, in anderthalb Stunden, weil ich mich auf der Sonnenseite am Zaun langhangeln musste, um mir nicht auch noch die Knochen zu brechen, habe ich meine Eigendiagnose "Herzmuskelentzündung durch verschleppte Grippe" wieder verworfen.
Leider konnte ich nach dem Lesen des Beipackzettels das für den schnelleren Heilungsprozess verschriebene Antibiotikum dann doch nicht nehmen. Zu gefährlich. Ich heile mich jetzt durch spazieren gehen.
Er hatte mir erst vor 6 Wochen alles tiefrot gestrichen, nachdem er mir vor einem Jahr nur eine Wand rot gemalert hatte. Aber die sah ich ja nie, weil es die Wand hinter dem Bett ist. Da hatte ich ja rein gar nichts von und beschloss, ich geh mal auf's Ganze, mir doch egal, was andere sagen, I dit it my way.
Was soll ich sagen: die erste Nacht saß ich fast durchgehend senkrecht im Bett. Hammer. Es ist dunkel, also kann mir die "anregende" Farbe Rot doch gar nix anhaben. Aber nun erzählen mir alle, doch, kann sie, keiner weiß warum, aber sie kann.
Die folgenden Wochen manifestierten sich mittelleichte Schlafstörungen und was auch noch blöd ist: tagsüber sind das ganz blöde Lichtverhältnisse. Rot schluckt Licht, es ist eine Düsternis, eine von der ganz unguten Sorte und meine Sehnsucht nach beige, ganz ganz hellem grün oder blau wird übermächtig. Anders kann es Frauen mit unerfülltem (beliebigen Wunsch eintragen) auch nicht gehen. Da baut sich ein Druck auf, man glaubt es nicht! Mittlerweile schirme ich die Augen ab, wenn ich das Zimmer betrete.
Eigentlich korrespondiert die Farbe nur noch mit der kleinen Glotze, die fast zeitgleich anfing, ihre letzten Tage einzuläuten. Auf einmal war alles grün, also stellte ich auf schwarz-weiß um; graues Geflimmer vor roter Wand, tut gar nicht weh.
Unverichteter Dinge verließ ich den Laden, denn es gibt nur noch Geräte, die man in einem Stadion aufstellen könnte und alle könnten alles sehen, da rotiert doch bestimmt dieser Feng Shui im Grabe. Das olle Ding muss weitermachen, bis es implodiert.
Tipp: statt fernsehen lieber kommentierte Fotoromane lesen (hier verlinkt: Sex, Drugs und Pferdemist, Teil 1) aus dem auch sonst empfehlenswerten Blog Von gestern.
Leider konnte ich nach dem Lesen des Beipackzettels das für den schnelleren Heilungsprozess verschriebene Antibiotikum dann doch nicht nehmen. Zu gefährlich. Ich heile mich jetzt durch spazieren gehen.
***
Heute schrieb ich meinen Maler an (ich sage das extra so, denn wer meine gesamte Wohnung gemalert hat, geht direkt in meinen Besitz über). Jedenfalls schrieb ich ihm, dass er sich darauf einstellen soll, mir in nächster Zeit mein Schlafzimmer in hellblö zu streichen. Ach, schrieb er zurück, so schnell schon?
Er hatte mir erst vor 6 Wochen alles tiefrot gestrichen, nachdem er mir vor einem Jahr nur eine Wand rot gemalert hatte. Aber die sah ich ja nie, weil es die Wand hinter dem Bett ist. Da hatte ich ja rein gar nichts von und beschloss, ich geh mal auf's Ganze, mir doch egal, was andere sagen, I dit it my way.
Was soll ich sagen: die erste Nacht saß ich fast durchgehend senkrecht im Bett. Hammer. Es ist dunkel, also kann mir die "anregende" Farbe Rot doch gar nix anhaben. Aber nun erzählen mir alle, doch, kann sie, keiner weiß warum, aber sie kann.
Die folgenden Wochen manifestierten sich mittelleichte Schlafstörungen und was auch noch blöd ist: tagsüber sind das ganz blöde Lichtverhältnisse. Rot schluckt Licht, es ist eine Düsternis, eine von der ganz unguten Sorte und meine Sehnsucht nach beige, ganz ganz hellem grün oder blau wird übermächtig. Anders kann es Frauen mit unerfülltem (beliebigen Wunsch eintragen) auch nicht gehen. Da baut sich ein Druck auf, man glaubt es nicht! Mittlerweile schirme ich die Augen ab, wenn ich das Zimmer betrete.
Eigentlich korrespondiert die Farbe nur noch mit der kleinen Glotze, die fast zeitgleich anfing, ihre letzten Tage einzuläuten. Auf einmal war alles grün, also stellte ich auf schwarz-weiß um; graues Geflimmer vor roter Wand, tut gar nicht weh.
