Donnerstag, 3. November 2016

Infam

Es ist schon doll, wie schnell der Mensch sich gewöhnt oder verdrängt oder abspaltet oder wie man das sonst nennen soll.

Seit bald 10 Tagen bekomme ich einmal am Tag einen Herzinfarkt, weil sich der Antichrist auf mich eingeschossen hat und nicht locker lässt. Seine Freizeitbeschäftigung scheint zu sein, auf'm Sofa zu sitzen und darüber nachzudenken, was es noch alles über mich zu erfinden gäbe; ganz großes Kino ist das.

Erst habe ich nur geheult, inzwischen bin ich nur noch erschöpft. Nicht mal Doko oder Reitstall, nur Abgeschiedenheit ertrage ich und früh ins Bett gehen, denn wenn ich nicht mindestens sieben Stunden Schlaf bekomme, wache ich zerschlagen auf; was aber auch an den blutrünstigen Alpträumen liegen könnte, die mich jede Nacht hochschrecken lassen. 

Ich bin sauer, dass ein anderer in der Lage ist, mein Gleichgewicht außer Kraft zu setzen. So leicht und so schnell geht das? So schwach bin ich? Von einem Arsch lasse ich mich außer Gefecht setzen? Könnte ich nicht auch einfach denken, was kratzt es den Baum, wenn die Sau sich an ihm reibt? Oder ist das auch nur wieder naiv, denn er hat Macht und die nutzt er eifrig.

Was mir egal wäre, würde er nicht täglich die gesamte Chefetage damit penetrieren. Keine Ahnung, wie lange die sich das noch anhören, ohne am Ende auch zu denken, dass ich überflüssig bin (und sei es nur, damit endlich wieder Ruhe einkehrt), wo sich doch jetzt schon niemand dazu hinreißen lässt, dem Treiben ein Ende zu setzen. Es dauert nicht mehr allzu lange und ich glaube den kolportierten Scheiß noch selbst. 

Nein, soweit wird es nicht kommen, Serengeti darf nicht sterben, beruhige ich mich selbst.

Es ist perfide, was er alles zusammenlügt. Es wird mir im Vertrauen erzählt, aber ich wünschte, man würde mir nichts erzählen, denn mehr als einen weiteren Herzinfarkt, bei dem ich auch noch gefesselt bin, bringt es nicht. 

Andere sagen zum Trost, sein erbarmungsloses Zuschlagen zeige nur, dass er um sein Überleben kämpft. Mag sein. Aber ich bin zu alt für diesen Scheiss. 

Kommentare:

  1. Ich kann dazu gar nicht wirklich etwas sagen, obwohl, oder weil, ich das leider so gut kenne. Es tut weh, das zu lesen (und zu wissen, dass da höchstens die Hälfte von dem steht, was du durchmachst).

    Nach Monaten über Monaten in denen ich jeden Abend dachte, ich kann nicht mehr und jeden Morgen trotzdem wieder hingegangen bin, in denen ich irgendwann nur noch mit Mittelchen einschlafen und mit anderen Mittelchen überhaupt arbeiten konnte, empfand ich die fristlose (ungerechtfertigte und zusammengelogene) Kündigung als maßlose Erleichterung. Eines Morgens wurde ich ins Büro zitiert und musste binnen einer Stunde meinen Schreibtisch räumen und das Firmengelände verlassen, ein Hausverbot wurde mir auch noch erteilt, so als finale Demütigung.
    Auf dem Amt, das ich am selben Tag noch aufsuchte, wurde mir dann mitgeteilt, dass ich drei Monate keine Unterstützung bekomme, wegen der selbstverschuldeten Kündigung. Mir blieb nur der Gang zum Gericht und die Klage auf Wiedereinstellung. Womit ich gefühlt mein Todesurteil unterschrieb. Was in den Monaten der Gerichtsverhandlungen dann noch an Gehässigkeit und Schikane auf mich warten sollte, ahnte ich noch nicht. Langjährige Kollegen, mit denen ich teils freundschaftlich verbunden war, wurden massiv unter Druck gesetzt und haben letztlich eidesstattliche Erklärungen für mein (nicht stattgefundenes) Fehlverhalten unterschrieben und das war nur ein Schachzug von einigen. Es war alles so, so hässlich und niedrig..
    Dass mein Ex-Chef dermaßen von sich überzeugt war, dass er sich keinen Anwalt nahm, sondern alleine agierte, war bezeichnend. Wahrscheinlich tat er es auch nicht, weil er wusste, dass ein Anwalt viele seiner hinterhältigen Praktiken nicht mitgetragen hätte.

