"Gehen Sie ohne Umweg über Los direkt in Krankenhaus" - so oder ähnlich wurde einer Freundin befohlen. Der berüchtigte Zufallsbefund. Sie erzählte niemandem davon, 24 Stunden lang. Dann rief sie mich an. Sie wolle nicht ins Krankenhaus. Ich verstand das gut. Aber "Morgen früh hole ich dich ab, ich bring dich hin."
Mir wurde schlecht vor Angst, erstmal vor dem, was sie erwarten würde und vor den sieben Stunden in der Aufnahme, die ich bei 34 Grad durchleiden würde. Ich schalt mich, dass sie liebend gerne mit mir tauschen würde, mit Kusshand, aber ich konnte mein "Problem" nicht relativieren, so sehr ich wollte.
Am nächsten Morgen ein kleines Proviantpaket geschnürt, kurz überlegt und eine große Schüssel dazu, in die ich notfalls Wasser füllen könnte, um unsere Haxen zu kühlen. Es gibt Wetter, bei dem mir völlig gleich ist, wie schrullig ich wirke. Hömma. sieben Stunden Notaufnahme! Drunter machen die das in Berlin nicht. Da ist mir meine Außenwirkung scheißegal.
Im Krankenhaus angekommen, wurden meine Befürchtungen noch übertroffen, es kann sich kein Mensch vorstellen, wie stickig und brüllend heiß es dort war. Ich musste aber doch Arschlochsruhe und Zuversicht ausstrahlen, einen Kreislaufkollaps konnte ich mir wirklich nicht leisten. Ich musste stark sein, unbedingt. Einmal nicht jammern über diese beschissene Hitze; einfach die Fresse halten, neben mir saß jemand mit einem echten Problem.
Wir besprachen die Fragen, die sie stellen wollte; damit ich sie daran erinnere, falls sie vor Angst keinen Ton rausbekommen würde.
Später im Arztzimmer sah ich weg, als sich der Chirurg die MRT Bilder ansah. Ich starrte die Wand an und hielt die Hand meiner Freundin. Dann sagte der Arzt lakonisch "Ja, das ist ein gutartiger Tumor. Muss zwar histologisch geklärt werden, aber sieht definitiv gutartig aus."
Wir sahen uns an und konnten es kaum fassen. "Wir rufen Sie nächste Woche an und nennen Ihnen den OP Termin, wenn überhaupt operiert werden muss." Das wurde ja immer besser!
Wieder draußen war uns die Hitze völlig egal, wir blieben auf einer Bank im Schatten sitzen und sie bat mich um das Proviantkörbchen. "Ich hab so einen Hunger jetzt!" sagte sie. Dann rauchten wir, obwohl ich bei dieser Hitze überhaupt nicht rauchen kann, jedenfalls nicht draußen.
"Ich bring dich jetzt heim und du schläfst dich erstmal richtig aus."
"Nein, das feiern wir. Wir gehen jetzt richtig schön essen.“
Oh je, feiern. Weitere Stunden draußen, und ich dachte, wie schaffe ich das nur? In diesen unwirtlichen Zeiten bin ich noch nie solange außerhalb klimatisierter Räume gewesen; aber dem Anlass angemessen wuchs ich über mich hinaus und kollabierte nicht.
Gegen 16 Uhr trennten wir uns. DoKo am Abend strich ich. Ich hatte wirklich genug frische Luft gehabt. Zuhause schlief ich sofort auf dem Sofa ein.
Um 19 Uhr wachte ich auf, sprang unter die Dusche und fuhr zum Doko. Und sie? Kam gegen 22 Uhr dazu. Wir sprachen kein Wort über den Tag und die anderen dachten, es wäre ein Abend wie jeder andere. Bis Nachts um 1 Uhr saßen wir draußen, es wurde sogar ein klein bisschen kühl. Und den Blutmond haben wir auch gesehen.
Ich bin jetzt mit allen Wassern gewaschen. Die Hitze...so what?
Sonntag, 29. Juli 2018
Donnerstag, 26. Juli 2018
Annika glüht
In meiner verzweifelten Suche nach emissionsfreien Kühlsystemen habe ich eine Kombination gefunden, die geholfen hat. Eimer mit kaltem Wasser für die Haxen, Handy auf white noise Regen gestellt und irgendwie lässt sich das Gehirn beim schlafen tatsächlich davon veralbern - ich wachte in der Früh auf und wollte gleich Bäume ausreißen.
Im Laufe des Tages - verblendet von dem white-noise-Erfolg und den überaus angenehmen Temperaturen im Büro - dachte ich, was kostet die Welt? Na klar nehme ich den Wohnungsbesichtigungstermin um 17 Uhr wahr. Warum denn nicht? Einmal quer durch die Stadt, macht nix, Auto steht in der Tiefgarage und hat ja auch AC - alles easy für jemanden wie mich. Nur kurz hoch in den 6. Stock, Wohnung anschauen, ist ja ein Fahrstuhl dabei, wird super. Ich krieg die Wohnung bestimmt.
Sagen wir mal so: das letzte Mal, dass ich mir eine Wohnung angesehen habe, bekam ich noch Einzeltermine. Draußen standen ca. 30 Leute. Als ich aus dem Auto stieg dachte ich, Oha, is aber schon sehr warm. Obwohl wir im Schatten standen. Ziemlich lange, bis der Makler kam.
Im Hausflur war es noch stickiger als draußen. Oben angekommen, standen wir alle im Hausflur, auf den Treppenstufen verteilt, weil die Wohnung noch bewohnt war, deshalb durften wir nur in Vierergrüppchen rein. Als ich dran war, war eigentlich schon alles gelaufen: mir zitterten und kribbelten die Beine und in der Wohnung war es noch heißer, denn durch das riesige Balkonfenster knallte die Sonne rein. Ich wurde beinah ohnmächtig. Mich noch in der stinkig und stickig kleinen Küche auf den schwitzenden, wachsbleichen Makler zu stürzen, um Unterlagen auszutauschen? No way.
Ich taumelte nach draußen. In dieses kochendheiße Haus hätte ich sowieso nie einziehen können, jetzt wo die Erde glüht und auch nicht vorhat, wieder damit aufzuhöen. Da muss ich ins Auenland ziehen oder nach Island, da soll es immer kalt sein.
Auf dem Heimweg 38 Grad außerhalb des Autos. Zuhause angekommen zwang ich mich auf den Balkon, für 30 Minuten bei 35 Grad im Schatten. Ganz stille sitzen. Nur nicht bewegen. Danach kamen mir die 26 Grad in meiner Wohnung erquickend vor. Für zwei Stunden.
Dann kam die wirklich schlimme erste tropische Nacht, mit Betonung auf "erste". Hab ich im Radio gehört. Jetzt fängt die Scheiße erst richtig an, sagen die. Vor allem von Samstag auf Sonntag, jahaaa, da werden wir uns noch wundern.
Kapituliere. Werde mich morgen in ein Hotel einbuchen, das klimatisiert ist, solange bis die Planetenoberfläche wieder bewohnbar ist. Ach nee, falsche Gehaltsgruppe. Ich bleibe im Büro.