***
Ich fuhr zwischen den Jahren zum Saturn, um eine neue Glotze zu kaufen, genauer gesagt ein Glötzchen, denn da kommt mir natürlich nur ein winzig kleines Ding rein, Hauptsache Sleep-Timer. Wenn ich ganz viel Geld hätte, würde ich mir Möbel kaufen, in denen der Fernseher per Knopdruck lautlos verschwindet, denn ich finde nichts so hässlich wie Fernseher. Unverichteter Dinge verließ ich den Laden, denn es gibt nur noch Geräte, die man in einem Stadion aufstellen könnte und alle könnten alles sehen, da rotiert doch bestimmt dieser Feng Shui im Grabe. Das olle Ding muss weitermachen, bis es implodiert.
Tipp: statt fernsehen lieber kommentierte Fotoromane lesen (hier verlinkt: Sex, Drugs und Pferdemist, Teil 1) aus dem auch sonst empfehlenswerten Blog Von gestern.
Freitag, 20. Januar 2017
Die Nacht vor dem Weltuntergang
Nachdem ich Anfang der Woche in einem Meeting einen so grässlichen Hustenanfall bekam, dass ich beinah im Strahl gekotzt habe und das auch noch in aller Öffentlichkeit, weil unser neuer Besprechungsraum vollständig verglast ist und ich auf der Suche nach dem nächsten Klo orientierungslos im Flur herumgetorkelt bin und als ich es dann endlich gefunden habe, mir alle Unterlagen zu Boden fielen und ich also hustete und hustete und einfach nicht mehr aufhören konnte, sah eine Kollegin später nach mir und schickte mich ohne wenn und aber nach Hause, bzw. zum Arzt und ich solle erst wieder kommen, wenn ich gesund bin, nicht ohne mich zu informieren, dass ich wirklich beschissen aussehe und zwar noch schlimmer als am Tag zuvor, obwohl das fast nicht vorstellbar sei.
Ich gab auf und fuhr zum Arzt. Obwohl wichtige Termine anstehen, aber ich muss der Wahrheit ins Gesicht sehen, es geht wahrscheinlich doch ohne mich. Der Arzt bekommt mich nur selten zu Gesicht, ca. einmal pro Jahr, wenn ich schweren Schnupfen habe. Das nutzte er gleich und fragte sehr sanft, ob ich nicht mal wieder Blut abnehmen lassen möchte. Nein, das möchte ich nicht, das weiß er auch, da muss er gar nicht fragen. Da könnte viel zu viel rauskommen. Vage verspreche ich, demnächst vorstellig zu werden.
Schon neulich als ich bei Yun war, diesem empfehlenswerten Optiker in Mitte, bei dem man seine Brille nach 20 Minuten fix und fertig in die Hand bekommt, hatte ich Angst, dass der Sehtest einen Hirntumor ans Licht bringt (ist einer Kollegin passiert, seitdem fürchte ich sogar Optiker).
Ich verbringe meine Tage wie folgt: Ich frühstücke und muss danach sofort wieder schlafen gehen. Später gehe ich frische Luft schnappen, um anschließend erneut in Tiefschlaf zu fallen. Den Rest des Tages schaue ich zufrieden fern. Die Nächte liege ich nicht etwa wach, dank Codein-Hustentropfen. Ein Teufelszeug. 20-30 Tropfen soll man nehmen, ich nehm nur 15.
Einmal nahm ich 30 Tropfen, als sich wieder so ein Pseudo-Krupp ankündigte und siehe da: ich hatte den ersten Trip meines Lebens oder sowas ähnliches. Lull und Lall war ich und dann klingelte es auch noch an der Tür und meine Freundin von gegenüber meinte, wie siehst du denn aus? Herrgottnochmal, ich hab doch nur keinen Lippenstift drauf, ich bin einfach zu müde für Schminke. Sie sah mich zweifelnd an und verstieg sich zur Aussage, meine Augen seien gelb.
Als Hypochonder bin ich eigentlich sehr empfänglich für solche Gutachten, in diesem Fall allerdings nahm ich das Gehörte keine Sekunde ernst. Erstens sah ich sicherheitshalber nach und da war nichts, nada, niente gelb und zweitens hat sie sich längst mit früheren Aussagen deklassiert, wie beispielsweise, dass der Mensch 20.000 bis 30.000 Herzschläge pro Minute habe und dass eine Kollegin von ihr ein Kind mit Dow-Jones-Syndrom hat. Medizinische Probleme bespreche ich mit ihr nicht und wie sie damals in Bio-Leistungskurs reingekommen ist, ist uns allen ein Rätsel.
Der anderen Freundin von gegenüber, einer medizinische Fachkraft, erzähle ich hingegen von meiner Befürchtung, mir durch das Verschleppen der Grippe eine Herzmuskelentzündung angelacht zu haben, weil ich so schlapp bin. Darüber lacht sie nur und breitet vor mir das bunte Kaleidoskop aller Symptome aus. Ja, zweifle ich, aber irgendwann fängt das ja mal an und vielleicht bin ich in den Anfängen? Sie amüsiert sich prächtig, was auf mich eine beruhigende Wirkung hat.
