Sonntag, 6. November 2016

Seven of Nine hat wie immer recht

Am Wochenende habe ich das einzig Richtige gemacht: getanzt und tief im Matsch gestanden.

Wenn man reiten lernt, hat das überhaupt ganz viel mit Dreck zu tun. Im Herbst, wenn die Plätze halb unter Wasser stehen, sind Mensch und Tier völlig eingesaut. Man watet durch Schlamm, was man sonst nicht tut, aber hier bleibt einem nichts übrig. Man geht auf die Weide, um das Pferd abzuholen und stolpert durchs Moor, das gibt ein Schottland-es-kann-nur-einen-geben-Gefühl, dann striegelt man das Pferd, nur um es nach der Reitsstunde noch dreckiger zurück auf die Weide zu bringen.

Während man die hintere Hufe auskratzt, fängt es an zu kacken, es dampft und stinkt, ein Furz folgt auf dem Fuß und schnell räumt man die Kacke weg und kratzt die andere Hinterhufe aus. Mit einem Schwamm wischt man die ewig eingesauten Nüstern sauber, mit einer Bürste kämmt man undefinierbare Dinge aus dem Schweif. Herrlich, ich mag das. Als Kind durfte ich nicht im Schlamm spielen, das hole ich alles nach.

Heute habe ich mich übel verrenkt, weil meine Reitlehrerin behauptet hat, ich würde mich nicht im Oberkörper drehen, wenn ich um die Ecke will, nur den Kopf, paaah, da wollte ich ihr aber beweisen, dass das nicht stimmt. Ich bog und bog mich und sie rief immer noch, ich solle endlich den Oberkörper drehen. Kein Wunder, dass sie das nicht beurteilen konnte, sie stand ja weit weg.

Ich drehte und drehte mich und dann machte es auf einmal Peng! und mir blieb die Luft weg, Nerv eingeklemmt. Ich ließ die Zügel fallen, "Kann nicht mehr atmen, Rippe gebrochen oder Herzkasper", das Pferd war unbeeindruckt, die Trainerin sowieso, ich solle mich zu anderen Seite biegen, dann geht das schon wieder und dann ging's auch schon wieder. Es werden keine Gefangenen gemacht bei diesem Sport, jede Verpimpelung wird einem ausgetrieben.

Das war übrigens der vorerst letzte Pferdecontent. Winterpause.

In der Nacht vorher lag ich erst um 3 Uhr im Bett, schon wieder ein runder Geburstag und ich hatte mir vorgenommen, so gut wie keine Gespräche zu führen, sondern nur zu tanzen. Ich dachte, das ganze Adrenalin muss endlich raus. Ein kühner Plan, denn ich tanze so gut wie nie, weil immer nur blöde Lieder gespielt werden. Aber wie vom Himmel geschickt, war eine DJane engagiert, die über sechs Stunden die Tanzfläche mit 75% der Gäste befüllte. Sie war auch sonst aus verschiedenen Gründen hinreißend und wer eine wirklich Gute sucht, findet sie hier

Nach dem ich mich also gestern und heute ausgetobt hatte, war ich endlich bereit, über mein Büro-Dramulett zu sprechen, denn bisher habe ich mich nur hier ausgekotzt (Danke noch mal für all die freundlichen Kommentare und Mails).

Ich bekam etwas kluges und gleichzeitig hoffnungsloses zu hören, was mich dennoch in den Stand einer entlastenden Kapitulation versetzte. Ich kann nicht kontrollieren, was andere über mich denken; daher keine Versuche der Rechtfertigung mehr, der Zug ist abgefahren. Das Blatt hat sich gewendet und ich kann nichts mehr dagegen tun. Vielleicht habe ich Glück und man wird mich vergessen, vielleicht auch nicht. Niemand wird sich für mich verwenden, denn ein Exempel ist immer auch eine eindringliche Lernaufgabe, die jeder versteht:

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Kommentare:

  1. Diese Zeichnung zeigt aber eine Brücke, rein technisch, mit der der Wiederstand (R) umgangen wird.
    Rein technisch ein Kurzschluss !
    Auch blöde, weil dann die Leitung durchbrennt, bei entsprechender Spannung.
    Damit kannst Du jetzt machen was du willst........

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  2. Moin Annika

    Siehste! Wieder mal was gelernt! Zum Beispiel daß Pferde auch Saisonkennzeichen haben wie Motorradfahrer, die zu geizig oder zu faul sind sich vernünftige Handschuhe zu kaufen. Was macht so ein Pferd denn im Winter? Saison-Motorradfahrer legen ja behutsam eine Decke auf es und stellen unter. Und wenn das Weib oder die Kinder aushäusig sind, gehen sie leise mit einem Lappen an die zarten Rostflecken, die sich wie Sommersprossen ausbreiten. Das kommt davon, wenn man steht statt fährt – aber wer kennt das nicht!

    Pferde roste vermutlich weniger. Glaube ich jedenfalls. Wobei: Wenn ich mir dieses Riesenpferd von gegenüber ansehe, wenn es den ganzen polierten Blech- und Lederbeschlag um sich herum hat und aussieht wie ein Rockerpräsident auf Sommerfrische… dann könnte es auch rosten.
    Aber Dein Pferd rostet sicherlich nicht! Oder nur ein klein wenig, wenn der Regen durch das kaputte Dach auf seine Ohren tropft und die Piercings zu oxidieren beginnen. Und erst der Schnee! Bestimmt läufst Du dann mit Never-Dull hinter dem Viech her, wenn’ denn mal Auslauf hat.
    Das würde ich gar zu gerne sehen.

    Ja, was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja: Danke, daß Du bereits den Link in Deiner Blogroll aktualisiert hast. Das ist nicht nur sehr aufmerksam, nett und gründlich, sondern verrät Dich als liebevolles und mitfühlendes Wesen. Und denen begegnet man schließlich nicht jeden Tag!
    So, das muß an Lobhudelei aber durch den Winter reichen – danach gibt’s dann wieder leicht rostiges Pferd.

    In diesem Sinne

    Mit freundlichen Grüßen,
    das Pantoufle

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    1. Liebes Pantoufle,
      das waren aber sehr liebe Worte, jetzt bin ich ganz gerührt.

      Keine Sorge ums Pferd, es hat ganzjährig Vollbeschäftigung und jeden Tag verschiedene Jobs. Es kann gar nicht rosten. Nur ich muss passen, weil es so früh dunkel ist und ich im hellen arbeiten muss. Und am Wochenende gehört es nur seiner Besitzerin.

      Die freundlichsten Grüße zurück

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  3. Nachdem ich gestern an meinem Langhaarzossen etwa eine Stunde geputzt hatte, um überhaupt die Farbe zu erkennen, mußte ich echt grinsen. Die ganz Harten reiten übrigens im Winter bzw. bei früher Dunkelheit mit Leuchtgamaschen und Leuchtdecke und mit Lampe. Mein Pferd ist allerdings mit 31 Jahren da raus und genießt den Ruhestand plus Verhätscheln.

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    1. Es sei dem Zossen gegönnt.
      Grüße an den elektrischen Reiter.

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    2. Ich gönne es auch, wir hatten 20 Jahre Spaß und waren ein tolles Team. Ich gebe aber zu, daß es nicht leicht war, zu dieser Einsicht zu kommen. Inzwischen reite ich ein Leihpferd. Dir wünsche ich weiterhin trotz allem viel Spaß beim Reiten. Manchmal erdet es ungemein, sich aufs Pferd zu setzen, mir kommen da oben immer die besten Ideen.

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  4. das sind die Nachteile, wenn keine Halle zur Verfügung steht

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