Sonntag, 22. Juli 2018
Die Erde glüht
Gestern gab es einen Artikel im Tagesspiegel, der mich sehr beunruhigt hat. Eigentlich genieße ich diesen Sommer, weil er mit trockener Hitze und relativ kühlen Nächten aufwartet. Eine Kombination, die ich ganz gut wegatmen kann.
Allerdings ist es derzeit wohl auf dem ganzen Erdball viel zu heiß, selbst in Sibirien ist es 20 Grad heißer als sonst. Ein anschauliches Bild - die Welt als Wetterkarte - machte das Ausmaß klar und der Text dazu erklärte, welche Auswirkungen diese stabile Wetterlage hat: sie wird nämlich immer stabiler. Und je länger sich die heiße Luft nicht bewegt, desto heißer wird es. Und dann bewegt sich die Luft noch weniger. Und dann bleibt es immer Sommer. Oh je.
Wie soll die arme Erde nur wieder aus diesem Scheiß rauskommen?
Nächste Woche soll die "erste Hitzewelle" zu uns kommen (ich für meinen Teil erlebe seit Monaten eine Hitzewelle) und dann ist es vorbei mit der trockenen Hitze. Subtropisch soll es werden.
Hab den ganzen Tag nach mobilen Klimaanlagen gegoogelt. Was man da alles beachten muss. Aber wenn ich morgen keine kaufe, werde ich nicht mehr in der Lage sein, durch Kaufhäuser zu streunen, was ich ja schon bei normalen Temperaturen hasse.
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.
Die Gute (ich zitiere): "Durch sofortige Nullemissionen könne man die globale Erwärmung weitestgehend stoppen"
Die Schlechte: Eher friert die Hölle zu.
Ich habe noch die ganz leise Hoffnung, dass es sich um Fake News handelt, um davon abzulenken, dass wir alle in die Altersarmut rutschen, uns im Krankenhaus Keime einfangen, von den überforderten Pflegern im Altenheim verkloppt werden, dass es keine Handwerker mehr gibt, keine Erzieher, Lehrer, Polizisten und Azubis, dass uns die Straßen unterm Hintern wegbröseln, die Mieten explodieren und demnächst die AfD mit der CSU koaliert. Aber ich fürchte, der Planet macht ernst.
Allerdings ist es derzeit wohl auf dem ganzen Erdball viel zu heiß, selbst in Sibirien ist es 20 Grad heißer als sonst. Ein anschauliches Bild - die Welt als Wetterkarte - machte das Ausmaß klar und der Text dazu erklärte, welche Auswirkungen diese stabile Wetterlage hat: sie wird nämlich immer stabiler. Und je länger sich die heiße Luft nicht bewegt, desto heißer wird es. Und dann bewegt sich die Luft noch weniger. Und dann bleibt es immer Sommer. Oh je.
Wie soll die arme Erde nur wieder aus diesem Scheiß rauskommen?
Nächste Woche soll die "erste Hitzewelle" zu uns kommen (ich für meinen Teil erlebe seit Monaten eine Hitzewelle) und dann ist es vorbei mit der trockenen Hitze. Subtropisch soll es werden.
Hab den ganzen Tag nach mobilen Klimaanlagen gegoogelt. Was man da alles beachten muss. Aber wenn ich morgen keine kaufe, werde ich nicht mehr in der Lage sein, durch Kaufhäuser zu streunen, was ich ja schon bei normalen Temperaturen hasse.
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.
Die Gute (ich zitiere): "Durch sofortige Nullemissionen könne man die globale Erwärmung weitestgehend stoppen"
Die Schlechte: Eher friert die Hölle zu.
Ich habe noch die ganz leise Hoffnung, dass es sich um Fake News handelt, um davon abzulenken, dass wir alle in die Altersarmut rutschen, uns im Krankenhaus Keime einfangen, von den überforderten Pflegern im Altenheim verkloppt werden, dass es keine Handwerker mehr gibt, keine Erzieher, Lehrer, Polizisten und Azubis, dass uns die Straßen unterm Hintern wegbröseln, die Mieten explodieren und demnächst die AfD mit der CSU koaliert. Aber ich fürchte, der Planet macht ernst.
Samstag, 21. Juli 2018
Ich werde gentrifiziert
Neulich nachts wache ich um 4 Uhr morgens auf. Denke, was ist das für ein komisches Geräusch? So eine Art Sturm und Regen und Gerausche in der Flora und Fauna direkt vor meinem Fenster, aber in Wellen. An- und abschwellend.
Ich schau konzentriert in die Nacht, versuche das Geräusch einzuordnen, werde wach und wacher und frage mich, was in meinem Vorgarten passiert. Ich tapse ins Wohnzimmer auf den Balkon, weil ich um diese Zeit keine Kraft habe, die Außenjalousie hochzuziehen, denn die ist noch aus der Vorkriegszeit und affig schwer zu bewegen.
Dann sehe ich, was los ist und heiliger Zorn erfasst mich. Hat der Vermieter einen automatischen Rasensprenger direkt vor dem Schlafzimmer postiert. Und zwar so, dass er die Hauswand ebenso wie den Rasen sprengt.
Ich renne raus und werde klatschnass bei dem Versuch, das Ding im laufenden Betrieb umzusetzen. Den Wasserhahn zu schließen ist nicht möglich, denn dazu braucht man einen Vierkantschlüssel, den ich leider nicht zur Hand habe. Außerdem hat er eine Zeitschaltuhr angedübelt und auf 4.00 Uhr terminiert, was mir einen Tobsuchtsanfall beschert.
In der nächsten Nacht dasselbe. Ich schau raus: er hat das Scheißding wieder vor meinem Schlafzimmer postiert, diesmal allerdings mit Camping-Heringen in der Erde justiert.
Am nächsten Tag meinen Versicherungsvertreter angerufen und eine Mietrechtsschutzversicherung abgeschlossen. Nun schließt mich bitte alle in euer Abendgebet ein, dass er in den nächsten zwei Monaten (=Wartefrist, bis die Versicherung greift) keine Schriftstücke in meinem Briefkästen hinterlässt, die den Eindruck eines beginnenden Streitfalles hinterlassen könnten.
Solange muss ich ihn stets anflöten und das nächtliche Geprassel an meinem Fenster ertragen. Und natürlich rühre ich dieses Rasendings auch nicht mehr an. Es gibt Nächte, in denen ich so tief schlafe, dass ich nicht geweckt werde. Und andere.
Dass ich seit neuestem auch keinen Wasserdruck mehr in der Dusche habe, ist sicher nur ein Zufall.
Zwei Monate...
Ich schau konzentriert in die Nacht, versuche das Geräusch einzuordnen, werde wach und wacher und frage mich, was in meinem Vorgarten passiert. Ich tapse ins Wohnzimmer auf den Balkon, weil ich um diese Zeit keine Kraft habe, die Außenjalousie hochzuziehen, denn die ist noch aus der Vorkriegszeit und affig schwer zu bewegen.
Dann sehe ich, was los ist und heiliger Zorn erfasst mich. Hat der Vermieter einen automatischen Rasensprenger direkt vor dem Schlafzimmer postiert. Und zwar so, dass er die Hauswand ebenso wie den Rasen sprengt.
