Mittwoch, 6. Juli 2016

Schlimme Bilder auf Zigarettenschachteln

Als ich eben Zigaretten kaufte, erwischte ich die erste Packung mit dem Bild einer Leiche, die gerade in einen Sack verzurrt wird. Drunter stand: "Rauchen verursacht Herzanfälle" Ich hoffe doch sehr, das war ein Mannequin und keine echte Leiche. 

Ich wurde auch gleich sauer. Ich, die nicht trinkt (krieg ich Kreislauf von), noch nie Drogen genommen hat (viel zuviel Schiss) und fast immer Vollkornbrot isst, wird jetzt von Staats wegen in Angst und Schrecken versetzt.

Gerecht fänd ich, wenn auf jeder Pulle Alkohol Fotos von Säufern im Endstadium gezeigt werden. Mit Texten drauf "Trinken verursacht Leberzirrhose, ekligen Nachtschweiß, grauenvolle Verkehrsunfälle, stinklangweiliges Geschwafel, unattraktive Gangstörungen, missliche Persönlichkeitsveränderungen und den Hang zu Streitigkeiten mit wem auch immer". 

DAS wär gerecht.

Ein Raucher ist doch von allen Substanzabhängigen der harmloseste Geselle. Er sitzt still in der Ecke, meistens allein, weil er ja in Gesellschaft kaum noch rauchen darf, er bekommt weder gute noch schlechte Laune vom rauchen, ist nicht manischer oder depressiver als sonst, er kann problemlos Auto fahren, ins Büro gehen und will auch nicht öfter jemanden vermöbeln, als ohnehin schon - er ist der Gemütsmensch unter den Süchtigen. 

Inzwischen muss er schon Kleinkredite aufnehmen, um seine Sucht zu finanzieren, während es in bestimmten Etablissements (Lidl) den Sprit spottbillig gibt, geradezu hinterhergeschmissen, wenn auch keine Qualitätsware.

Bei anderen Süchtigen wird mitfühlend anerkannt, dass es sich um eine Sucht handelt, behandlunsgbedürftig, krankhaft, allein nicht zu schaffen, auf gar keinen Fall. Arbeitgeber sind dazu angehalten, ihre Fürsorgepflicht gegenüber einem Mitarbeiter zu erfüllen, der über das Stadium hinaus ist, seine Sucht mehr oder weniger erfolgreich verbergen zu können.  

Ein Raucher hingegen wird verächtlich als Luftverpester gehandelt, der sich nicht im Griff hat. Alle Nichtraucher, die gerne mal was trinken, möchte ich erleben, wenn eine Flasche Bier 7 € kosten würde, wenn es keine Kneipe mehr geben würde, in denen sie trinken dürften, oder wenn jemand neben ihnen in der Kneipe sagen würde: "Müssen Sie hier unbedingt trinken, ich bin schwanger.", wenn sie zuhause nur noch trinken dürften, wenn sie allein leben, wenn sie Trinker Ecken aufsuchen müssten, im Winter und im strömenden Regen. Ich hör es schon "In der Trinker Ecke ist es immer am gemütlichsten!"

Je länger ich drüber nachdenke, desto besser finde ich die Idee. Aus paritätischen Gründen.

Natürlich müsste es dann - wie zur Prohibition - geheime Treffpunkte geben, in denen Raucher und Trinker entspannt zusammen sitzen, mit Freizeitkleidung in gefälligen Farben und ein jeder den lieben Gott einen guten Mann sein lässt.

Kommentare:

  1. Es heißt, man beabsichtige ein Bild von mir in Badehosen auf Nutellagläser zu drucken ...

    Du bist nicht allein. Wir Süchtigen müssen doch zusammenhalten!

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    1. Ich hab mich gerade verschluckt vor lachen :)))

      Du bist ein ganz ausgezeichneter Kommentator *flöt*

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    2. Bei diesen phantastischen Texten fällt das aber auch nicht schwer *schleim*

      Und vielen Dank für die Aufnahme in deine Blogroll, es ist mir eine Ehre *sülz*

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    3. Des isch irgendwie schon au *Speichel einsaug* okay für mich.

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  2. Herzlichen Dank für diesen tollen Post. Ich grübele schon seit mehreren Jahren warum die Raucher regelmäßig Steuerlöcher stopfen müssen, während das andere Genussmittel quasi seit Kriegsende preisstabil erhältlich ist. War das schon mal Thema im Bundestag?
    Herzliche Grüße von einer Raucherin

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    1. Ich werde umgehend im Bundestag anrufen und das eruieren. Die sind auf der Leber blind.
      Andererseits ist es klar, weshalb von uns die Steuern eingezogen werden. Wir sind noch arbeitsfähig.
      Während so ein korsakowgeplagter Mensch kaum noch den Weg ins Büro findet

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    2. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier...

      Irgendwann ... siehst du es nicht mehr ...

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    3. Bisher sind die Bilder noch zu vernachlässigen, aber es wird sicher schlimmer. Raucherbeine usf

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  3. Toller Post! Naja, eigentlich sind ja alle deine Posts fantastisch.
    Aber bei diesem Thema musste ich natürlich auch sofort daran denken, wie es wäre, wenn man übergewichtige und tote Menschen auf Chipstüten und Süßigkeitenverpackungen abbilden würde. Wie dein Nutellafreund schon so schön beschrieben hat. Es stimmt, in dieser Hinsicht werden Raucher sehr unfair behandelt.

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    1. :))
      Er ist übrigens nicht mein Nutella Freund, sondern mein Nutella Verlobter. Auch wenn er nach dem Zigaretten holen nie zurück gekommen ist.

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  4. Der Punkt ist doch eher - schrecken diese Bilder wirklich jemanden ab?
    Das einzige, was mich zur Nichtraucherin gemacht hat, war die erste Schwangerschaft - für andere mag's andere Gründe geben - aber Leichen und Warnhinweise auf Zigarettenschachteln hätten mich wohl kaum beeindruckt.
    Der Vergleich zwischen trinken und rauchen hinkt auch ein bisschen, finde ich. Ich habe noch nie passiv getrunken, aber schon oft passiv geraucht.
    Und das ist so scheußlich und macht mich teilweise aggressiv ( auch völlig nüchtern *lach*) wie ich es mir in rauchenden Zeiten nie hätte träumen lassen.
    Ich bin froh über jede rauchfreie Zone, versuche aber mir missionarisches Eifern zu verkneifen - bitte meine obigen Worte dementsprechend als Beschreibung ohne Wertung lesen.

    LG,
    Britta

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