Sonntag, 15. Januar 2017

Ungeschriebene Gesetze

Woran erkennt man Männer mit Macht? 

Sie machen keinen Platz, wenn man an ihnen vorbei will. Ist so. 

Stehen sie in einer Gruppe und unterhalten sich, dann reagieren sie nicht, obwohl sie mit dem Rundumblick, der unserer Spezies möglich ist, gewiss wahrnehmen, dass sich jemand nähert. Entweder schätzen sie schon aus der Ferne ein, ob sich jemand gleichwertig mächtiges nähert, dem Platz zu machen sich dringend empfiehlt oder sie haben sich ihre Manieren abgewöhnt oder beides. 

Ausnahmen gibt es. Hier trifft auf ein sonniges Gemüt ohne jeden Dünkel und gutes Aussehen eine kometenhafte Karriere, die aus eben jenen Gründen nicht Kompensationszwecken dienen muss. Vielleicht hatten sie auch noch eine glückliche Kindheit.

Was machen Frauen mit Macht? 

Sie lächeln nicht mehr. Nicht mehr zurück lächeln ist ein klares Dominanzverhalten. Weil offenbar keine Veranlassung mehr besteht, weitere Sympathiepunkte zu generieren. Wirkt aber schnell gelangweilt, depressiv und vereinsamt, wenn die Verweigerung einer freundlichen Miene nicht gepaart ist mit ruppigen Umgangsformen. 

Lustig ist, zu beobachten, wie die, die sonst stets an der Seite des Obermuftis zu finden sind, sich trollen, wenn externe wirklich Wichtige zugegen sind. Sie würden nicht mal wagen, sich in die Nähe der großen Jungs zu begeben. Sind nur noch zweite Wahl und dürfen natürlich auch nicht mit ins Chambre Separé. 

Ich bin mir sicher, dass ihnen das niemand erklären muss. Sie wissen es einfach. Eigentlich könnte ihnen in diesen Momenten dämmern, dass talentiertes Stiefellecken noch lange nicht bedeutet, dazuzugehören. 

Mitleid habe ich mit denen, die ehemals mächtig waren. Deren Großspurigkeit und Selbstgewissheit ist heimgegangen in die ewigen Jagdgründe und als Schatten ihrer Selbst stehen sie bei zweit- bis drittklassigen Mandatsträgern. 

Ausnahmen gibt es auch hier, die Lässigkeit demonstrieren und im übrigen freundlich zu jederman sind. 




Kommentare:

  1. Dass der Blogeintrag unvermittelt abbricht, macht mir ja etwas Sorgen.)
    Bedeutet hier Macht "hierarchisch höchste Stellung"? (dann hängt es wohl noch von der Art der Organisation ab, welche Leute dort zu finden sind.)

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    1. Ups... jetzt werde ich wohl dement ;)

      Nein, Macht meint hier Macht. Und ganz nebenbei hat man dann natürlich auch die hierarchisch höchste Stellung.

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    2. Interessantes Thema, die Erkenntnisse, die man dazu hat, sind halt meistens eher anekdotisch und nicht systematisch. Ich denke, dass das Verhalten auch von der jeweiligen Kultur abhängt, die ist in Politik anders als in bestimmten Wirtschaftszweigen und im mittelständischen Unternehmen anders als im Großkonzern. Eines bleibt aber: inzwischen sind die Machtpositionen meist nicht dauerhaft. Ganz interessant, wenn man dann den auch von dir beschriebenen Wandel mit ansehen kann.

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    3. Nach meiner Beobachtung unterscheiden sich Politik und Wirtschaft nicht, die gemeinsame Zeitspanne in Machtpositionen schweißt sie zusammen in ihrem temporären Alphatier-Rudel.

      Aber wenn dann die Zeit vorbei ist und sie über Nacht keine Einladungen mehr nirgendwohin bekommen... und schnell irgendwas mit Consulting machen, um wieder auf die Verteiler zu kommen... ach ja...ein Trauerspiel

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    4. Die plötzliche Erkenntnis, dass die Freundlichkeit und Ehrerbietung nicht der Person, sondern der Position galt... und dass die Leute, die man schlecht behandelt hat, weil sie hierarchisch nicht angemessen waren, nun diejenigen sind, die darüber entscheiden, ob die Consulting-Klitsche einen Auftrag bekommt... ja, das sieht man immer wieder mit stiller Verwunderung..

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    5. Genau so ist es ;)
      Und die Neu-Consulter wirken schon sehr angestrengt. Kein Personenschutz, keine Fahrer, kein Inner Circle mehr. Ein Schauspiel.

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    6. Grundsätzlich sind zwei Regeln hilfreich:
      1. Behandele alle Leute gleich freundlich, egal, wo sie in der Hierarchie stehen.
      2. Hüte dich davor, Protege zu sein. Kette dein berufliches Schicksal nicht an eine Person.

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    7. 3. Und denke immer daran, dass man sich im Leben immer zweimal sieht.
      Und dann gibt es noch eine wichtige 4. Regel, aber die schreibe ich hier nicht auf.

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    8. (Da fallen mir verschiedene Dinge ein, die passten. Schreiben wir mal zusammen einen Ratgeber: "10 Regeln, wie man zwar nicht erfolgreich, aber weitgehend geistig unbeschädigt durchs Geschäftsleben kommt"?)

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    9. Au fein, für jede Hierarchiestufe 10 eigene Regeln. Ich bin dabei ;)

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  2. Ich dachte beim Lesen sofort an Neujahrsempfänge in Kleinstädten - aber die Frauen lächeln noch zurück mit festgezurrter Mimik.

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  3. Es gibt ein gutes Buch von Herrn Gansloser, der Gruppenmechanismen und Dominazverhalten mit Experten verschiedener Ausrichtung untersucht hat (bei anderen Säugetieren). Sehr aufschlussreich, wenn es Dich interessiert

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