Ein Schlag in mein Gesicht, nachdem er mir letzte Woche schon mitgeteilt hat, es wird entweder alles saniert oder das Haus wird verkauft, dann "Müssen Sie sowieso alle hier raus." Ich hab das nicht allzu ernst genommen, denn so schnell schießen die Preußen nicht.
Ich renne raus und werde klatschnass bei dem Versuch, das Ding im laufenden Betrieb umzusetzen. Den Wasserhahn zu schließen ist nicht möglich, denn dazu braucht man einen Vierkantschlüssel, den ich leider nicht zur Hand habe. Außerdem hat er eine Zeitschaltuhr angedübelt und auf 4.00 Uhr terminiert, was mir einen Tobsuchtsanfall beschert.
In der nächsten Nacht dasselbe. Ich schau raus: er hat das Scheißding wieder vor meinem Schlafzimmer postiert, diesmal allerdings mit Camping-Heringen in der Erde justiert.
Am nächsten Tag meinen Versicherungsvertreter angerufen und eine Mietrechtsschutzversicherung abgeschlossen. Nun schließt mich bitte alle in euer Abendgebet ein, dass er in den nächsten zwei Monaten (=Wartefrist, bis die Versicherung greift) keine Schriftstücke in meinem Briefkästen hinterlässt, die den Eindruck eines beginnenden Streitfalles hinterlassen könnten.
Solange muss ich ihn stets anflöten und das nächtliche Geprassel an meinem Fenster ertragen. Und natürlich rühre ich dieses Rasendings auch nicht mehr an. Es gibt Nächte, in denen ich so tief schlafe, dass ich nicht geweckt werde. Und andere.
Dass ich seit neuestem auch keinen Wasserdruck mehr in der Dusche habe, ist sicher nur ein Zufall.
Zwei Monate...
Donnerstag, 19. Juli 2018
Verzauberte Mütter
Zwei meiner Freundinnen haben Mütter, die verzaubert dement geworden sind. Und beide erzählen außerordentlich unterhaltsame Geschichten - unterhaltsam sind sie natürlich nur für uns, aber die Freundinnen selbst geben sich auch alle Mühe, dem ganzen mit Humor zu begegnen.
Was so berührend ist, dass sich die charakterliche Grundausrichtung der beiden alten Damen auch in der Demenz nicht verändert hat.
Die eine, Zeit ihres Lebens eine hinreißend liebenswürdige und lebensfrohe Frau, ruft nun täglich abends ihre Tochter an, um sie zu informieren, dass sie sich überlegt hat, heute doch erst mal im Pflegeheim zu schlafen.
"Du, ich schlafe heute abend erst mal hier."
"Das ist eine gute Idee."
"Haben die überhaupt ein Bett für mich?"
"Aber sicher, du hast dein eigenes Bett."
"Aber woher weißt du das so genau?"
Noch trinkt sie jeden Tag ein Piccolöchen, für den Kreislauf und manchmal, wenn ihre Tochter zu Besuch kommt, sagte sie "Schön, dass Sie kommen, aber ich habe zu tun." Spricht's und verschwindet im Garten, zum Damenkränzchen.
Neulich allerdings ist sie nachts ausgebüxt; niemand weiß, wie sie es geschafft hat, aber sie stand nachts um 3 Uhr vor der Tür ihrer alten Wohnung. Gottseidank wurden die Nachmieter wach von ihrem klingeln. "Guten Abend, ich will zu Norbert."
Die andere, Zeit ihres Lebens ein eher kapriziöses Geschöpf, ist nun mit Macht ihrer ungebrochen vitalen Libido ausgeliefert, beziehungsweise Pfleger Mario ist ihr ausgeliefert. Sie phantasiert sich eine überaus leidenschaftliche Affaire zusammen und vergisst auch nicht, der Leidenschaft Futter zu geben, in dem sie Mario "eifersüchtig" macht. Neulich war eine Tanzcombo im Pflegeheim und der Sänger habe ihr immer tief in die Augen geschaut und sie hat zurückgeschaut und das soll Mario eine Lehre sein, sie habe noch jede Menge Chancen.
Allerdings ist sie auch auf anderen Gebieten tätig; sie rettet andere Patienten vor dem Tode, weil sie die Ärzte ins Gefängnis bringt, wegen falscher Medikation an Frau Brunse. Sie habe der Ärztin ausführlich klar gemacht, dass sie keine Ahnung von ihrem Beruf hat und Frau Brunse völlig falsch behandelt. Und dafür sei die Ärztin jetzt auch in den Knast gegangen.
Abendlicher Anruf: "Die Ärztin will mich umbringen."
"Aber Mama, die Ärztin hast du doch ins Gefängnis gebracht, da kann sie doch gar nicht raus."
"Ach so."
"Und sie würde ja auch gar nicht mehr ins Heim kommen, unten ist doch der Wachdienst. Die lassen die nie mehr ins Haus."
"Gottseidank. Stimmt."
Ich frage mich, was ich mir später mal einbilde.
Was so berührend ist, dass sich die charakterliche Grundausrichtung der beiden alten Damen auch in der Demenz nicht verändert hat.
Die eine, Zeit ihres Lebens eine hinreißend liebenswürdige und lebensfrohe Frau, ruft nun täglich abends ihre Tochter an, um sie zu informieren, dass sie sich überlegt hat, heute doch erst mal im Pflegeheim zu schlafen.
"Du, ich schlafe heute abend erst mal hier."
"Das ist eine gute Idee."
"Haben die überhaupt ein Bett für mich?"
"Aber sicher, du hast dein eigenes Bett."
"Aber woher weißt du das so genau?"
Noch trinkt sie jeden Tag ein Piccolöchen, für den Kreislauf und manchmal, wenn ihre Tochter zu Besuch kommt, sagte sie "Schön, dass Sie kommen, aber ich habe zu tun." Spricht's und verschwindet im Garten, zum Damenkränzchen.
Neulich allerdings ist sie nachts ausgebüxt; niemand weiß, wie sie es geschafft hat, aber sie stand nachts um 3 Uhr vor der Tür ihrer alten Wohnung. Gottseidank wurden die Nachmieter wach von ihrem klingeln. "Guten Abend, ich will zu Norbert."
Die andere, Zeit ihres Lebens ein eher kapriziöses Geschöpf, ist nun mit Macht ihrer ungebrochen vitalen Libido ausgeliefert, beziehungsweise Pfleger Mario ist ihr ausgeliefert. Sie phantasiert sich eine überaus leidenschaftliche Affaire zusammen und vergisst auch nicht, der Leidenschaft Futter zu geben, in dem sie Mario "eifersüchtig" macht. Neulich war eine Tanzcombo im Pflegeheim und der Sänger habe ihr immer tief in die Augen geschaut und sie hat zurückgeschaut und das soll Mario eine Lehre sein, sie habe noch jede Menge Chancen.
Allerdings ist sie auch auf anderen Gebieten tätig; sie rettet andere Patienten vor dem Tode, weil sie die Ärzte ins Gefängnis bringt, wegen falscher Medikation an Frau Brunse. Sie habe der Ärztin ausführlich klar gemacht, dass sie keine Ahnung von ihrem Beruf hat und Frau Brunse völlig falsch behandelt. Und dafür sei die Ärztin jetzt auch in den Knast gegangen.