Jedenfalls gucke ich so Sachen, wo Frauen Hochzeitskleider anprobieren und treffsicher das hässlichste aussuchen und zur Kontemplation Panda, Gorilla & Co. Diese Zoosendungen könnte ich tagelang gucken, und dann stelle ich mir immer vor, wie beschaulich so ein Leben als Tierpfleger sein muss und ob es für eine Umschulung schon zu spät ist. Ich trüge praktische Dienstkleidung, hätte 5-10 Tiere, zu denen ich eine persönliche Beziehung aufbaue, weil ich sie von Hand aufziehe. Dann würde ich viel Gemüse schnippeln und mir beim füttern viel Zeit lassen. Ab und an kommt der nette Zoodirektor vorbei und manchmal ein Fernsehteam, aber ich bin so tiefenentspannt, dass ich nicht mal mehr Lippenstift benutze.
Heute werde ich mir die Inaugoration von Trump ansehen, von Anfang bis Ende, in der Hoffnung, dass (beliebige Wünsche hier eintragen).
Ich gab auf und fuhr zum Arzt. Obwohl wichtige Termine anstehen, aber ich muss der Wahrheit ins Gesicht sehen, es geht wahrscheinlich doch ohne mich. Der Arzt bekommt mich nur selten zu Gesicht, ca. einmal pro Jahr, wenn ich schweren Schnupfen habe. Das nutzte er gleich und fragte sehr sanft, ob ich nicht mal wieder Blut abnehmen lassen möchte. Nein, das möchte ich nicht, das weiß er auch, da muss er gar nicht fragen. Da könnte viel zu viel rauskommen. Vage verspreche ich, demnächst vorstellig zu werden.
Schon neulich als ich bei Yun war, diesem empfehlenswerten Optiker in Mitte, bei dem man seine Brille nach 20 Minuten fix und fertig in die Hand bekommt, hatte ich Angst, dass der Sehtest einen Hirntumor ans Licht bringt (ist einer Kollegin passiert, seitdem fürchte ich sogar Optiker).
Ich verbringe meine Tage wie folgt: Ich frühstücke und muss danach sofort wieder schlafen gehen. Später gehe ich frische Luft schnappen, um anschließend erneut in Tiefschlaf zu fallen. Den Rest des Tages schaue ich zufrieden fern. Die Nächte liege ich nicht etwa wach, dank Codein-Hustentropfen. Ein Teufelszeug. 20-30 Tropfen soll man nehmen, ich nehm nur 15.
Einmal nahm ich 30 Tropfen, als sich wieder so ein Pseudo-Krupp ankündigte und siehe da: ich hatte den ersten Trip meines Lebens oder sowas ähnliches. Lull und Lall war ich und dann klingelte es auch noch an der Tür und meine Freundin von gegenüber meinte, wie siehst du denn aus? Herrgottnochmal, ich hab doch nur keinen Lippenstift drauf, ich bin einfach zu müde für Schminke. Sie sah mich zweifelnd an und verstieg sich zur Aussage, meine Augen seien gelb.
Als Hypochonder bin ich eigentlich sehr empfänglich für solche Gutachten, in diesem Fall allerdings nahm ich das Gehörte keine Sekunde ernst. Erstens sah ich sicherheitshalber nach und da war nichts, nada, niente gelb und zweitens hat sie sich längst mit früheren Aussagen deklassiert, wie beispielsweise, dass der Mensch 20.000 bis 30.000 Herzschläge pro Minute habe und dass eine Kollegin von ihr ein Kind mit Dow-Jones-Syndrom hat. Medizinische Probleme bespreche ich mit ihr nicht und wie sie damals in Bio-Leistungskurs reingekommen ist, ist uns allen ein Rätsel.
Der anderen Freundin von gegenüber, einer medizinische Fachkraft, erzähle ich hingegen von meiner Befürchtung, mir durch das Verschleppen der Grippe eine Herzmuskelentzündung angelacht zu haben, weil ich so schlapp bin. Darüber lacht sie nur und breitet vor mir das bunte Kaleidoskop aller Symptome aus. Ja, zweifle ich, aber irgendwann fängt das ja mal an und vielleicht bin ich in den Anfängen? Sie amüsiert sich prächtig, was auf mich eine beruhigende Wirkung hat.
Jedenfalls gucke ich so Sachen, wo Frauen Hochzeitskleider anprobieren und treffsicher das hässlichste aussuchen und zur Kontemplation Panda, Gorilla & Co. Diese Zoosendungen könnte ich tagelang gucken, und dann stelle ich mir immer vor, wie beschaulich so ein Leben als Tierpfleger sein muss und ob es für eine Umschulung schon zu spät ist. Ich trüge praktische Dienstkleidung, hätte 5-10 Tiere, zu denen ich eine persönliche Beziehung aufbaue, weil ich sie von Hand aufziehe. Dann würde ich viel Gemüse schnippeln und mir beim füttern viel Zeit lassen. Ab und an kommt der nette Zoodirektor vorbei und manchmal ein Fernsehteam, aber ich bin so tiefenentspannt, dass ich nicht mal mehr Lippenstift benutze.
Heute werde ich mir die Inaugoration von Trump ansehen, von Anfang bis Ende, in der Hoffnung, dass (beliebige Wünsche hier eintragen).
