Sonntag, 25. Oktober 2015

Samstag ist ein Arschloch

Ich geh auf einer kleinen Seitenstraße, eine Katze kommt mir entgegen. Sie stoppt und starrt auf die gegenüberliegende Seite. Dort geht eine Omma mit ihrem Hund in die gleiche Richtung wie ich.

Die Omma ruft: "Sie hat ihn erkannt, sie erkennt ihn immer."
"Aha."
"Sie kenne ich auch. Ich seh Sie doch öfter hier."
Ich war noch nie hier. Sie denkt offenbar, die Katze ist ein Hund und ich führ ihn spazieren. Sie will ein Gespräch von Frauchen zu Frauchen. Jetzt bloß nichts substanzielles  antworten.
"Sie kennen doch auch meinen Hund."
 Nein, kenne ich nicht. Ich geh schneller. Sie passt sich meinem Tempo an.
"Ich kenne Sie! Mein Hund hat Sie auch erkannt."
 Es wird gruselig. Verrückte erschrecken mich immer.

Zufällig läuft mir eine ehemalige Kollegin über den Weg. Sie erzählt mir von ihrer Tochter. 
"Sie ist jetzt aus Köln nach Magdeburg gezogen. Ganz blöde Sache."
"Warum denn?"
"Ihr Freund hat nur dort einen Studienplatz gefunden. Sie ist ihm gefolgt. In Köln hatte sie so einen tollen Job, jetzt verdient sie viel weniger. Und Magdeburg ist so langweilig."
"Das ist ja blöd."
"Und er isst soviel. Er ist ja so groß. Frisst ihr die Haare vom Kopf. Er hat immer Hunger."
"Wieso, hat er kein Geld?"
"Seine Eltern sind stinkreich, die wissen gar nicht wohin mit ihrem Geld, aber aus erzieherischen Maßnahmen geben sie ihm nur 300 €. Er kriegt ja kein Bafög, weil die soviel Kohle haben. Er zahlt nur 150 € zur Miete, alles andere zahlt sie."
"Und hat er keinen Job?"
"Nein, das ist ihm zuviel, neben dem Studium."
"Und jetzt füttert deine Tochter ihn durch?" 
"Ja. Und jetzt geben wir ihr noch etwas dazu, damit die beiden durchkommen."
"Nicht dein Ernst. Ihr finanziert einem Schnösel das Studium?"
Sie steht mit hängenden Schultern vor mir und nickt. "Indirekt."

Später bei Saturn. Brauche einen neuen Föhn. Probiere ganz viele aus. Da gibt es Unterschiede, vor allem in der Geräuschentwicklung. Den, den ich will, gibt es nicht mehr. Der Verkäufer packt mir das Vorführmodell ein. Ich kann nicht in so kurzer Zeit eine neue Entscheidung treffen, ich hab ja schon fünf Jahre für diese gebraucht. Während er nach hinten geht, probiere ich die Massagematten aus, die auf Stühlen liegen. Es ist Wochenende, die Luft brennt.

Danach gehe ich in die Musikabteilung und höre mir "After Dark" über Kopfhörer an, entscheide mich gegen einen Kauf. Ich kann CDs nicht leiden, auf der mir nur ein Lied gefällt und wenn es noch so gut ist. 

Kaufe mir ein Fräulein-Rottenmeier-Kleid. Bisschen Seventies. Nice outfit. Ich muss am Montag irgendwie blendend aussehen. Keine Sorge, wird hier kein Modeblog. Ich erzähl nur von meinem fulminanten Samstag. 

Zuhause angekommen, geh ich in den Wald, laufen. Nach langer Zeit mal wieder. Ich muss übers Wochende 10 Kilo abnehmen. Nun ja. Mit laufen hat das nichts zu tun. Ein Mann, der mindestens 20 Jahre älter ist, überholt mich zweimal auf meiner Runde. Leichtfüßig, im Fluss, lächelnd. Rentner sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. 

Danach leg ich mich aufs Sofa und schlafe augenblicklich ein. Das Telefon weckt mich, meine Abendverabredung. Ich sage ab, todmüde, ein schwacher Moment. Nichts scheint mir verlockender, als einfach liegen zu bleiben. Lege auf und bin - was sonst - hellwach, auf eine öde, bräsige Art. Es ist 18 Uhr, die Nacht ist jung.

Was hab ich mir nur gedacht? Vergessen, dass ich auf keinen Fall an einem Samstag absagen darf. An jedem anderen Abend, aber nicht... Der Samstag ist das scheiß-fucking Weihnachten der Woche.

Kommentare:

  1. "Nicht dein Ernst. Ihr finanziert einem Schnösel das Studium?" Das ist schon sehr platt, denn von dem Geld lässt sich wirklich nicht leben und Studium ist nicht Schnösel, zumal heute im Bolognasystem das Arbeiten neben dem Studium wirklich nicht geht, außer vielleicht bei Kunstgeschichtlern.

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    1. Dann muss er verdammt noch mal seine Eltern auf Unterhalt verklagen, anstatt sich anderswo als Schmarotzer zu verdingen.

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    2. Es ist ja nicht seine Schuld, sondern die der Freundin und ihrer Eltern. Wenn sie nicht so naiv wären und ihn freiwillig unterstützen würden, würde er auch eine Alternativlösung finden und hätte die wohl vor seiner Magdeburg-Entscheidung auch gefunden. Zudem, wer ist so einfältig, zu einem weit schlechter bezahlten Job in die Provinz zu ziehen? Fernbeziehungen funktionieren. Im Fazit scheint mir die Familie samt Freundin sehr einfältig zu sein..

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    3. Einfältig, stimmt. Ändert aber nichts daran, dass er keine Eier in der Hose hat.

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  2. Wenn sie beide die Entscheidung treffen, das Projekt Magdeburg derart anzugehen, sind sie auch beide verantwortlich. Hätte sie kein Interesse gehabt, hätte er eine andere Entscheidung treffen können.

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