Abendlicher Anruf: "Die Ärztin will mich umbringen."
"Aber Mama, die Ärztin hast du doch ins Gefängnis gebracht, da kann sie doch gar nicht raus."
"Ach so."
"Und sie würde ja auch gar nicht mehr ins Heim kommen, unten ist doch der Wachdienst. Die lassen die nie mehr ins Haus."
"Gottseidank. Stimmt."
Ich frage mich, was ich mir später mal einbilde.
Montag, 16. Juli 2018
#Schirm-Gate
Was mir von dieser WM unvergesslich bleiben wird, ist der Platzregen am Ende und der Umgang der Herren Staatenlenker mit diesem Dilemma.
Aus Veranstaltungssicht ist das schon mal ein Totalversagen gewesen, sag ich mal so als Profi. Es fängt an zu regnen und es gibt nur einen(!) Schirm, der schützend über Putin gehalten wird. Alle anderen werden binnen Minuten bis auf die Knochen nass. Es dauert viel zu lange, bis neue Schirme herangeschafft werden - da werden noch Köpfe rollen unter den Schirmbeauftragten. Mir auch rätselhaft, weshalb man nicht gleich ein Plexiglas-Dach eingeplant hat. Wenn ich die Siegerehrung von der Präsidententribüne mitten auf den Rasen verlege, dann ist das doch das Erste, was ich bedenke.
Und dieser so zuschanden geliftete Putin (er ist unterdessen so wachsbleich wie Lenin im Mausoleum; später mal muss er nicht mehr extra einbalsamiert werden) kommt nicht auf des Gedankens Blässe, den Schirm seiner kroatischen Kollegin anzubieten oder sie wenigstens an seine Seite zu holen, um sich den Schirm mit ihr zu teilen.
Macron ist kein Deut besser. Zwar wird er ebenfalls ein Opfer des Wolkenbruchs, aber auch er kommt nicht auf die Idee, die Dame zu seiner Linken unter Putins Schirm zu holen. Haben die keinen Benimm-Unterricht bekommen, als sie Präsidenten geworden sind?
Sie jedenfalls umhalst so sympathisch wie gnadenlos jeden, der an ihr vorbeidefiliert, sie will unbedingt gute Fotos haben. Es wirkt schon unfreiwillig komisch, wie sie sich an jedem einzelnen Fußballer festkrallt, als sei sie auf einer Kuschelparty; manch einen lässt sie gar nicht wieder los - was sehr zu unserer Erheiterung beigetragen hat. Ihre Frisur ist im Arsch, wenigstens ist das Make up wasserfest.
Man ist direkt froh, dass nicht Deutschland Weltmeister geworden ist - man male sich aus, Angela Merkel hätte da stehen müssen wie ein nasser Pudel.
Da Frau Grabar-Kitarovic das Nationaltrikot trägt, bekommt man es mit der Angst zu tun, dass sich das Ganze hin zu einem Wet-T-Shirt-Contest entwickelt. Soweit ich das beurteilen kann, ist ihr das erspart geblieben. Die beiden uncharmanten Präsi-Holzköpfe leider nicht.
Aus Veranstaltungssicht ist das schon mal ein Totalversagen gewesen, sag ich mal so als Profi. Es fängt an zu regnen und es gibt nur einen(!) Schirm, der schützend über Putin gehalten wird. Alle anderen werden binnen Minuten bis auf die Knochen nass. Es dauert viel zu lange, bis neue Schirme herangeschafft werden - da werden noch Köpfe rollen unter den Schirmbeauftragten. Mir auch rätselhaft, weshalb man nicht gleich ein Plexiglas-Dach eingeplant hat. Wenn ich die Siegerehrung von der Präsidententribüne mitten auf den Rasen verlege, dann ist das doch das Erste, was ich bedenke.
Und dieser so zuschanden geliftete Putin (er ist unterdessen so wachsbleich wie Lenin im Mausoleum; später mal muss er nicht mehr extra einbalsamiert werden) kommt nicht auf des Gedankens Blässe, den Schirm seiner kroatischen Kollegin anzubieten oder sie wenigstens an seine Seite zu holen, um sich den Schirm mit ihr zu teilen.
Macron ist kein Deut besser. Zwar wird er ebenfalls ein Opfer des Wolkenbruchs, aber auch er kommt nicht auf die Idee, die Dame zu seiner Linken unter Putins Schirm zu holen. Haben die keinen Benimm-Unterricht bekommen, als sie Präsidenten geworden sind?
Sie jedenfalls umhalst so sympathisch wie gnadenlos jeden, der an ihr vorbeidefiliert, sie will unbedingt gute Fotos haben. Es wirkt schon unfreiwillig komisch, wie sie sich an jedem einzelnen Fußballer festkrallt, als sei sie auf einer Kuschelparty; manch einen lässt sie gar nicht wieder los - was sehr zu unserer Erheiterung beigetragen hat. Ihre Frisur ist im Arsch, wenigstens ist das Make up wasserfest.
Man ist direkt froh, dass nicht Deutschland Weltmeister geworden ist - man male sich aus, Angela Merkel hätte da stehen müssen wie ein nasser Pudel.
Da Frau Grabar-Kitarovic das Nationaltrikot trägt, bekommt man es mit der Angst zu tun, dass sich das Ganze hin zu einem Wet-T-Shirt-Contest entwickelt. Soweit ich das beurteilen kann, ist ihr das erspart geblieben. Die beiden uncharmanten Präsi-Holzköpfe leider nicht.
Montag, 9. Juli 2018
Wenn Frauen alleine verreisen
Dieses Jahr hatte ich mal was ganz Neues vor. Nachdem ich Urlaub mit Freunden nur in Island, Italien oder in den USA hätte verbringen können, in Ländern also, die nur per Flugzeug oder mit der Queen Mary zu erreichen sind, beschloss ich, ein paar Tage allein ans Meer zu fahren.
Als ich noch im Außendienst war, verbrachte ich wochenlang allein an der Mecklenburgischen Ostseeküste, ohne mir was dabei zu denken. Ich frühstückte entspannt im Hotel mit anderen Vertrieblern (jeder an seinem eigenen Tisch) und speiste allein wie eine Grande Dame zu Abend - nachdem ich mir tagsüber den Mund fusselig geredet hatte, war ich froh, mit niemandem mehr reden zu müssen. Ich verschwendete keinen Gedanken daran, was wohl andere Leute denken, weil ich allein am Tisch saß.
Ich buchte für fünf Tage ein Wellness-Hotel mit eigener Therme direkt am Strand. Fünf Tage, dachte ich, werde ich wohl überleben.
Komme an, checke ein, geh auf's Zimmer, pralle zurück - kochendheiß, Südseite, keine Klimaanlage, gehe wieder zur Rezeption, möchte ein Zimmer zur anderen Seite. Personal ausschließlich aus Polen. Was mich nicht wundert, schon vor 10 Jahren bekamen die kaum noch Personal in den Hotels, wegen der Hungerlöhne, die gezahlt werden.
"Kostät 12 Euro mähr, wenn Sie wollen Määhr sähen, kostät 24 Euro pro Nacht."