Freitag, 6. Januar 2017
Heiraten in Korea
Zwischen den Jahren habe ich noch einige Dinge erledigt, wie neue Matratzen kaufen, einen Föhn umtauschen und meine idiotischerweise abgeschlossene Akku-Versicherung beim Kauf meines IPads vor zwei Jahren einzulösen und kurz vor der Angst einen neuen Akku zu fordern. Ich dachte ja, die schrauben gleich einen neuen rein und alles ist gut. Natürlich musste es eingeschickt werden und nach 2-3 Wochen bekomme ich es zurück.
Das ist dumm, denn ich lese Zeitungen auf dem Ding und morgens zu frühstücken ohne Zeitung ist mir schlicht unmöglich. Nun komme ich von Berufswegen an alles, was ich brauche. Seit einer Woche lese ich an der Wochenendausgabe der Süddeutschen und ich kann mit Fug und Recht sagen, dass ich jede Zeile gelesen und viel gelernt habe.
Für mein Liebesleben gibt es beispielsweise eine sehr charmante Lösung, auf die ich von allein nicht gekommen wäre. Ich werde der Moon Sekte beitreten und mich mit 4.000 anderen Paaren gleichzeitig verheiraten lassen, mit einem Mann, den ich noch nie vorher gesehen habe. Gegen eine Vor-Ort-Trauung in Korea spricht meine Flugangst, aber ich kann mich auch vor den Fernseher stellen mit dem mir unbekannten Mann und dort eine fünfzehnminütige Rede des bereits verstorbenen Sekten-Gründers anhören, an deren Ende er uns zwei auffordern wird, einander in die Augen zu schauen und dann die erlösenden Worte hören "Ihr seit jetzt verheiratet" - ist das nicht fantastisch?
Zudem werde ich mir endlich was von dem wunderlichen Essayisten Montaigne kaufen; ein früherer Kollege hat mir schon vor 15 Jahren mit ihm in den Ohren gelegen. Der Mann scheint nur Kluges gesagt und geschrieben zu haben. Damit könnte ich dann den fremden Ehemann entzücken.
Und dann wird's hohe Zeit, nach Marzahn zu ziehen oder in die Gropiusstadt, weil das wohnen in Hochhäusern doch gar nicht so schlimm sein soll. Ich kann das sogar aus eigener Erfahrung bestätigen, denn als ich drei Jahre alt war, zogen meine Eltern mit mir und meiner Schwester in ein nagelneues Hochhaus, drei baugleiche standen in gebührendem Abstand near by.
Es gab dort unfassbar viele Kinder, eigentlich verbrachten wir fast alle Nachmittage auf Kindergeburtstagen oder luden dazu ein. Ich konnte kaum erwarten, Geburtstag zu haben, weil ich dann ausnahmsweise meine Lieblingsfrisur tragen durfte. Die Eltern befreundeten sich ebenfalls und diese Freundschaften halten teils bis heute, trotz temporären Frauentauschs (Gott, es waren die Siebziger, die Mütter trugen betörende "Zweitfrisuren", welchem Mann ist vorzuwerfen, dass er sein Glück zwei Stockwerke tiefer versuchte?).
Außerdem werde ich in Kürze in die Rosenthaler Straße 11 fahren, zu einem Optiker, bei dem jede Brille 99 € kostet und man die fertig geschliffenen Gläser nach 20 Minuten eingebaut bekommt. Der hat eine Schleifmaschine vor Ort, der man bei der Arbeit zusehen kann. Das ist Fortschritt, wie ich ihn haben will. Brille to go.
Wenn mein IPad nicht weg wäre, hätte ich das alles nicht erfahren.
Dass ich nun unbedingt die neue Matratze kaufen wollte, hat mir allerdings das Genick gebrochen, denn die Verkäuferin war schwer erkältet, bzw. wirkte sie völlig gesund, sagte aber, dass es ihr sehr schlecht geht. Mich ereilte es an Neujahr. Ich stand auf und legte mich gleich wieder hin, für den Rest des Tages konnte ich nicht mal einen Arm heben. Ich blieb aber nur zwei Tage zuhause und seitdem bin ich in Büro-Quarantäne, niemand will was mit mir zu tun haben und jeder sagt, ich sehe beschissen aus.
Aber einem Mann aus der Moon Sekte würde das nichts ausmachen.
Das ist dumm, denn ich lese Zeitungen auf dem Ding und morgens zu frühstücken ohne Zeitung ist mir schlicht unmöglich. Nun komme ich von Berufswegen an alles, was ich brauche. Seit einer Woche lese ich an der Wochenendausgabe der Süddeutschen und ich kann mit Fug und Recht sagen, dass ich jede Zeile gelesen und viel gelernt habe.