    Wenn du irgend kannst, geh. Leider denke ich, dass derjenige sowieso nicht eher ruhen wird, als bis er dieses Ziel erreicht hat. :(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Denke auch, das ist sein Ziel. Und dem habe ich nichts entgegenzusetzen. Ober sticht unter.

      Löschen
  2. Das ist so übel!
    Arbeit ist immerhin die Hälfte der wachen Lebenszeit .. wenn die einem so sauer gemacht wird, hat man eben mal 50% Lebensqualität verloren.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Dich über irgend einen Kanal ein neuer Job erreicht!

    AntwortenLöschen
  3. Meine persönliche Erfahrung in solchen Konflikten war, dass es im Grunde keine Rolle spielt, was am Ende wahr oder unwahr, wer recht oder unrecht hatte. Überleben wird in der Regel der, der es schafft die wichtigen Personen auf Seite Zeite zu ziehen, die die Entscheidungen treffen. Und auch aufmunternde Worte von Kollegen haben letztlich nie etwas bewegt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau so ist und genau so erwarte ich es.

      Löschen
  4. Vielleicht solltest Du Dich jetzt wirklich langsam nach einem Anwalt umsehen. Man kann ja auch gegen Mobbing juristisch vorgehen. Bist Du Rechtsschutz versichert? Eher nicht nehme ich an, denn sonst hättest Du wahrscheinlich schon einen Anwalt... Ich hoffe, es findet sich eine Lösung.
    Die Exilberlinerin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das bleibt zu hoffen. Noch habe ich keinen roten Faden.

      Löschen
  5. neben allem was ich in dem anderen artikel vor ein paar minuten kommentiert habe:
    es scheint hier ja wirklich ans eingemachte zu gehen.
    geh zum fachanwalt. falls du keine rechtsschutzversicherung hast und zu knapp bei kasse bist: gewerkschaft. falls du da nicht mitglied bist: anrufen und fragen, wie sich das bei eintritt mit direkter gewerkschaftlicher anwaltsberatung verhält. afaik kannste bei den meisten sofort mit derartigen problemen ankommen. falls vorhanden kannste zuvor noch den betriebsrat anfunken.
    bloß nicht den kopf in den sand stecken! genau das will der typ! kämpfe stattdessen! mache nicht den fehler von amorsolalex. sie scheint immer nur REagiert zu haben.

    der kleine arbeitnehmer hat übrigens vorm arbeitsgericht fast immer massive vorteile - zurecht - er ist im verhältnis ja auch der schwächere.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "der kleine arbeitnehmer hat übrigens vorm arbeitsgericht fast immer massive vorteile - zurecht - er ist im verhältnis ja auch der schwächere."

      Worauf läuft's hinaus? Einen Vergleich (Abfindung) und den Verlust des Arbeitsplatzes, da darf man sich nichts vormachen. Man hätte die Hölle, wenn man bliebe. Aber diese neue Perspektive muss ich erst mal weghecheln.
      Von meiner strategischen Ausrichtung (die ich nicht habe), bin ich näher an Amorsolalex. Vielleicht kommt noch Kampfgeist, ich fürchte, eher nicht. Weil: sinnloser Kampf mit bekanntem Ausgang.

      Löschen
  6. Sie schreiben meine Geschichte...Trotz allem bin ich irgendwie erleichtert, dass diese verdammte Sche***e wirklich weit verbreitet ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Erleichterung versteh ich. Ich höre jetzt auch gerne anderer Leuts Horrorgeschichten, man findet die eigene so einmalig.
      Ich war immer sicher, mir passiert sowas nicht. Da hab ick mir aba jetäuscht.

      Löschen
  7. Mensch, das klingt ja wirklich grausam. Wunderbar beschrieben, die Arbeitstragödie, aber leider traurig..guter Rat wird da schnell mal teuer. Aber ich wünsche Ihnen unbekannterweise, dass das Theater aufhört.

    AntwortenLöschen
  8. Die Welt ist voller wunderbarer Berufe, kenne Menschen, die erst mit 57 ihren Traumberuf gefunden haben. Trauere nicht dem alten Posten hinterher, wisch deine Tränen weg und beende alles würdevoll. Nichts wird deine Ex-Kollegen-In-Spe und Chefs mehr irritieren, als eine gut aussehende und bombig gelaunte Powerfrau!
    Die Zeit dort ist vorbei, was für ein Glück! Endlich!
    Neuer Job, neue Kollegen, neue Chefs, neuer Mut, Veränderung tut gut!

    AntwortenLöschen