Ich wollte gerne das Meer sehen, aber das war mir ein bissel happig. Wann werde ich letztlich im Zimmer sitzen und auf 's Meer schauen? Eben. Ich schaute also auf knorrige Fichten, hinter denen das Meer rauschte. *
Ich richtete mich ein, zog mein Reisekleid aus (ja, ich habe ein Reisekleid, schon damals hatte es mir gute Dienste geleistet, es ist schneeweiß und im Sommer sollte man längere Autofahrten bei kochender Hitze schon aus Selbstschutz nur in weißer Bekleidung antreten, auch wenn es einem überhaupt nicht steht), zog meinen Honolulu-Strandbikini an und ging ans Meer. Hm. Komisch, wenn niemand bei einem ist.
Später schlenderte ich zur Seebrücke, Hölle Hölle, ein Sängerbarde mit E-Gitarre, "Smoke on the water" und so'n Zeug. Komisch, wenn man da allein sitzt inmitten kinderreicher Eltern und Großeltern. Ich habe keinen einzigen Hipster gesehen und ich sehe leider auch nicht aus wie eine Hipsterin, da nutzte auch der nachlässig gebundene Dutt nichts. Wenn ich mich so umschaute, sah ich total aus wie die. Das fand ich erschreckend. Und dann saß ich da auch noch allein in der Menge und hatte niemanden, mit dem ich hätte lästern können. Mir kamen erste Zweifel, ob ich die 5 Tage unbeschadet überstehen würde.
Dann begab ich mich auf die Suche nach einem Restaurant. Es gab haufenweise davon. Rappelvoll mit den immergleichen Eltern und Großeltern kinderreicher Familien. Ich brachte es kaum über mich, mich an einen Tisch zu setzen und dachte, verdammt, das war doch früher kein Problem, warum ist es das jetzt? Ich wollte glatt ein bisschen weinen, dabei war ich erst sechs Stunden hier. Nun war ich sicher, dass ich fünf schreckliche Tage durchleiden werde. Ich hatte mich für den absolut falschen Ort zur falschen Zeit entschieden.
Mir wurde klar, dass ich diverse Heiratsanträge hätte doch annehmen und einige Kinder produzieren sollen, dann hätte ich jetzt keine Probleme. Die Konsequenzen meiner ungezwungenen Planlosigkeit rächten sich hier und heute in Mecklenburg.
Am nächsten Morgen verschwand ich vor dem Frühstück in der Therme. Im Wasser fiel kaum auf, dass ich keine Mehrfachmutter bin; es schwammen nämlich nur alte Öhmchen hin und her. Abgesehen von der Befürchtung, dass ich denen bereits ähnlicher bin, als mir lieb ist, fühlte ich mich in der warmen Brühe recht wohl. Vor allem die Massage-Düsen... ach du Scheiße - wann ist das passiert, da haben doch früher immer nur so Uralt-Weiblein vorgehockt und jetzt auch ich? Herrgott, rief ich mich zur Ordnung, du machst einen Wellness-Urlaub, da sitzt man halt vor Massagedüsen.
Später am Strand schrieb ich ein paar sms und bekam Unterstützer-sms zurück, dass ich wirklich sehr tapfer bin und sie hätten das nie gemacht, allein ans Meer und das eine Mal, als sie es gemacht haben, war das Essen gehen das Allerschlimmste.
Im Internet schaute ich nach, ob ich irgendwie an Astronautennahrung komme und wenn ich nicht soviel Angst vor Ärzten hätte, wäre ich auf intravenöse Nährlösungen umgestiegen, um diese leidige Sache zu umschiffen.
Der zweite Tag verlief ansonsten wie der Erste. Strand, lesen, Spazierengehen, Kurkonzert (Dire Straits - der Barde hatte wohl keinen Abend frei). Ich zählte die Stunden bis zur Abreise. Meine Weinerlichkeit über meine Ehemann- und Kinderlosigkeit war inzwischen einer reaktiven Depression gewichen und ich hatte keinen Schimmer, wie ich weitere drei Tage bewältigen sollte. Ich hatte ja nicht mal ein Zimmer mit Seeblick. Was zur Hölle hatte ich mir dabei nur gedacht? Ich saufe ja auch leider nicht, obwohl das bestimmt geholfen hätte.
Am dritten Tag änderte sich alles, dank Whatsapp, über das ich nie wieder etwas Böses sagen werde. Eine frühere Kollegin hatte in ihren Status ein paar Fotos gestellt und die Gegend kam mir so bekannt vor. "Wo bist du denn?" schrieb ich ihr. "Auf Usedom, zusammen mit Katrin"
Schlagartig fühlte ich mich besser. "Ach, ich bin auch hier."
Den vierten und fünften Tag verbrachten wir zusammen. Die gute alte Kiepert-Connection. Ich fiel den beiden in die Arme und rief "Ohne euch hätte ich mich eigenhändig im Meer ersäuft!" Wir lagen am Strand von Heringsdorf und sahen Fußball, lästerten, erzählten von den hanebüchenen Umstrukturierungen unserer Arbeitgeber, aßen unglaublich guten Fisch und ich war heilfroh, dass ich keine Kinder habe, die hätten in der Therme an den Massagedüsen auch echt gestört.
P.S. Mir war kein einziges Mal blümerant. Bombige Konstitution.
* Beim auschecken stellte sich raus, dass mir "versehentlich" die Preise für zwei
Personen genannt wurden - aber da war es zu spät. So wurde ich von einer
kaltherzigen Rezeptionistin um den Meerblick gebracht, den ich wirklich
gut hätte gebrauchen können. Es dauert sich so viel schöner mit Blick auf
Wasser. Ich hoffe, die Kuh wird vom Universum dafür bestraft.
Als ich noch im Außendienst war, verbrachte ich wochenlang allein an der Mecklenburgischen Ostseeküste, ohne mir was dabei zu denken. Ich frühstückte entspannt im Hotel mit anderen Vertrieblern (jeder an seinem eigenen Tisch) und speiste allein wie eine Grande Dame zu Abend - nachdem ich mir tagsüber den Mund fusselig geredet hatte, war ich froh, mit niemandem mehr reden zu müssen. Ich verschwendete keinen Gedanken daran, was wohl andere Leute denken, weil ich allein am Tisch saß.
Ich buchte für fünf Tage ein Wellness-Hotel mit eigener Therme direkt am Strand. Fünf Tage, dachte ich, werde ich wohl überleben.
Außer mir wird blümerant; weil ich ja immer gleich mit dem Tode rechne. Da hatte ich schon ein bisschen Angst vor, dass ich unter Umständen ganz allein an der Ostsee mein Leben aushauchen muss.
Komme an, checke ein, geh auf's Zimmer, pralle zurück - kochendheiß, Südseite, keine Klimaanlage, gehe wieder zur Rezeption, möchte ein Zimmer zur anderen Seite. Personal ausschließlich aus Polen. Was mich nicht wundert, schon vor 10 Jahren bekamen die kaum noch Personal in den Hotels, wegen der Hungerlöhne, die gezahlt werden.
"Kostät 12 Euro mähr, wenn Sie wollen Määhr sähen, kostät 24 Euro pro Nacht."