Für mein Liebesleben gibt es beispielsweise eine sehr charmante Lösung, auf die ich von allein nicht gekommen wäre. Ich werde der Moon Sekte beitreten und mich mit 4.000 anderen Paaren gleichzeitig verheiraten lassen, mit einem Mann, den ich noch nie vorher gesehen habe. Gegen eine Vor-Ort-Trauung in Korea spricht meine Flugangst, aber ich kann mich auch vor den Fernseher stellen mit dem mir unbekannten Mann und dort eine fünfzehnminütige Rede des bereits verstorbenen Sekten-Gründers anhören, an deren Ende er uns zwei auffordern wird, einander in die Augen zu schauen und dann die erlösenden Worte hören "Ihr seit jetzt verheiratet" - ist das nicht fantastisch?
Zudem werde ich mir endlich was von dem wunderlichen Essayisten Montaigne kaufen; ein früherer Kollege hat mir schon vor 15 Jahren mit ihm in den Ohren gelegen. Der Mann scheint nur Kluges gesagt und geschrieben zu haben. Damit könnte ich dann den fremden Ehemann entzücken.
Und dann wird's hohe Zeit, nach Marzahn zu ziehen oder in die Gropiusstadt, weil das wohnen in Hochhäusern doch gar nicht so schlimm sein soll. Ich kann das sogar aus eigener Erfahrung bestätigen, denn als ich drei Jahre alt war, zogen meine Eltern mit mir und meiner Schwester in ein nagelneues Hochhaus, drei baugleiche standen in gebührendem Abstand near by.
Es gab dort unfassbar viele Kinder, eigentlich verbrachten wir fast alle Nachmittage auf Kindergeburtstagen oder luden dazu ein. Ich konnte kaum erwarten, Geburtstag zu haben, weil ich dann ausnahmsweise meine Lieblingsfrisur tragen durfte. Die Eltern befreundeten sich ebenfalls und diese Freundschaften halten teils bis heute, trotz temporären Frauentauschs (Gott, es waren die Siebziger, die Mütter trugen betörende "Zweitfrisuren", welchem Mann ist vorzuwerfen, dass er sein Glück zwei Stockwerke tiefer versuchte?).
Außerdem werde ich in Kürze in die Rosenthaler Straße 11 fahren, zu einem Optiker, bei dem jede Brille 99 € kostet und man die fertig geschliffenen Gläser nach 20 Minuten eingebaut bekommt. Der hat eine Schleifmaschine vor Ort, der man bei der Arbeit zusehen kann. Das ist Fortschritt, wie ich ihn haben will. Brille to go.
Wenn mein IPad nicht weg wäre, hätte ich das alles nicht erfahren.
Dass ich nun unbedingt die neue Matratze kaufen wollte, hat mir allerdings das Genick gebrochen, denn die Verkäuferin war schwer erkältet, bzw. wirkte sie völlig gesund, sagte aber, dass es ihr sehr schlecht geht. Mich ereilte es an Neujahr. Ich stand auf und legte mich gleich wieder hin, für den Rest des Tages konnte ich nicht mal einen Arm heben. Ich blieb aber nur zwei Tage zuhause und seitdem bin ich in Büro-Quarantäne, niemand will was mit mir zu tun haben und jeder sagt, ich sehe beschissen aus.
Aber einem Mann aus der Moon Sekte würde das nichts ausmachen.
Sonntag, 1. Januar 2017
Blondes have more fun
Die Silvesternacht hat mir nichts abverlangt, außer Humor.
Ich war mit der Auftragsmörderin verabredet. Wir hatten uns angemeldet bei der Party in unserer DoKo-Spelunke, die sollen toll sein, mit tanzen und allem, hat man uns versichert. Beginn 22 Uhr. Vorher waren wir woanders was trinken, verquatschten uns dort und kurz vor elf fuhren wir vor. Wir sahen durch die Fenster.
"Du, da ist niemand."
Wir gingen rein. Da war niemand. Bis auf vier Gäste und die Wirtin. Aber das waren Stammgäste, seit dem Altpaläolithikum sitzen die dort.
Ich meine, ich bin ohne Erwartungen los, aber so erwartungslos war ich dann auch wieder nicht. Und 23 Uhr ist zu spät, um sich woanders unterzubringen. Also haben wir über uns gelacht und die Köpfe geschüttelt und uns gefragt, was wir verbrochen haben. Und dann haben wir gesagt, dass wir den nächsten Mann, der hier rein kommt, ansprechen. Aber es kamen nur ein Rosenverkäufer und ein 12jähriger Junge, der aufs Klo musste.
Um Mitternacht nahmen wir uns herzlich in die Arme und gingen vor die Tür. Man drückte uns je eine Riesen-Wunderkerze in die Hand. Da standen wir und starrten in den Himmel.
"Ist doch mal ein sehr entspanntes Silvester, letztes Jahr als ich bei Dingens war, das war doch sehr krampfig."
Was ich so besonders an ihr schätze, ist, dass sie die Dinge nimmt, wie sie kommen und da ich das auch gut kann, sind wir bestens geeignet, so einen Schmarrn miteinander durchzustehen.
Als wir eine halbe Stunde später wieder reingingen, kamen noch ein paar andere Leute mit, die sich zu uns an die Theke setzten, pensionierte Lehrer und Lehrerinnen, schätze ich. Wir bekamen wieder Wunderkerzen in die Hand, diesmal die kleinen. Die Funken fackelten versehentlich die Luftschlangen ab, die sporadisch verteilt waren.
