Sonntag, 9. Dezember 2018

Pantoffelheldin

Zum hundertsten Mal in Folge hat sich meine Familie in die Hand versprochen, dass wir uns zu Weihnachten nichts schenken. Als meine jüngste Schwester vor einiger Zeit schrieb, dass sie diesmal wirklich, ernsthaft, definitiv keine Geschenke machen wird, atmeten wir anderen erleichtert auf, denn sie hat bisher noch jedes Jahr auf's Neue für beschämte Momente gesorgt, weil sie natürlich unseren Pakt boykottiert hat. 

Und sie ist eine großartige Schenkerin. Ich bin ja eher so die Gutscheinschenkerin, was daran liegt, dass ich a) völlig einfallslos bin, was by the way überhaupt nicht in mein Selbstbild passt und b) selber gerne Gutscheine bekomme. Nichts schöner als in Läden herumzuschlendern und mir aussuchen können, was ich möchte.

Da aber in diesem Jahr keine peinlichen Momente gepaart mit Schuldgefühlen anstehen, habe ich beschlossen, mir selber was zu schenken. Ich zuckerfreie Sportskanone hab's aber auch verdient.

Und ich wusste genau, was ich wollte. Eine neue Geldbörse und Hausschuhe. Ich bin ein Fan von Hausschuhen, könnte ich mir andauernd kaufen. Auf dem Hausschuhmarkt hat sich einiges getan. Als ich neulich woanders zu Gast war, bot man mir diesen Schuh an. Natürlich hat man heutzutage Gästehausschuhe, die meistens die abgetragenen sind, zu schade zum wegwerfen, immer noch gut genug für Transitgesindel, das die eigene Wohnung bevölkert. Ich selbst könnte an die 10 Leute mit eigenen Pantoffeln versorgen, da einige Freundinnen und Verwandte neuerdings selber welche stricken und herschenken.

Jedenfalls: ich schlüpfte rein und dachte "Meiner". 

Ich googelte und dachte, 50 € für einen Hausschuh? Das sind ja 100 Mark. Ist das nicht spätrömische Dekadenz? Andererseits so flauschig, warm und trotzdem fest, nie wieder kalte Füße, das ist doch auch was wert. Genau: weil ich es mir wert bin.



Weil ich mir heute besonders viel wert war und ich jede Menge spare, weil wir uns nichts schenken, bin ich in den nächsten Laden, Portemonnaie kaufen. Auch hier hatte ich genaue Vorstellungen und da ich mir nur alle 7-8 Jahre ein Neues kaufe, habe ich mich für dieses Modell entschieden. Ich wollte schon immer eins mit Reißverschluss drumherum, weil da nix rausfallen kann.

Während ich das so schreibe, frage ich mich, wen das wohl interessieren wird. Vermutlich niemanden. Aber ich bin so befriedigt davon, dass ich was Schönes wollte und was Schönes bekommen habe und was gibt es Schöneres, als in mollig warmen Hausschuhen das neue Portemonnaie zu befüllen?

Bevor ich das tun konnte, musste ich vorher noch in die Haifischbar mit der Auftragsmörderin und der Dezemberaffaire. Wir besprachen "Dogs of Berlin". Erstere war vorgestern aus Gründen auf der Premierenparty und versorgte uns mit Promifotos. 

Kackt ja voll ab gegen "4 Blocks". Ist so ärgerlich unrealistisch, während bei "4 Blocks" nur Tony Hamady unrealistisch ist, weil der einfach zu gut ist und man bei Grausamkeiten, die man ihm ins Drehbuch schrieb, immer denkt "Wirklich? Das bist doch nicht du." Man hat ihn von Herzen gern, was einem Clanchef im wahren Leben wohl eher selten passiert. 

Dann packte die Auftragsmörderin zwei vollendet hübsche Tütchen aus. Hat sie doch 30 Gläser vegane Linsen-Ingwer-Aufstriche hergestellt und uns je zwei Gläser zu Weihnachten geschenkt, dabei ist erst der 8. Dezember, deshalb war ich auch nicht beschämt. Jetzt frage ich mich, mit welchem Gutschein ich ihr eine Freude machen kann. Vielleicht stricke ich ihr auch Hausschuhe.