Ich wollte gerne das Meer sehen, aber das war mir ein bissel happig. Wann werde ich letztlich im Zimmer sitzen und auf 's Meer schauen? Eben. Ich schaute also auf knorrige Fichten, hinter denen das Meer rauschte. *
Ich richtete mich ein, zog mein Reisekleid aus (ja, ich habe ein Reisekleid, schon damals hatte es mir gute Dienste geleistet, es ist schneeweiß und im Sommer sollte man längere Autofahrten bei kochender Hitze schon aus Selbstschutz nur in weißer Bekleidung antreten, auch wenn es einem überhaupt nicht steht), zog meinen Honolulu-Strandbikini an und ging ans Meer. Hm. Komisch, wenn niemand bei einem ist.
Später schlenderte ich zur Seebrücke, Hölle Hölle, ein Sängerbarde mit E-Gitarre, "Smoke on the water" und so'n Zeug. Komisch, wenn man da allein sitzt inmitten kinderreicher Eltern und Großeltern. Ich habe keinen einzigen Hipster gesehen und ich sehe leider auch nicht aus wie eine Hipsterin, da nutzte auch der nachlässig gebundene Dutt nichts. Wenn ich mich so umschaute, sah ich total aus wie die. Das fand ich erschreckend. Und dann saß ich da auch noch allein in der Menge und hatte niemanden, mit dem ich hätte lästern können. Mir kamen erste Zweifel, ob ich die 5 Tage unbeschadet überstehen würde.
Dann begab ich mich auf die Suche nach einem Restaurant. Es gab haufenweise davon. Rappelvoll mit den immergleichen Eltern und Großeltern kinderreicher Familien. Ich brachte es kaum über mich, mich an einen Tisch zu setzen und dachte, verdammt, das war doch früher kein Problem, warum ist es das jetzt? Ich wollte glatt ein bisschen weinen, dabei war ich erst sechs Stunden hier. Nun war ich sicher, dass ich fünf schreckliche Tage durchleiden werde. Ich hatte mich für den absolut falschen Ort zur falschen Zeit entschieden.
Mir wurde klar, dass ich diverse Heiratsanträge hätte doch annehmen und einige Kinder produzieren sollen, dann hätte ich jetzt keine Probleme. Die Konsequenzen meiner ungezwungenen Planlosigkeit rächten sich hier und heute in Mecklenburg.
Am nächsten Morgen verschwand ich vor dem Frühstück in der Therme. Im Wasser fiel kaum auf, dass ich keine Mehrfachmutter bin; es schwammen nämlich nur alte Öhmchen hin und her. Abgesehen von der Befürchtung, dass ich denen bereits ähnlicher bin, als mir lieb ist, fühlte ich mich in der warmen Brühe recht wohl. Vor allem die Massage-Düsen... ach du Scheiße - wann ist das passiert, da haben doch früher immer nur so Uralt-Weiblein vorgehockt und jetzt auch ich? Herrgott, rief ich mich zur Ordnung, du machst einen Wellness-Urlaub, da sitzt man halt vor Massagedüsen.
Später am Strand schrieb ich ein paar sms und bekam Unterstützer-sms zurück, dass ich wirklich sehr tapfer bin und sie hätten das nie gemacht, allein ans Meer und das eine Mal, als sie es gemacht haben, war das Essen gehen das Allerschlimmste.
Im Internet schaute ich nach, ob ich irgendwie an Astronautennahrung komme und wenn ich nicht soviel Angst vor Ärzten hätte, wäre ich auf intravenöse Nährlösungen umgestiegen, um diese leidige Sache zu umschiffen.
Der zweite Tag verlief ansonsten wie der Erste. Strand, lesen, Spazierengehen, Kurkonzert (Dire Straits - der Barde hatte wohl keinen Abend frei). Ich zählte die Stunden bis zur Abreise. Meine Weinerlichkeit über meine Ehemann- und Kinderlosigkeit war inzwischen einer reaktiven Depression gewichen und ich hatte keinen Schimmer, wie ich weitere drei Tage bewältigen sollte. Ich hatte ja nicht mal ein Zimmer mit Seeblick. Was zur Hölle hatte ich mir dabei nur gedacht? Ich saufe ja auch leider nicht, obwohl das bestimmt geholfen hätte.
Am dritten Tag änderte sich alles, dank Whatsapp, über das ich nie wieder etwas Böses sagen werde. Eine frühere Kollegin hatte in ihren Status ein paar Fotos gestellt und die Gegend kam mir so bekannt vor. "Wo bist du denn?" schrieb ich ihr. "Auf Usedom, zusammen mit Katrin"
Schlagartig fühlte ich mich besser. "Ach, ich bin auch hier."
Den vierten und fünften Tag verbrachten wir zusammen. Die gute alte Kiepert-Connection. Ich fiel den beiden in die Arme und rief "Ohne euch hätte ich mich eigenhändig im Meer ersäuft!" Wir lagen am Strand von Heringsdorf und sahen Fußball, lästerten, erzählten von den hanebüchenen Umstrukturierungen unserer Arbeitgeber, aßen unglaublich guten Fisch und ich war heilfroh, dass ich keine Kinder habe, die hätten in der Therme an den Massagedüsen auch echt gestört.
P.S. Mir war kein einziges Mal blümerant. Bombige Konstitution.
Donnerstag, 28. Juni 2018
Wie aus kurzen Affairen lange Freundschaften werden
"Gefangen habe ich mich dann erst wieder, als ich nach sechs Wochen aus der Geschlossenen rauskam", sagt er.
"Du warst in der Geschlossenen?"
"Habe ich dir das nie erzählt?"
"Nie. Du hast immer von einer etwas schwierigeren Pubertät erzählt, weil du Schnauze gestrichen voll und keine Lust mehr hattest auf Insulin spritzen."
"Naja, geht man ja auch nicht gerne mit hausieren. Nee du, ich war bestimmt 23 mal als Notfall in der Klinik, da haben die mich irgendwo auf der Straße aufgegabelt, völlig desorientiert und dann meinten sie, es reicht, der gefährdet sich selbst, jetzt schließen wir ihn mal eine Weile weg."
"Hast du mir nie erzählt. Und wann hast du dich wieder gefangen?"
"Was meinst du damit?" Er lächelt spöttisch. "Dass ich wieder arbeiten ging, oder eine Freundin hatte, oder eine Wohnung oder alles zusammen und damit etwa ein glücklicher Mann? Ganz ehrlich, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht in eine Situation gerate, in der ich um mein Leben kämpfe. Ich wach manchmal nachts auf, weißt du, ich habe überall Süßigkeiten, aber manchmal weiß ich nicht mehr, dass das Süßigkeiten sind, die ich jetzt essen muss. Mein Herz rast und ich denke, schöne bunte Dinger, was muss ich jetzt machen, irgendwas stimmt nicht. Kein Spaß, sage ich dir. Manchmal tröstet mich nur, dass das Leben endlich ist."
"Das ist ein Trost? Hast Du denn keine Angst vorm Tod?" frage ich und neige mich ganz nach rechts, zu ihm, der neben mir auf der Bank sitzt, abends am Lietzensee, zu dem wir nach dem Sushi futtern hinspaziert sind. Ich schau ihn konzentriert an.