So ein Feuer entzündet sich affenartig schnell. Ich schüttete mein Bier (alkoholfrei mit einem Schuss Holunderbeersirup) drüber, das alles fand die Wirtin nicht lustig.
"Kannste alles verbloggen."
Hiermit getan.
Ich war mit der Auftragsmörderin verabredet. Wir hatten uns angemeldet bei der Party in unserer DoKo-Spelunke, die sollen toll sein, mit tanzen und allem, hat man uns versichert. Beginn 22 Uhr. Vorher waren wir woanders was trinken, verquatschten uns dort und kurz vor elf fuhren wir vor. Wir sahen durch die Fenster.
"Du, da ist niemand."
Wir gingen rein. Da war niemand. Bis auf vier Gäste und die Wirtin. Aber das waren Stammgäste, seit dem Altpaläolithikum sitzen die dort.
Ich meine, ich bin ohne Erwartungen los, aber so erwartungslos war ich dann auch wieder nicht. Und 23 Uhr ist zu spät, um sich woanders unterzubringen. Also haben wir über uns gelacht und die Köpfe geschüttelt und uns gefragt, was wir verbrochen haben. Und dann haben wir gesagt, dass wir den nächsten Mann, der hier rein kommt, ansprechen. Aber es kamen nur ein Rosenverkäufer und ein 12jähriger Junge, der aufs Klo musste.
Um Mitternacht nahmen wir uns herzlich in die Arme und gingen vor die Tür. Man drückte uns je eine Riesen-Wunderkerze in die Hand. Da standen wir und starrten in den Himmel.
"Ist doch mal ein sehr entspanntes Silvester, letztes Jahr als ich bei Dingens war, das war doch sehr krampfig."
Was ich so besonders an ihr schätze, ist, dass sie die Dinge nimmt, wie sie kommen und da ich das auch gut kann, sind wir bestens geeignet, so einen Schmarrn miteinander durchzustehen.
Als wir eine halbe Stunde später wieder reingingen, kamen noch ein paar andere Leute mit, die sich zu uns an die Theke setzten, pensionierte Lehrer und Lehrerinnen, schätze ich. Wir bekamen wieder Wunderkerzen in die Hand, diesmal die kleinen. Die Funken fackelten versehentlich die Luftschlangen ab, die sporadisch verteilt waren.
So ein Feuer entzündet sich affenartig schnell. Ich schüttete mein Bier (alkoholfrei mit einem Schuss Holunderbeersirup) drüber, das alles fand die Wirtin nicht lustig.
"Kannste alles verbloggen."
Hiermit getan.
Montag, 26. Dezember 2016
Der Sommer kann kommen
Habt ihr schon mal darauf geachtet, ob ihr eine Treppe runtergehen könnt, ohne nach unten zu schauen?
Ich erinnere mich, dass ich als Kind die Stufen im Treppenhaus runtergesprungen bin, mich gesteigert habe, erst zwei Stufen, dann drei und zum Schluß sechs. Oder mit Rollschuhen die Abfahrt runter, die unten noch eine Kurve machte. Wie ich anfangs überlegt habe, ob ich das schaffe und nach kurzer Zeit bin ich mit links da runter, ohne Helm und ohne Gurt.
Ich beobachte Freunde und alle anderen Leute, wie sie die Treppen runter gehen. Mit Gottvertrauen hüpfen sie die Stufen runter. Verdammt. Frage mich, wann das bei mir aufgehört hat. Im Sommer bin ich Weltklasse gestürzt, auf der letzten Stufe einer Wendeltreppe, mit einem Gartenstuhl in der Hand, weil ich dachte, da ist keine Stufe mehr. Ob ich bis dahin noch... Oder fing es erst danach an, dass mein Blick vergewissernd nach unten geht, mit der Hand am Geländer? Oder kündigt sich das alte-Schachtel-Dasein ganz allgemein mit solchen Petitessen an?
Themawechsel. Weihnachten ist geschafft und blöderes Wetter ist selten gewesen. Ich habe meinen ersten Tannenbaum gekauft. An Heiligabend noch, damit das jüngste Familienmitglied was zum umreißen hat. Der Baum kann froh sein, bei mir zu sein, denn er hat hinten nix. Passt sich optimal der Wand an und von vorne gibt er die perfekte Premium-Tanne.
Ich frage mich, wie viele Spinnen ich mir mit ihm ins Haus geholt habe.
Wir waren so entkräftet davon, uns nichts zu schenken, dass die Grippe leichtes Spiel mit uns hatte. Zeitgleich wurden wir dahingerafft, dennoch habe ich mich heute gezwungen, eine Stunde draußen rumzulaufen. Noch einen weiteren Tag sitzen und essen und ich hätte eine Thrombose bekommen; sehr gefährlich, wenn man kein Heparin in Petto hat. Das sollte aber zur Weihnachtszeit in jedem Haushalt vorrätig sein.
So, und jetzt frei, also wirklich frei. Keine Pflichten mehr. Außer neue Tempos kaufen. Draußen braust der Sturm. Drinnen glimmt der Tannenbaum. Ich lese Alan Bennet.
