Mittwoch, 14. Oktober 2015

Extrem rumlieging


Mal wieder im Vabali

Es gibt doch diese Handtücher, die man mit Klettverschluss über der Brust verschließt. Das trug sie. Die gibt es auch in kurz. Das trug er. Ich frage mich, über welche Kataloge (Beilage Apothekenrundschau?) gebeugt die beiden gesessen haben und zur Entscheidungsfindung gelangten und wie man überhaupt so drauf sein muss, um derartige Käufe zu tätigen. Sicherlich sah das im Katalog aus wie ein lässig um die Hüften geschlungenes Handtuch, das den Vorteil hat, nicht zu rutschen. In realiter wie ein steif vom Körper abstehender Minirock. Das hätte sie eigentlich sehen und ihn bewahren müssen. Aber nun war der Krempel gekauft und bezahlt. Sie tappten in das Kaminzimmer, setzten sich auf ein Sofa und schliefen im sitzen sein, nicht aneinandergelehnt, sondern mit dem Kopf nach hinten, sie mit offenem Mund. Ich war mir nicht sicher, ob sie noch leben oder hier gemeinsam sterben wollten. Alles Partnerlook, Handtücher, Bademäntel, Körperhaltung.

Auf dem benachbarten Sofa stierte ein hochgezüchteter, gebräunter Adonis ausnahmslos jede Frau in Grund und Boden. Minimale Mimik, maximale Verachtung. Ich nehme an, er wurde kürzlich verlassen. Oder er hatte sich verlaufen und dachte, er ist im Artemis. Sowas kann einen natürlich auf die Palme bringen.

Vollbart mit Dutt. Geht auch in schön. Blond und dunkelhaarig. Sie zeigten soviel Haut, wie es ein um die Hüften geschlungenes Handtuch ohne Klettverschluss zulässt, in leisem Gespräch einander zugewandt, drapiert auf zwei nebeneinanderstehenden Sesseln. Sehr lässig. 10 Punkte. 

Kommen wir zu den Bademänteln. Ältere Männer, die vom Schönheitsdiktat noch nichts gehört haben, laufen in gräulich verwaschenen Frotteefetzen herum, die sie zur Konfirmation bekommen haben. Oder in weißem Seersucker, das gerade mal den Po bedeckt; ungünstige Länge für einen Mann, außer er ist von Beruf Gladiator. Sicher im Hotel geklaut, von seiner Frau. Dann war da noch einer, der ein Paisley Muster zu Markte trug. Allerdings nicht das Original, sondern in Anlehnung an. Wahrscheinlich bei Karstadt erworben. Dann gibt es noch die, die keinen Bademantel haben, sich dafür von oben bis unten mit Handtüchern behängen, die ihre besten Tage ebenfalls zu vorchristlicher Zeit hatten. 

Meinen eigenen Bademantel unterziehe ich ebenfalls einer kritischen Betrachtung. Zugegebenermaßen vor langer Zeit gekauft, im längst versunkenem Tempelhofer Wäschehaus "Renate", genannt "Schlüpper-Nati". Von robuster Qualität, der auch wöchentliches Waschen nix anhaben kann, so kuschelig und schlicht wie am ersten Tag, mit einem entscheidenden Vorteil: Reißverschluss. Man ist immer auf der sicheren Seite. Ich bin keine gute Finanzministerin. Geld ist zum ausgeben da. Aber wenn noch was gut ist, sehe ich keinen Grund für Ersatz. Ich stelle fest: im Prinzip bin ich ein älterer Mann. Mein Plan: neuen Bademantel kaufen, aber dalli dalli.

Der übliche Oppa war auch da. Der sich im Wasser betont absichtslos treiben lässt, kreuz und quer, um wie durch Zufall ein bisschen Hautkontakt abzugreifen. Ich kotze im Strahl. 

Im Ruheraum liege ich auf dem Wasserbett. Kurz bevor ich wegdöse, betritt ein energisches Schrapnell den Raum und platziert sich geräuschvoll in der Nähe der Tür. Sie öffnet Tupperdosen und kruschtelt in Tüten. Ich öffne die Augen und möchte töten. Jeden, der eintritt, belehrt sie, dass man nicht zur Ruhe kommt bei diesem Lärm, den die Tür macht. Die Tür ist mir bis dahin noch nicht negativ aufgefallen. Die einzige, die lärmt, ist sie. Sie ist schlimmer als der Rasenroboter meines Nachbarn. Rechtschaffen empört führt sie Selbstgespräche über die Rücksichtslosigkeit ihrer Mitmenschen. Ich versinke in Gewaltphantasien.

Ansonsten? Im April war es sehr leer. Das war echt schön. Schön ist es immer noch. Nur zuviel Leute.  

@ Kiezneurotiker: Du hättest nicht drüber bloggen sollen.

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