Kommentare:

  1. Die Schenkerei einzudämmen ist eine langwierige Angelegenheit. Hier hat das auch erst nach einigen Jahren des konsequenten Nicht-Zurückschenkens funktioniert, bis man wusste, daß wir es wirklich so meinten. Und wenn doch mal ein Geschenk nachgekommen ist, muß man seinen Missfallen darüber durch mangelnde zum Ausdruck gebrachte Freude verdeutlichen. Denn dann hat der Schenkende auch nichts davon. Es ist ein Erziehungsprozess, der seine Zeit benötigt und wirklich Konsequenz benötigt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ihr wart sicher richtig verhasst. Ich kann das nicht. Es muss ein Agreement sein, sonst sterbe ich vor Schuldgefühlen.

      Löschen
    2. So schlimm war es nicht. Wir haben es regelmäßig immer und immer wieder angekündigt, und irgendwann ist es auch bei der Familie durchgedrungen, das wir das wirklich so meinen.

      Löschen
  2. Manchmal muss man sich auch was gönnen. Alles richtig gemacht.

    AntwortenLöschen
  3. Die besten Geschenke macht man sich eh selbst 😉.
    Und diese Pantoffeln... die halten die Füße ein paar Jahre warm, die Investition lohnt dich. Bei Abschreibung über die Nutzungsdauer von geschätzt mindestens fünf Jahren relstiviert sich der Anschaffungspreis. LG FrauVonundZu

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. 5 Jahre? Zehn Euro pro Jahr. Ein Schnäppchen. ;)

      Löschen
    2. ...macht nicht mal 1 Euro im Monat....lach..

      Löschen
  4. Ich schenke eigentlich gern. das Problem ist nur, dass einem nicht immer etwas für die jeweiligen Personen einfällt. Manchmal gibt es was tolles, aber dann ist noch nichtmal Weihnachten. Allerdings stresst es auch, wenn einem eben nix einfällt. Und ich ärger mich auch, wenn ich etwas schenke, mir Mühe gegeben habe und der Beschenkte das Geschenk nicht verwendet. Dann denke ich auch: hätte ich mir lieber selbst was gekauft. Weswegen ich das dieses Jahr etwas einfrieren werde. Ich gebe zusätzliches Geld gerne für meine geliebten Tiere aus bzw. Spende es.
    Aber ich lese auch sehr gerne über Hausschuh und Geldbeutel Dinge meine Liebe Annica. Ich habe es dieses Jahr auch versäumt Socken zu stricken, die ich verschenken kann.....aber so kurz vor Panik werde ich jetzt auch aktiv, lach. Dabei weiß ich bis auf 2 Personen auch niemanden, der sich wirklich über meine Socken freut....
    Hauspuschen für Besuch haben wir auch, natürlich keine abgetragenen sondern die günstigen von I*KEA oder aus Hotels in denen mein Kerl arbeitet. Und ein größeres Geldbörsending werde ich mir im nächsten Urlaub für 15€ gönnen!
    Das allergrößte Geschenk des Jahres war am Wochenende aber eine Jeans für MOI!
    Ich war mit meiner Tochter in Lübeck shoppen und probierte 5 Hosen an. Eine schlimmer als die andere. Ich war so frustriert, dass ich dachte, ich kann doch nicht den ganzen Winter in 2 noch passenden Hosen überstehen? Und dann kam meine Freundin mit einer Restbestandsjeans aus ihren Verkaufszeiten bei F*riendtex und siehe da, die Hose passt wie angegossen und der Preis ist eine Spende für den Tierschutz! Tschakka. Frau Hedi glücklicher als mit Juwelen! Ehrlitzsch!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du weißt schon, dass es noch eine dritte Person gibt, die sich über Socken freut???

      Ich schenke auch total gerne. Bei manchen Menschen fällt es mir leicht. Merkwürdigerweise vor allem bei meiner Kollegin Bling Bling, aber da ist es auch einfach. Alles, was ich furchtbar finde, gefällt ihr ;)

      Viel Spaß mit deiner neuen Hose.



      Löschen
  5. Linsen-Ingwer-Aufstrich? Lässt sich das essen oder schlüpft man da auch mit den kalten Quanten rein? Ich mein nur.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das kann man essen, glaub mir! Wenn es gut gemacht ist, schmeckt es sogar göttlich!

      Löschen
    2. Ich hab's noch nicht probiert.

      Löschen
  6. Hab deine Sockengröße vergessen... schäm

    AntwortenLöschen