P.S: Noch ein guter Rat von Frau Lavendel: "Und wenn ich ein berühmter Musiker wäre, ich würde mich vorsorglich ganz vorsichtig bewegen und stets in der Nähe eines Notarztes aufhalten."
Ich erinnere mich, dass ich als Kind die Stufen im Treppenhaus runtergesprungen bin, mich gesteigert habe, erst zwei Stufen, dann drei und zum Schluß sechs. Oder mit Rollschuhen die Abfahrt runter, die unten noch eine Kurve machte. Wie ich anfangs überlegt habe, ob ich das schaffe und nach kurzer Zeit bin ich mit links da runter, ohne Helm und ohne Gurt.
Ich beobachte Freunde und alle anderen Leute, wie sie die Treppen runter gehen. Mit Gottvertrauen hüpfen sie die Stufen runter. Verdammt. Frage mich, wann das bei mir aufgehört hat. Im Sommer bin ich Weltklasse gestürzt, auf der letzten Stufe einer Wendeltreppe, mit einem Gartenstuhl in der Hand, weil ich dachte, da ist keine Stufe mehr. Ob ich bis dahin noch... Oder fing es erst danach an, dass mein Blick vergewissernd nach unten geht, mit der Hand am Geländer? Oder kündigt sich das alte-Schachtel-Dasein ganz allgemein mit solchen Petitessen an?
Themawechsel. Weihnachten ist geschafft und blöderes Wetter ist selten gewesen. Ich habe meinen ersten Tannenbaum gekauft. An Heiligabend noch, damit das jüngste Familienmitglied was zum umreißen hat. Der Baum kann froh sein, bei mir zu sein, denn er hat hinten nix. Passt sich optimal der Wand an und von vorne gibt er die perfekte Premium-Tanne.
Ich frage mich, wie viele Spinnen ich mir mit ihm ins Haus geholt habe.
Wir waren so entkräftet davon, uns nichts zu schenken, dass die Grippe leichtes Spiel mit uns hatte. Zeitgleich wurden wir dahingerafft, dennoch habe ich mich heute gezwungen, eine Stunde draußen rumzulaufen. Noch einen weiteren Tag sitzen und essen und ich hätte eine Thrombose bekommen; sehr gefährlich, wenn man kein Heparin in Petto hat. Das sollte aber zur Weihnachtszeit in jedem Haushalt vorrätig sein.
So, und jetzt frei, also wirklich frei. Keine Pflichten mehr. Außer neue Tempos kaufen. Draußen braust der Sturm. Drinnen glimmt der Tannenbaum. Ich lese Alan Bennet.
P.S: Noch ein guter Rat von Frau Lavendel: "Und wenn ich ein berühmter Musiker wäre, ich würde mich vorsorglich ganz vorsichtig bewegen und stets in der Nähe eines Notarztes aufhalten."
Donnerstag, 22. Dezember 2016
Wir schenken uns nichts
Wenn ich bedenke, wie grundglücklich und stocktaub ich den letzten Dezember verbracht habe, auf's Sofa gefesselt von freundlichen Viren, jeden Tag Mittagsschlaf, sieht's dieses Jahr ganz anders aus. Wie ich schon erwähnt habe, ein Höllenritt bis zur letzten Minute. Ich hielt mich für schlau und machte zwei Tage Home Office bevor der Urlaub beginnt. Ich fantasierte, was ich dann alles schaffen werde, ganz nebenbei.
Nix da. Home Office bedeutet nur, dass ich mir den Weg spare. Außerdem mülle ich dann auch noch tagsüber die Wohnung zu. Und morgen kommt Besuch. Und hier sieht's aus (hysterische Betonung auf aus).
Und dieses wir-schenken-uns-nichts-nur-den-Kindern, Mann Mann Mann, meine jüngste Schwester machte mir einen Strich durch die Rechnung. Letztes Wochenende im Kaff machte sie Bescherung, ihr Kind wollte unsere leuchtenden Gesichter sehen, wenn wir schon mal alle auf einen Haufen sitzen. Und sie wohl auch. Die beiden haben nämlich gebastelt. Sie haben mich benäht, ich will nicht in Einzelheiten gehen, aber ich geriet in Verzweiflung, wie ich mich bloß angemessen revanchieren kann, weil ich gar nicht aushalte, etwas so herzerwärmend Schönes unerwidert zu lassen.
Also saß ich gestern Nacht bis halb zwei morgens (hab ja Home Office und kann ausschlafen) und bastelte. Erinnert sich noch jemand an dieses metallische Gold-und Silberpapier? Ich schnitt tausend Kreise aus, halbierte sie, klebte sie zu kleinen Tütchen zusammen und dann wollte ich alles zusammenkleben; am Ende hat man ein völlig nutzloses und breihässliches... ja, wie soll ich das jetzt nennen? Eine Kugel halt, über die meine Schwester vor Rührung hätte weinen sollen, weil es eine Reminiszenz an unsere Kindheit ist, wo wir bis zur Ohnmacht gebastelt haben (Im Falle eines Falles klebt Uhu wirklich alles).
