Mittwoch, 13. Januar 2016

Wie mir gestern mein Ego zermatscht wurde


Oh Mann, war ich sauer. Da stand ich pünktlich um 19 Uhr vor dem Konzerthaus am Gedarmenmarkt und bekam eine sms "Ich bin erst Yorckstraße". Hätte ich ihr die Karte doch nur schon vorher gegeben, dann könnte ich jetzt reingehen und müsste nicht frieren. 

Ich hatte nämlich beschlossen, dass ich dieses Jahr nicht nur zusage, am Neujahrsempfang der Lufthansa teilzunehmen, sondern auch hinzugehen. Es fehlte nicht viel und ich hätte "Viel Spaß an der Yorckstraße, ich fahr nach Hause" geantwortet. So blieb es bei einem sozialverträglichen "Ist nicht dein Ernst?" und kurz darauf folgte "Ich sitz im Taxi, bin in fünf Minuten da." 

Es hatte auch Vorteile: ich war so durchgefroren, dass ich das gesamte Konzert benötigen würde, um aufzutauen, was wiederum mich und andere davor bewahren würde, mir die Kleider vom Leib zu reißen, mir ist in Menschenansammlungen immer zu warm. 

Aber erst mal bekam mein Ego auf die Fresse. 

Es ist etwas ganz anderes, als Grüßaugustine auf unseren Empfängen tätig zu sein, als auf anderer Leuts Empfänge als Gast herumzustehen. Obwohl ich ein kleines Licht bin (an mir ist nichts prominent oder wichtig, ich muss nur dafür sorgen, dass alles läuft), bin ich dennoch gewohnt, dass mein Lächeln erwidert wird; ich strahle wie ein Flakscheinwerfer, professionell aber natürlich, das ist mir von Geburt an gegeben.

Jetzt lächelte ich die an, die ich kannte und die normalerweise auch mich kennen, aber die lächelten zweifelnd zurück und auf ihrer Stirn stand geschrieben "Wer ist das, warum lächelt die, spinnt die?" Da war's aber schnell vorbei mit meiner Großartigkeit. Nur der eine, den ich immer den letzten-reichen-Mann-in-meinem-Leben-der-mich-anbaggert nenne, machte mir für eine Weile seine Aufwartung, Gottseidank, sonst wäre ich völlig zerrüttet gewesen.

Ich ließ mir nichts anmerken und sagte meiner Freundin nicht so Sachen wie "Du, den kenne ich, das ist der Dings.", nur damit sie dann merkt, dass der Dings mich nicht kennt. Peinlichkeiten sollten ausschließlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vonstatten gehen. Ich behielt also alles für mich, hörte auf, dumm rumzulächeln und versuchte, mich mit ihr zu unterhalten, was bei der Geräuschkulisse mörderisch war, denn ick hör ja nüschte.

Wir saßen im zweiten Rang, was meiner Position wohl angemessen war; ganz in meiner Nähe saß ein abgehalfterter Sprecher und ein Journalist, der noch den zweiten Weltkrieg persönlich miterlebt hat. Tja, eine Tippse ist eine Tippse ist eine Tippse.

Aber das ist alles Jammern auf Weltniveau, denn dann kam die - mich mit allem versöhnende - Musik. Mein Avatar (und für die Kenner: auch mein Blogname) lässt ganz richtig vermuten, dass hier eine schreibt, die früher gerne Star Trek geguckt hat, und so hörte ich mit Gänsehaut eine konzertante Aufführung sämtlicher Titelmelodien bis hin zu Deep Space Nine. Ich starrte hingerissen auf das Orchester und als ich mich begeistert meiner Freundin zuwandte, sah ich, dass sie traurig an die Decke schaute. 

Herrje, ich vergaß! Ihr abspenstiger Gatte, ein Langweiler vor dem Herrn, mit dem mich nur eins verband, unsere Leidenschaft für alberne Science Fiction Serien, hatte das Haus über Jahre beschallt mit den eingängigen Melodien, sein whatsapp Profil zierte gar ein Foto von Captain Picard. Sie kam schlecht drauf, ich immer besser. Ich spürte, dass sie das Taxi ab Anhalter Bahnhof, um mich nicht noch mehr zu erzürnen, letztlich unter Fehlinvestition verbuchte. 

Aber so ist das Leben, eine heult immer.

Kommentare:

  1. Die Musik war "Die Rache der Sith" für dein langes Warten in der Kälte.

    Grüße vom Glühwurm an den Flakscheinwerfer.

    AntwortenLöschen