Sonntag, 16. Februar 2020

Augen auf beim Autokauf

Neulich wollte ich mir ein neues Auto kaufen. Das alte 15 Jahre alt, mit zunehmenden Zipperlein evtl. nicht mehr ohne größere Invesition durch den TÜV zu bekommen.

Nun gibt es vier drei Dinge, die in meinem Leben immer klappen: Parkplatz vor der Tür, Autos, Jobs und Wohnungen. Also sah ich mir zwei Autos an, die alles hatten, was ich wollte. Beim Besichtigungstermin stellte sich heraus, dass TÜV nicht nur nicht neu ist, sondern gar nicht vorhanden, jedoch für 130 € zu erwerben sei. Die Sitzheizung gibt es doch nicht und Gewährleistung nur, wenn ich 1.000 € mehr bezahle. Bei dem anderen war "das Radio" kaputt - in diesem Fall der komplette Bordcomputer mit Navigationssystem. Invesition: 700-1000 €. 

Frustriert schaute ich im Internet nach anderen Autos. Früher, da bekam man beispielsweise Opel Corsas hinterhergeschmissen. Oder so lütsche Japaner. Tja, nix bekommt man mehr hinterhergeschmissen. Beim Autokauf herrscht auch Gentrifizierung. Ich gab meinen Plan, ein Auto zu kaufen, wieder auf.

Meine olle Möhre stand aber schon am Straßenrand, mit einem Verkaufsschild ausgestattet und am selben Abend bekam ich einen Anruf von einer Dame. Sie sei die Frau, von der ich vor fünf Jahren mein Auto gekauft habe. Nein, sage ich, das habe ich von einem Mann gekauft. Ich weiß, sagte sie, der hat es von mir gekauft und hatte es zwei Tage später für 500 € mehr wieder an die Straße gestellt (Mir hatte er damals erzählt, er hätte es von seiner Omma).

Ihr Gatte habe im vorbeifahren zufällig gesehen, dass ihr altes Auto wieder zum Verkauf angeboten werde und da wollte sie mich fragen, ob ich zufällig ein Neues brauche, denn sie wolle nun wieder ihr Auto verkaufen und da wäre es doch "sehr witzig", wenn ich es wieder kaufen würde, oder?

Ja, sage ich, schon witzig, was soll er denn kosten? Sie nannte einen Preis, der mein Budget überschritt. Bedauernd beendeten wir das Telefonat, denn dieser Wagen hatte wirklich alles, was ich wollte.

Dann dachte ich an die zwei Schlawiner, die mich übers Ohr hauen wollten. Der nicht mehr vorhandene Markt für preiswerte Kleinwagen. Meine womöglich vollkommen überholte Einschätzung, was "preiswert" heutzutage bedeutet. Mein Bedauern, dass sich die ganze Welt Neu- oder Jahreswagen leisten kann, nur ich nicht.

Abends rief ich die Dame noch mal an. Sie war hocherfreut und meinte gleich, sie habe mit ihrem Mann gesprochen, sie sei bereit, 1.000 € mit dem Preis runterzugehen. Das war zwar immer noch über meinem Budget, aber ich hatte unterdessen nachgeschaut, was ihr Wagen im Netz kosten würde. Immerhin nur 15.000 km runter und erst 6 Jahre alt; sowas ist in meiner Welt ein Neuwagen. Das Netz sieht das ausnahmsweise ähnlich: sowas von außerhalb meines Budgets! Da verzichtet sie auf eine Menge Geld, weil sie es witzig findet, dass ich erneut ihren Wagen kaufe - aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Beglückt sagte ich nun zu, verkaufte meinen alten an einen Herrn, der zwar bei der Probefahrt mein Herz brach, weil er das Auto im ersten Gang bis kurz vor'n Motorschaden und auch den zweiten Gang bis Anschlag trat und erst dann mit 45 kmH durch die Straßen juckelte - sich also als der typische unfähige Autofahrer erwies, der mangelndes Fahrvermögen durch äußerst ruppiges Anfahren wettzumachen versucht - aber es ist nicht mehr meine Sorge, dass er es auf diese Weise nicht mal mehr bis zum TÜV schaffen wird. 

Gestern war der Tag gekommen. Ich fuhr zu der Dame, machte eine Probefahrt, ich begeistert an der Grenze zur Schnappatmung. Dann bat sie mich nach oben in ihre Wohnung, um den Vertrag zu unterschreiben. Ihr Gatte ebenso freundlich wie sie. Eine Stunde saß ich bei den beiden, angeregt plaudernd, uns gegenseitig Sympathie versichernd und ganz ehrlich: die beiden sind wirklich richtig sympathisch.

Wir bleiben in Kontakt. Denn wenn sie in fünf Jahren ihren wieder verkauft, wäre es doch schön, wenn ich ihn wieder kaufen würde, meint sie.

Die beiden hat mir der Himmel geschickt.

Kommentare:

  1. Das liest sich wie der Anfang einer Highsmith-Kurzgeschichte.

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    1. Das endet dann so: es stellt sich heraus, dass ich adoptiert bin und die Dame ist in Wahrheit meine echte Mutter. Weil sie so glücklich ist, mich endlich gefunden zu haben, schenkt sie mir fortan jedes Jahr ein neues Auto.

      Annika

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    2. Das ist eine coole Idee Annika , lol.......wer weiß, vielleicht wirst du die Erbin dieses kinderlosen Ehepaares......und wohnst dann in einem unfassbar schönen Haus....

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  2. ich habe mir auch gerade ein neues Auto gekauft. Sind wir Seelenverwandte?

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