Aber ich hatte kein Uhu zuhause, gibt es das überhaupt noch? Nur so einen blöden Prittstift und deshalb klebten die kleinen Tütchen nicht aneinander fest und so war das nächtliche Unterfangen ganz umsonst. Ich drehte ihr einen kleinen Film von meinen sinnlosem Versuch, wenn sie schon nicht heulen würde, sollte sie wenigstens lachen.
Ich habe festgestellt, dass zu meinen weniger liebenswerten Eigenschaften gehört, dass ich eine schlechte Schenkerin bin. Also ich schenke sehr gerne, bei manchen fällt mir ganz leicht, das Passende zu finden, und bei anderen sehr schwer. Letzteres bei meinen Schwestern, leider. Ich könnte jetzt behaupten, sie seien schwer zu beschenken, aber beide überraschen mich immer wieder mit Gaben, die derart ins Schwarze treffen, dass es mich umhaut vor Rührung.
Für hilflose Menschen wie mich wurden Gutscheine erfunden. Kann man nix mit falsch machen. Da wir uns also nichts schenken, bin ich vorhin nach meiner mörderisch anstrengenden Home Office Session losgefahren und habe mich mit Gutscheinen eingedeckt und bis eben habe ich sie kunstvoll verpackt. Ich bin geschenketechnisch à jour.
Nur die Bude und ich selbst sind sanierungsbedürftig. Das Mütterle wird die Kemenate das erste Mal im natürlichen Zustand sehen.
Ach ja, das wollte ich noch erzählen. Sie bekam eine Geburtstags-SMS, die sie uns vorlas und meinte "Das ist ja nett von diesem Null-Zwei-Team, dass die mir gratulieren."
Nix da. Home Office bedeutet nur, dass ich mir den Weg spare. Außerdem mülle ich dann auch noch tagsüber die Wohnung zu. Und morgen kommt Besuch. Und hier sieht's aus (hysterische Betonung auf aus).
Und dieses wir-schenken-uns-nichts-nur-den-Kindern, Mann Mann Mann, meine jüngste Schwester machte mir einen Strich durch die Rechnung. Letztes Wochenende im Kaff machte sie Bescherung, ihr Kind wollte unsere leuchtenden Gesichter sehen, wenn wir schon mal alle auf einen Haufen sitzen. Und sie wohl auch. Die beiden haben nämlich gebastelt. Sie haben mich benäht, ich will nicht in Einzelheiten gehen, aber ich geriet in Verzweiflung, wie ich mich bloß angemessen revanchieren kann, weil ich gar nicht aushalte, etwas so herzerwärmend Schönes unerwidert zu lassen.
Also saß ich gestern Nacht bis halb zwei morgens (hab ja Home Office und kann ausschlafen) und bastelte. Erinnert sich noch jemand an dieses metallische Gold-und Silberpapier? Ich schnitt tausend Kreise aus, halbierte sie, klebte sie zu kleinen Tütchen zusammen und dann wollte ich alles zusammenkleben; am Ende hat man ein völlig nutzloses und breihässliches... ja, wie soll ich das jetzt nennen? Eine Kugel halt, über die meine Schwester vor Rührung hätte weinen sollen, weil es eine Reminiszenz an unsere Kindheit ist, wo wir bis zur Ohnmacht gebastelt haben (Im Falle eines Falles klebt Uhu wirklich alles).
Aber ich hatte kein Uhu zuhause, gibt es das überhaupt noch? Nur so einen blöden Prittstift und deshalb klebten die kleinen Tütchen nicht aneinander fest und so war das nächtliche Unterfangen ganz umsonst. Ich drehte ihr einen kleinen Film von meinen sinnlosem Versuch, wenn sie schon nicht heulen würde, sollte sie wenigstens lachen.
Ich habe festgestellt, dass zu meinen weniger liebenswerten Eigenschaften gehört, dass ich eine schlechte Schenkerin bin. Also ich schenke sehr gerne, bei manchen fällt mir ganz leicht, das Passende zu finden, und bei anderen sehr schwer. Letzteres bei meinen Schwestern, leider. Ich könnte jetzt behaupten, sie seien schwer zu beschenken, aber beide überraschen mich immer wieder mit Gaben, die derart ins Schwarze treffen, dass es mich umhaut vor Rührung.
Für hilflose Menschen wie mich wurden Gutscheine erfunden. Kann man nix mit falsch machen. Da wir uns also nichts schenken, bin ich vorhin nach meiner mörderisch anstrengenden Home Office Session losgefahren und habe mich mit Gutscheinen eingedeckt und bis eben habe ich sie kunstvoll verpackt. Ich bin geschenketechnisch à jour.
Nur die Bude und ich selbst sind sanierungsbedürftig. Das Mütterle wird die Kemenate das erste Mal im natürlichen Zustand sehen.
Ach ja, das wollte ich noch erzählen. Sie bekam eine Geburtstags-SMS, die sie uns vorlas und meinte "Das ist ja nett von diesem Null-Zwei-Team, dass die mir gratulieren."
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