Montag, 13. April 2015

Blind Call

"Wäisde, ich will amol mid so äiner abbediedlischen Frau an meiner Säide in son Gammergonzerd gehen, so was gleines, indimes, voschdehsde? So allein machd dis gäinen Schpoß, nu? Gönn ma das nich einfach mol mochen? Worauf warden wa denn noch? Ich frog disch, worauf wardden wa denn noch?"

Ich für meinen Teil warte darauf, dass sich die Erde auftut. Großer Fehler. Kontaktanzeige in der Sonntagszeitung. Soll man nicht drauf antworten. Niemals. Wär ich doch nur bei meinem Mantra geblieben: was kommt, das kommt und was nicht, das nicht. So ist das Leben. Kann ich auch nichts für. Aber nun habe ich den aus dem Erzgebirge stammenden Mathematiker an der Strippe. Und erschrecke schon beim ersten Satz. Tiefstes sächsisch.

Die erste harmlose Frage, die ich ihm stelle, wird empört retouniert.

"Och, jedz gähd des glei wieder lös, woher isch gomme und dann die gansen Vorurdeile, nu, das genn ma schon. Dabei hörn sisch die Schwobn viel schlimmer an öder die Bayern, alsö, die Hessen gähn ja grode so, aber die schlimmsden sind die Ruhrboddler, alsö, isch find die Sochsen gans ogäh. Gannsde sogn wass de willsd."

Ich bin nicht in der Lage, einfach aufzulegen, ich bin zu höflich oder zu blöd oder was auch immer. Ich hab auf Lautsprecher gestellt und betrachte mein Telefon, aus dem diese schnarrende, heisere Stimme quakt (gworgt). So dicht am Ohr ertrag ich das überhaupt nicht. 

"Und dü hasd beschdimmd so gons lange braune Hoore?"
"Nein, blonde."
"Ober die hasd du beschdimmd immer hochgebunden? Oder träägsd einen Zobf?"
"Nein, nie."
"Des gähd do gor ni, dass du die offn drägst im Büro. Do.. doo siehsde ja aus wie eine gärmonische Griegerin!"

Ich verlasse meinen Körper und betrachte mir den Schmarrn von oben aus. Was geht in diesem Mann vor? Das sagt er mir gleich, weil er hat eine Theorie.

"Isch hob do so äine Deorie, weshalb des ni glabbt in der heudigen Zeit. Gennsd du Alma Mohler? Die war mid Gustav Mohler verheiraded und da haabn die so die Guldur für sisch ausgeläbd und die armen Leude worn von der Guldur abgeschnidden. Und heudzudage gönnen gans viele Leude ins Gammergonzert gähn und da wirds denn schwierig, voschdehsde?"

Ich versteh gar nichts, diese Kausalkette bleibt ein Mirakel. Ich unterdrücke mit aller Kraft  meine höflichen Anteile und beende das Telefonat. Alma Mahler hat schon viel Scheiß gebaut, aber an allem ist sie auch nicht Schuld.

Kommentare:

  1. Ahhhh, er möchte eine Beziehung fernab vom Pöbel und sucht deshalb eine... eine... ja was eigentlich? Keltische Göttin?

    Aber weeßte, wenn mein Gegenüber so e bissel sächselt, dann find ich das ausgesprochen sympathisch und es entspannt mich ungemein, dann muss ich mich selber ni so anstrengen (man kann ja sonst wirklich nicht sprechen wie einem der Schnabel gewachsen ist, ohne Spott und Vorurteile zu ernten). Aber es gibt so Kandidaten, die lassen einen selbst vorm Rechner noch im Boden versinken.
    Aber in einem muss ich ihm Recht geben, de Nernbercher un de Frrrrangen klingen in meinen Ohren tausendmal schlimmer! Den neuen Frankentatort muss man jetzt wohl in Dadord umbenennen. ;)

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  2. Er möchte eine "disdingierde, mondähne Frau". Und selbst fabuliert er, als hätte er einen Turnschuh im Mund. Ich hab nur die Hälfte verstanden und wer weiß, wozu es gut war :)

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  3. Mein Wissen über Alma Mahler verdanke ich Florian Illies. So viel Guldur muss sein.

    Du solltest nicht auf eine Kontaktanzeige antworten, obwohl, solltest du doch, immer wieder, und immer wieder drüber schreiben. :)

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    1. Eine neue Rubrigg fürn Giedsneurodigga seim Blähsier? Da wär isch glei gons onners modiwierd.

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    2. Wieso? Meinste, der hat noch Brüder?

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  4. Das nicht, aber du kannst jeden Monat von mir die Kontaktanzeigenseite im Magazin geschickt bekommen. ;)

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  5. Sehr schön!

    Ich hab mal nen Sachsen kennengelernt, der mir erzählte, dass er Mädchengestalter ist.
    "So mit Ohrringe dranhängen und Röckchen auswählen?" hab ich ihn gefragt.
    Das fand er nicht witzig.

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