Montag, 23. März 2015

Zutrauliche Klempner

Der hauseigene, berentete Gas-Wasser-Scheiße-Experte betritt meine Wohnung, dreht gekonnt den Haupthahn ab und siehe da: es kommt kein Tropfen mehr aus der Leitung. Keine Ahnung, was die Zille-Brüder verbrochen haben, jedenfalls ist gar nichts kaputt. Der Klempner ist von der Hausverwaltung auch gleich beauftragt, mir den neuen Geschirrspüler einzubauen, den alten schieben wir einfach vor meine Wohnungstür in den Hausflur. Mein Schlafzimmer hat genug gelitten.

"Hach", sage ich, "da hätte ich den Abwasch ja doch noch stehen lassen können. Hatte Gäste neulich..." Weiter komme ich nicht.

"Wohl Jeburtstag gehabt? Ick ooch, nächste Woche, kommse nie drauf, wie alt ick werde, aber dit wird blöde, weil sich meene bescheuerten Kinnas verkracht haben und dann darf ick die eene nich einladen, dann kommt der andere nich, Mann, is det eene Scheiße, kannick Ihnen saren. Und denne ham wa noch son schweren Fall inne Verwandschaft, also son rischtich schweren Fall, meine Kusine, 300 Kilo Leebndjewicht, een Brumma sach ich Ihnen, aba ne Seele von Kamel, mitm Helfersündrom vom allafeinsten. Die Mutta von der, ooch son Kaliba, 200 Kilo, wa, hat Diabetes, musstense neulich det linke Been amputieren, na, da war was lox, kann Ihnen saren. Meene Kusine fleecht die jetzt, als obse nich selbst jenuch Kumma hat. Und denn, vorn paar Wochen kriech ick n Anruf vonne Nachbarin, ob ick mal kommen kann, die Omma is tot umjefallen und die ooch sone Wuchtbrumme, da ham die von Grieneisen se nich in Sarch jekriecht, hamse mich jeholt, ob ich se mitheben kann, wir musstense praktisch reinstopfen, da war was los, nee, wie die da so lag, keen schöner Anblick, sach ick Ihnen."

Ich seh ihn zerstreut an und falte das Verpackungsmaterial zusammen, entschuldige mich, gehe zur Mülltonne. Als ich zurückkomme, hat er ein anderes Thema, das ihm auf den Nägeln brennt. Gott sei Dank nichts mit Amputationen.

"Ick hab ma ja neulich ne Küche gekooft, 1 Euro, 35 Jahre alt, wie neu, sach ick Ihnen, naja, 1 Euro, Quatsch natürlich, musstenwa noch investiern, anne 1000 Euro, hab ick mir son Herd gekooft, mit diese Platten, na, wie heeßen die, Induksjonsfelder, schomma von jehört? Da is mir doch die Glastür zerbrochen, die is ja so dreiteilig, ick hatte den Schutz weggenommen, wusstick ja nich, hatti Versicherung abba alles bezahlt, konntich ja nüscht für."

Was hab ich nur auf der Stirn geschrieben? Er wird nie wieder gehen und mich bis ans Ende meiner Tage vollschwallen. Das Telefon rettet mich, ich verschwinde ins Wohnzimmer. Dann ruft er "Fertich!" Ich geh zurück in die Küche. 

"Sajrense mal, als ick det letzte Mal bei Ihnen war, da hamse mir sonne schöne Mammelade jeschenkt, Apfel Schelee gloob ick, die war echt lecka." Ich drücke ihm ein Glas Orangen Gelee in die Hand. "Frolleinchen, so habbich dit doch nich jemeint, aba danke, freu ick ma jetzt schon druff. So, nu füllnse mal Salz ein und denne schiebense mal an dat Ding. Machn wa jleich den Elchtest. Sehnse, det läuft! So, ick werd mal, ssum Bäcka, ick bin doch son Süßa, wissense wo die Post früha war? Da is jetz n Bäcka drin, also nich drinne, aber jleich daneben. Jeh ick jeden Morgen vorde Arbeit hin und danach ooch. So,  Feierabend. Machenses jut, bis ssum nächsten Mal, wa."

Weg issa. Die Maschine brummt. Nie wieder abwaschen.

Kommentare:

  1. ROFL!
    Spitze!!
    Sowart kenn ick ooh zu Jenüge. Abba sach domma ährlich - bessa als wie Färnsehn, wa?
    Du darfst nur nie den Kapitalfehler machen und eine Frage stellen! Sonst verbringt so einer den ganzen Tag bei Dir.

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    1. Ich hab nüschte gesagt, kein Piep. Es reichte, in sein Blickfeld zu geraten, dann ratterte er vollautomatisch los ;)

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  2. Herzlichen Glueckwunsch. Ich freue mich so fuer dich, dass du endlich wieder eine funktionierende Geschirrspuelmaschine hast. Ich kann mir ein Leben ohne so ein Ding kaum noch vorstellen.
    Aber diese beriner Urtypen kenne ich auch. Deren Mitteilungsbeduerfnis ist erstaunlich. Das Problem ist, dass man ihnen oft vollkommen ausgeliefert ist. Man kann ja den Hausmeister nicht vor den Kopf stossen. Und das wissen diese Menschen unbewusst ganz genau und nutzen das dann auch weidlich aus.

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    1. Der Mensch gewöhnt sich an allem, auch am Dativ.
      Der war ganz lieb, immerhin kroch er auf dem Boden rum, um mir dieses Ding anzuschließen. Ich hätte nur gerne ein Diktiergerät gehabt, dann hätte ich mir nicht alles merken müssen.

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