Samstag, 28. November 2015

Früher war mehr Lametta. Nicht.

Als ich klein war, betete ich jeden Abend inbrünstig, dass ich zu Weihnachten ein goldenes Kleid bekomme. Und goldene Schuhe. Ich stellte mir vor, das Päckchen von Opa Berlin zu öffnen und endlich das ersehnte Glimmern zu entdecken. Damals war rosa noch nicht modern, eher gelb und kackbraun oder höchstens rot und blau. Kein Gold nirgends.

Außer im Schuhgeschäft. Meiner Mutter schleppte ich alle goldenen Schuhe an, die ich finden konnte. Sie machte mir nie den Gefallen, sie anzuprobieren, geschweige denn zu kaufen. Vielmehr ergriff sie Maßnahmen: zum einkaufen durfte ich nicht mehr mit. Vermutlich dachte sie, dass man ihr im Krankenhaus eine kleine Adelige untergeschoben hatte. Ich zumindest dachte das. Mit meinem Goldfimmel war ich eine Außernseiterin in der Familie und ich hatte niemandem, mit dem ich darüber reden konnte.

Mehr als zwei(!) Toiletten hatte meine Familie nicht zu bieten an Luxus in unserem schachtelkleinen Reihenhaus. Wir hatten nicht mal goldene Tapeten. Mir blieben nur die allabendlichen Gebete.

Später wurde das Dach ausgebaut und ich durfte mir die Farben für mein neues Zimmer aussuchen. Ich entschied mich für blau, die Fokussierung auf Gold war in Vergessenheit geraten. Von da an hatten wir "Das blaue Zimmer" - wie in Downton Abbey. Bis heute schlägt sich bei Heimatbesuchen alles darum, in diesem zu schlafen. Es wurde fast unverändert gelassen, es hat seinen Charme. 

Mein beruflichen Pläne waren im Alter von 11 klar umrissen; ich strebte nach ganz oben, weg aus Niedersachsen: als uns der Deutschlehrer fragte, was wir mal werden wollen, sagte ich: "Fernsehansagerin oder Eiskunstläuferin". Er sah mich an und brach in Gelächter aus. Er hatte seine Mühe, sich wieder zu beruhigen. Ich dachte, ich muss wohl sehr hässlich sein, wenn er so lacht. 

Ähnliche Ausbrüche von Heiterkeit hatte ich nur mal in Geschichte erlebt, als ich die Drei- Stände-Gemeinschaft der alten Germanen erklären sollte. Ich überlegte hin und her und sagte dann "Vater, Mutter, Kind". Die Lehrerin kriegte sich nicht mehr ein. 

Warum schreib ich das alles? Ach ja. Ich war einkaufen. Und da sah ich das hier:


in Größe 158

Zu spät, alles zu spät. In Gr. 158 passe ich nicht mehr rein.

Kommentare:

  1. 134??
    Au Mann.
    Wer seiner 9-Jährigen so 'nen Fummel kauft, der lässt sie auch 4 Jahre später zur Konfi im Mini und Highheels zum Altar stöckeln.
    *schauder*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, is voll pornös, aus erwachsener Sicht. Würde ich auch keinem Kind kaufen wollen, außer, es würde mich sehr drum bitten. Das Kind steht ja nur auf das Geglimmer und denkt sich nix dabei.

      Löschen
  2. Aber ja ... Prinzessinnenträume finde ich so was von wichtig. Die hat wohl jede ... wobei meine jedes Jahr zu Karneval für Aufruhr sorgten. Ich wurde Fliegenpilz, Zigeunerin, Cowgirl ... aber ein Prinzessinnenkleid nähte meine Mama niemals und eine Krone gab es sowieso nicht. Die durfte ich mir erst mit fast Fuffich selber kaufen ... da war ich aber schon über's Verfallsdatum .. .*seufz*... und die Zacken sind längst rausgefallen aus der Krone.
    Ich bewundere dann immer Leute wie deine Kollegin BlingBling ... die leben das einfach. Wobei ich die Pailletten nicht mehr kaufen würde, auch wenn ich mich traute. Wegen der Kinderarbeit.
    Aber so'n bisschen Prinzessin, das wäre ich genauso gern wie du ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich will und wollte keine Prinzessin sein, ich wollte einfach nur ein goldenes Kleid ;-)

      Löschen
  3. Außerdem kann man dem Kind ja einfach das Pony schief abschneiden, ihm ein Auge zukleben und ihm schlimme Sandalen anziehen mit Strümpfen. Das hebt den Glam wieder auf.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gut, dass das Pflaster auf dem Auge außer Mode ist :-)

      Löschen