"Nein. Und ich hoffe, ich sterbe allein. Ich will nicht, dass mir jemand dabei zusieht, wie ich mir womöglich noch in die Hosen scheiße. Das ist meine Privatsache. Wenn möglich will ich den Zeitpunkt selbst bestimmen."
"Selbst bestimmen? Ich will ü-ber-haupt nicht sterben."
"Warum denn nicht? Dann hat alles Leiden ein Ende."
"Aber es ist doch nicht nur Leiden, das Leben."
"Meistens aber schon. Oder bist du immer glücklich? Ich weiß jedenfalls, die Rente werde ich nicht erleben."
"Wieso das denn nicht?"
"Weil ich es weiß. Aber sag, bist du immer glücklich?"
"Nee, wer ist das schon? Früher war ich öfter glücklich, sehr leicht sogar, aber auch schnell unglücklich. Aber heute? Kein Zu-Tode-betrübt-himmelhochjauchzend mehr. Schade, echt schade. Ich bin so oft mit einer überirdisch guten Laune aufgewacht, mir hat die Welt gehört, schon morgens um 6 Uhr. Jetzt habe ich gar keine Laune mehr. Andere sagen mir Das geht mir schon mein ganzes Leben so und ich denke, man war das toll, als ich noch eine richtige Hysterikerin war."
"Aber früher wären wir nicht zum Lietzensee spaziert, du hättest darauf bestanden, mit dem Auto zu fahren."
"Stimmt, ich war nicht nur hysterisch, ich war auch neurotisch."
"Ja, und weil ich das nicht wusste, habe ich mich auch gleich wieder von dir getrennt, weil ich dachte, du bist eine faule Socke. Mit meinem Bewegungsdrang, das wäre nie gut gegangen."
"Ich war eben eine heimliche Neurotikerin."
"Hättest ja mal was sagen können."
"Du ja auch."
"Du warst in der Geschlossenen?"
"Habe ich dir das nie erzählt?"
"Nie. Du hast immer von einer etwas schwierigeren Pubertät erzählt, weil du Schnauze gestrichen voll und keine Lust mehr hattest auf Insulin spritzen."
"Naja, geht man ja auch nicht gerne mit hausieren. Nee du, ich war bestimmt 23 mal als Notfall in der Klinik, da haben die mich irgendwo auf der Straße aufgegabelt, völlig desorientiert und dann meinten sie, es reicht, der gefährdet sich selbst, jetzt schließen wir ihn mal eine Weile weg."
"Hast du mir nie erzählt. Und wann hast du dich wieder gefangen?"
"Was meinst du damit?" Er lächelt spöttisch. "Dass ich wieder arbeiten ging, oder eine Freundin hatte, oder eine Wohnung oder alles zusammen und damit etwa ein glücklicher Mann? Ganz ehrlich, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht in eine Situation gerate, in der ich um mein Leben kämpfe. Ich wach manchmal nachts auf, weißt du, ich habe überall Süßigkeiten, aber manchmal weiß ich nicht mehr, dass das Süßigkeiten sind, die ich jetzt essen muss. Mein Herz rast und ich denke, schöne bunte Dinger, was muss ich jetzt machen, irgendwas stimmt nicht. Kein Spaß, sage ich dir. Manchmal tröstet mich nur, dass das Leben endlich ist."
"Das ist ein Trost? Hast Du denn keine Angst vorm Tod?" frage ich und neige mich ganz nach rechts, zu ihm, der neben mir auf der Bank sitzt, abends am Lietzensee, zu dem wir nach dem Sushi futtern hinspaziert sind. Ich schau ihn konzentriert an.
"Nein. Und ich hoffe, ich sterbe allein. Ich will nicht, dass mir jemand dabei zusieht, wie ich mir womöglich noch in die Hosen scheiße. Das ist meine Privatsache. Wenn möglich will ich den Zeitpunkt selbst bestimmen."
"Selbst bestimmen? Ich will ü-ber-haupt nicht sterben."
"Warum denn nicht? Dann hat alles Leiden ein Ende."
"Aber es ist doch nicht nur Leiden, das Leben."
"Meistens aber schon. Oder bist du immer glücklich? Ich weiß jedenfalls, die Rente werde ich nicht erleben."
"Wieso das denn nicht?"
Er ist einer der sportlichsten Männer, die ich kenne.
"Weil ich es weiß. Aber sag, bist du immer glücklich?"
"Nee, wer ist das schon? Früher war ich öfter glücklich, sehr leicht sogar, aber auch schnell unglücklich. Aber heute? Kein Zu-Tode-betrübt-himmelhochjauchzend mehr. Schade, echt schade. Ich bin so oft mit einer überirdisch guten Laune aufgewacht, mir hat die Welt gehört, schon morgens um 6 Uhr. Jetzt habe ich gar keine Laune mehr. Andere sagen mir Das geht mir schon mein ganzes Leben so und ich denke, man war das toll, als ich noch eine richtige Hysterikerin war."
"Aber früher wären wir nicht zum Lietzensee spaziert, du hättest darauf bestanden, mit dem Auto zu fahren."
"Stimmt, ich war nicht nur hysterisch, ich war auch neurotisch."
"Ja, und weil ich das nicht wusste, habe ich mich auch gleich wieder von dir getrennt, weil ich dachte, du bist eine faule Socke. Mit meinem Bewegungsdrang, das wäre nie gut gegangen."
"Ich war eben eine heimliche Neurotikerin."
"Hättest ja mal was sagen können."
"Du ja auch."
Sonntag, 24. Juni 2018
Shopping Desaster
Wenn es nach mir ginge, hätte ich eine persönliche Schneiderin, die mich mit neuen Klamotten eindecken würde. Sie hätte meine Maße, wüsste um meine Vorlieben und alle paar Monate käme eine neue Lieferung nach Hause.
So aber muss ich selber einkaufen gehen. In einer Woche gehe ich wohin und habe nichts anzuziehen. Ich steh also unter Zeitdruck. Als ich nach meiner Tasche greife, finde ich das Portemonnaie nicht - sogleich erinnere ich, dass ich es in meiner Jacke im Büro vergessen habe.
Rüber zu meiner Freundin, 100 € geliehen und in Ermangelung einer Geldbörse den Schein in den BH gesteckt.
Komme gegen Mittag in so einem Kaufhaus an, in dem es praktischerweise alles gibt. Kleidung, Schuhe, Wäsche. Ich probiere und probiere und probiere. Ich finde kein Kleid, keinen Rock, keine Hose. Ach, denke ich, Schuhe brauchst du auch. Ich probiere und probiere und probiere. Ich finde nix.
Eine Verkäuferin mit einem dämlichen Glitzer-Deutschland-Hütchen auf dem Kopf kommt auf mich zu und nimmt mich vertraulich zur Seite. "Wenn Sie was gefunden haben, kommen Sie dann bitte zu mir? Dann kann ich das abhaken und dann wissen die an der Kasse, dass ich Sie beraten habe."
Die Höhe! Die mich beraten? Kein Mensch berät einen in Kaufhäusern. Die stehen nur im Pulk und quatschen und unsereiner muss sich allen Krempel selber anschleppen. Danke für nichts, du Schnepfe.
