Donnerstag, 20. Dezember 2018

Mission accomplished

Als ich dann letzten Samstag kränklich zu Bett ging, wurde der Hund aus Solidarität auch krank. Gegen 3 Uhr morgens schlich er um mein Bett herum und fiepte. Ich wurde wach und fragte erzürnt, ob er von allen guten Geistern verlassen sei. Er fiepte weiter und mir dämmerte: Gefahr in Verzug.

Also Wintermantel über den Schlafanzug und mit ihm vor's Haus. Ich blieb in der Tür stehen, der Hund schiss großräumig den Vorgarten voll; er hatte offenbar den Norovirus. Den Rest der Nacht war aber Ruhe und ich war ihm zu großen Dank verpflichtet, dass er mich wachgefiept hatte, anstatt einfacherhalber ins Wohnzimmer zu scheißen. 

Den Rest der Woche verbrachte ich schlafend, essend und fernsehend. Mein Biorythmus ist völlig durcheinander, ich habe unterdessen recht unorthodoxe Zeiten der Nahrungsaufnahme und des wohligen wegdämmerns (immer direkt nach dem Essen). 

Zwischendurch gehe ich an die frische Luft, Weihnachtsgeschenke besorgen. Nur weil die Familie sich nichts schenkt, was im Grunde nur drei Schwestern und eine Mutter betrifft, sind ja noch viele andere Menschen zu bedenken. Nichten, Patenkinder, Freunde und meine Kollegin Bling Bling, die mich in den Christmas Garden eingeladen hat. Letztere ist unheimlich einfach zu beschenken. Ich darf einfach ganz schreckliches Zeug mit Pailletten und Lurex kaufen und dann freut sie sich 'nen Kullerkeks. Es macht mir großen Spaß, sie zu beschenken, weil Glitzerzeug gerade so en vogue ist. Wird einem ja hinterhergeschmissen. 

Mir selber verbiete ich natürlich, sowas gut zu finden. Ich habe mir von Anbeginn an Puristik verordnet und daran wird sich auch nichts ändern.

Das größte Weihnachtsgeschenk habe ich mir selber gemacht. Ich war heute in der Apotheke und bin dort zufällig auf eine Waage gestiegen, mit Stiefeln, Wintermantel und Bree-Rucksack auf dem Rücken. Ich bekam einen Schock als ich mein Gewicht sah und brüllte durch die Apotheke "Stimmt die Waage? - denn ich wog genausoviel wie daheim ohne was an. Die Apothekerin kam und stellte sich selber drauf. "Die Waage stimmt", sagte sie mit fester Stimme. "Das ist doch nicht möglich" flüsterte ich.

Ich schwebte nach Hause und öffnete entschlossen meinen Kleiderschrank. Dort habe ich wie jede vernünftige Frau eine Ecke mit Klamotten, die mir seit 10 Jahren nicht mehr passen. Ich probierte ein Teil nach dem anderen an und alles passte wie angegossen. Ich steh immer noch unter Strom. 


***

Liebe Schokoladen-Junkies: ich will nicht klugscheißen. Aber wenn ich das geschafft habe, schafft das jede/r andere auch: 4 Tage Hölle, 10 Tage Dauerhunger, dann ist die Sache erledigt. Ich dachte, mir wird alles genommen, aber das ist Quark. Nach 14 Tagen - ohne dass es sonstige Veränderungen im Leben gegeben hat - ist man auf einmal fit, wach, gutgelaunt und Treppen sind ein Klacks. Es könnte drei Wochen junge Hunde regnen, es würde mich nicht stören. 

Nun höre ich öfter "Ich könnte das nicht, ich brauche das gerade, ist alles so stressig." Ich sag da nix zu, ist ja jeder erwachsen. So habe ich ja auch geredet und gedacht. Aber jetzt weiß ich, dass diese Erschöpfung überhaupt nur von übermäßigem Zuckerkomsum verursacht wird; und das hält man dann für seine in Stein gemeißelte, unabänderliche Lebensrealität. Das Alter. Die Wechseljahre. Der Chef. Das Wetter. Dabei.. ich wiederhole mich.

14 beschissene Tage, nicht mehr und nicht weniger. Lohnt sich.

Kommentare:

  1. "Aber jetzt weiß ich, dass diese Erschöpfung überhaupt nur von übermäßigem Zuckerkomsum verursacht wird"
    Genau das.
    Ich bin in diesem Jahr völlig neben der Spur, hab mir damit 10 Kilo auf die Rippen gefressen und MERKE, wie sehr mich das ausbremst. Körperlich und seelisch.
    Teufelskreis - die Energie, sich dagegen zu stemmen, fehlt genau deshalb.
    Ich suche den Einstieg, so schlapp, ernergielos und unfit wie dieses Jahr will ich nicht mehr sein. Weil ich WEISS, dass es anders geht und sich saugut anfühlt.
    Vielleicht lese ich mir deinen heutigen Beitrag täglich mantraartig vor, damit ich die Kurve krieg.
    Danke dafür.
    LG
    Gwen

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    1. Ich wünsche dir, dass du den Hebel umlegen kannst. Weißt ja, reine Kopfsache.

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