Mittwoch, 24. Februar 2016

Raindrops keep falling on my head


Als ich mir mein lüttes Auto kaufte, fühlte ich mich wie in einem Fliewatüt. Es hat nämlich ein Glasdach und ich konnte kaum abwarten, damit in Starkregen zu fahren. Das stellte ich mir sehr romantisch vor. Regenpladdern an Fensterscheiben gehört fast zu meinem Lieblingswetter. Gestern nun hatte ich das langersehnte Vergnügen und ich kann sagen, es wäre nur noch schöner gewesen, wenn dabei die Sonne geschienen hätte. 

Aber der Sommer naht, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Sobald es um 7.15 Uhr hell ist, weiß ich, es geht aufwärts, vor allem habe ich eine Sorge weniger. Die Tochter meiner Freundin von gegenüber muss um diese Zeit am Bus sein und um dort hinzukommen, muss sie am dunklen Wald vorbei. Jetzt ist sie wieder sicher vor Axtmördern, die ich traditionell hinter Bäumen und Sträuchern ansiedele.

Ich selbst darf mich freuen über Heimfahrten, die an guten Tagen bei Helligkeit beginnen und in Dämmerlicht enden. Es geht voran. Wir haben jetzt vier Monate vor uns, in denen es bergauf geht und weitere vier, an denen es nicht schlechter wird, als es jetzt ist. Mir elenden Schisser kommt das wie gerufen.

Das alles korreliert wunderbar mit meiner jüngst eingeläuteten Doppelkopf-Manie. Jeden Montag Abend begebe ich mich nach Kreuzberg und spiele in einer Raucher-Kneipe bis tief in die Nacht. Da ich gerade die um die Ecke liegende Wohnung einer sich auf Reisen befindlichen Freundin einhüte, falle ich gegen 2 Uhr morgens in ihr Bett, stelle mir den Wecker auf 8 Uhr, das sind auskömmliche sechs Stunden Schlaf. 

Wie nun der Bezug zur elenden Schisserin? Ja, weil sie im Hinterhof wohnt und ein Hinterhof ist Nachts um 2 Uhr so ähnlich wie ein Wald, mit Axtmörder-Potential. Meine Schuhe klappern über das Kopfsteinpflaster, weil dort bekommt man natürlich keinen Parkplatz vor der Tür und das lockt doch jeden Psychopathen, der auf sich hält, vor die Tür, wenn er schon keinen Wald hat, in dem er sich versteckt halten kann. 

Auch in der Wohnung ging es mir nicht viel besser. Habt ihr schon mal in der Wohnung eines Freundes geschlafen, der nicht in der Stadt ist? Ich kam mir so fremd vor, dass ich beinah angefangen hätte zu dissozieren. Ja, man gießt Blumen in anderer Leuts Wohnungen, legt ihnen die Post auf den Küchentisch, das ist leicht. Aber dort zu schlafen ist eine ganz andere Sache. Ohne die eigentlichen Bewohner sind die Räume ein Niemandsland, ein Paralleluniversum, far far away. 

Dabei wollte ich nicht nur Montags dort schlafen, sondern öfter, um zu üben, weil ich mich an den Gedanken gewöhnen will, eventuell mein Bullerbü zu verlassen, schlimmstenfalls. Das Leben geht ja immer weiter, das ist meistens gut so, aber manchmal schmerzlich, da darf man nicht stehen bleiben, sondern muss über Alternativen nachdenken. 

Natürlich bekommt kein Schwein mehr eine bezahlbare Wohnung in Berlin, wir hätten uns zwei Jahre früher verkrachen müssen, wenn es denn schon sein musste, aber Krisen lassen sich nicht auf Termin legen. 

Anyway, zum Schluss ein Tipp für Werner Schmidt. Lieber Werner Schmidt, ich habe keine Ahnung, wie es Ihnen geht, ich kenne Sie auch gar nicht. Aber Ihre Schaufenstergestaltung lässt zu wünschen übrig. Womöglich verbirgt sich hinter den blinden Fenstern ein gut getarntes Waffenarsenal, mit dem Sie die Rüstungsindustrie unterwandern. Wenn nicht: Sie müssen etwas tun; denn das Leben, wie gesagt, geht immer weiter.



Kommentare:

  1. Mir gefällt die Auslage. Hat sowas Gemütliches für Poeten.
    Ich würde mein Auto ja mit Axtschärfeservice beschriften. Dann kommen sie raus und es gibt noch etwas Schwarzgeld.
    "Wie soll es denn sein?"
    "Ich bin ein Barbar aus den tiefen Höhlen von Balbubistan"
    "Etwas schartig, der Herr. Möchten Sie noch ein paar tiefe Kerben und Rostflecken. Das dauert dann bis übermorgen."
    "Ich möchte gleich meucheln."
    "Sie können es sich ja noch einmal überlegen. Ich packe es noch schnell in einen stockigen Sack. Macht 34,78."
    "Danke schön."

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  2. Dann hoffen wir mal, dass schnell gutes Wetter und viel Sonne und viel Licht kommt. Damit Deine depressive Phase mal wieder weggeht...
    Verabschiede mich hiermit von Dir - war nett! Alles Gute...

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    1. Moi? Depressiv? Wie kommst du denn auf diesen schmalen Pfad?

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  3. Es ist ganz anders als Du denkst: gemordet wird, wenn es warm wird. Das ist wie bei der Jagd: ansitzen im Winter steht man nicht durch. Insofern wird es immer gefährlicher, je bequemer es sich der Axtmörder, temperaturbedingt, im Hinterhof machen kann. Dann ist er zwar für alle länger sichtbar, aber nachts um zwei ist es trotzdem dunkel und wer dann heimkommt ist meistens breit.
    Also immer schön abstinent bleiben, dann haut er daneben.

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  4. ich liebe diesen sound.. wenn annika aus dem leben erzählt..

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  5. Vielleicht eine "Jungsenioren-WG"?
    Sabine

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