Ach, denke ich, kaufst du dir wenigstens einen BH. Ich probiere und so weiter und so weiter. Ich finde nix.
By the way: einen BH zu kaufen ist der Oberhorror. Erstmal muss man auf den Knien rutschen, um seine Größe zu finden, die maximal versteckt angebracht ist. BHs werden praktisch zu ebener Erde feilgeboten. Hat man welche ergattert, die man probieren möchte, sind diese Anti-Klau-Dinger direkt am Verschluss angebracht. Das BH-Business bräuchte mal eine Prozessmodellierung.
Mir wird auch langsam blümerant, weil es schon 15.30 Uhr ist und ich schon seit zweieinhalb Stunden ununterbrochen probiere und erst gefrühstückt habe. Ich wanke aus dem Kaufhaus, in Richtung Auto und da wird mir schon ein bissel schwindelig. Bin total unterzuckert und ich habe doch diese niedrige Hungerattacken-Toleranz. Hoffentlich schaffe ich noch den Weg zum Auto, ohne voher zu kollabieren. Das Ende ist nah.
Dann wird mir siedendheiß. Wo ist der 100€ Schein? Oh Gott. Ich haste zurück und bin erstaunt, welche Reserven in mir stecken. Fast könnte man sagen, ich renne. Und das mit Unterzuckerung. In mir steckt doch noch die gute alte Hochleistungssportlerin. Ich laufe die Rolltreppe hoch und da kommt mir oben das Glitzerhütchen entgegen.
"Ihich hahabe mein Geheld verlohoren, in der Uhmukleidekabihine" japse ich.
Die Schnepfe lächelt mich freundlich an. "Das habe ich gefunden, liegt an Kasse 2 im Untergeschos."
Ich will sie küssen, denn hätte ich einen 100€ Schein in einer Umkleidekabine gefunden... ich weiß nicht. Wir diskutieren abends beim Fußballgucken drüber. Die Meinungen waren fifty, fifty. Da meine Mutter nicht zugegen war (die auch einen 5 € Schein brav zurückbringen würde), nehme ich an, die eine Hälfte hat gelogen.
Mein Problem hat sich indessen nicht gelöst. Ich muss wohin und habe nichts anzuziehen.
So aber muss ich selber einkaufen gehen. In einer Woche gehe ich wohin und habe nichts anzuziehen. Ich steh also unter Zeitdruck. Als ich nach meiner Tasche greife, finde ich das Portemonnaie nicht - sogleich erinnere ich, dass ich es in meiner Jacke im Büro vergessen habe.
Rüber zu meiner Freundin, 100 € geliehen und in Ermangelung einer Geldbörse den Schein in den BH gesteckt.
Komme gegen Mittag in so einem Kaufhaus an, in dem es praktischerweise alles gibt. Kleidung, Schuhe, Wäsche. Ich probiere und probiere und probiere. Ich finde kein Kleid, keinen Rock, keine Hose. Ach, denke ich, Schuhe brauchst du auch. Ich probiere und probiere und probiere. Ich finde nix.
Eine Verkäuferin mit einem dämlichen Glitzer-Deutschland-Hütchen auf dem Kopf kommt auf mich zu und nimmt mich vertraulich zur Seite. "Wenn Sie was gefunden haben, kommen Sie dann bitte zu mir? Dann kann ich das abhaken und dann wissen die an der Kasse, dass ich Sie beraten habe."
Die Höhe! Die mich beraten? Kein Mensch berät einen in Kaufhäusern. Die stehen nur im Pulk und quatschen und unsereiner muss sich allen Krempel selber anschleppen. Danke für nichts, du Schnepfe.
Ach, denke ich, kaufst du dir wenigstens einen BH. Ich probiere und so weiter und so weiter. Ich finde nix.
By the way: einen BH zu kaufen ist der Oberhorror. Erstmal muss man auf den Knien rutschen, um seine Größe zu finden, die maximal versteckt angebracht ist. BHs werden praktisch zu ebener Erde feilgeboten. Hat man welche ergattert, die man probieren möchte, sind diese Anti-Klau-Dinger direkt am Verschluss angebracht. Das BH-Business bräuchte mal eine Prozessmodellierung.
Mir wird auch langsam blümerant, weil es schon 15.30 Uhr ist und ich schon seit zweieinhalb Stunden ununterbrochen probiere und erst gefrühstückt habe. Ich wanke aus dem Kaufhaus, in Richtung Auto und da wird mir schon ein bissel schwindelig. Bin total unterzuckert und ich habe doch diese niedrige Hungerattacken-Toleranz. Hoffentlich schaffe ich noch den Weg zum Auto, ohne voher zu kollabieren. Das Ende ist nah.
Dann wird mir siedendheiß. Wo ist der 100€ Schein? Oh Gott. Ich haste zurück und bin erstaunt, welche Reserven in mir stecken. Fast könnte man sagen, ich renne. Und das mit Unterzuckerung. In mir steckt doch noch die gute alte Hochleistungssportlerin. Ich laufe die Rolltreppe hoch und da kommt mir oben das Glitzerhütchen entgegen.
"Ihich hahabe mein Geheld verlohoren, in der Uhmukleidekabihine" japse ich.
Die Schnepfe lächelt mich freundlich an. "Das habe ich gefunden, liegt an Kasse 2 im Untergeschos."
Ich will sie küssen, denn hätte ich einen 100€ Schein in einer Umkleidekabine gefunden... ich weiß nicht. Wir diskutieren abends beim Fußballgucken drüber. Die Meinungen waren fifty, fifty. Da meine Mutter nicht zugegen war (die auch einen 5 € Schein brav zurückbringen würde), nehme ich an, die eine Hälfte hat gelogen.
Mein Problem hat sich indessen nicht gelöst. Ich muss wohin und habe nichts anzuziehen.
Donnerstag, 21. Juni 2018
Der längste Tag
Ist es nicht verrückt, dass ausgerechnet heute, am längsten Tag des Jahres, der Sommer ein Ende findet? Seit Mitte April ...and the living is easy... und heute, zur Sommersonnenwende, an dem die Sonne über 16 Stunden scheinen könnte, wenn sie wollte, schüttet es kurz wie aus Eimern, stürmt es wie im Herbst und jetzt um 21.45 Uhr ist es zwar noch hell, aber schauerlich kühl.
Der 21. Juni ist ein magischer Tag. Für mich, die klimatechnisch entweder in der Vergangenheit lebt oder die Zukunft herbeisehnt (oder fürchtet - je nachdem) ist es ein Datum, vor dem ich schon wochenlang die Tage zähle "bis es wieder schlechter wird". Ich mag am beginnenden Jahr, dass dann alles besser (= heller) wird und dann, auf dem Höhepunkt ist alles schon wieder vorbei und ich nehme gedanklich den November vorweg.
Dieses Jahr ist das anders, weil schon so lange die Sonne scheint und ich denke, endlich mal genug von allem: Wärme, Grünzeug, Spargel, DoKo draußen, überhaupt alles draußen, besser geht's nicht.
Ich habe mich sogar mit der Hitze abgefunden. Mensch, tadelte ich mich, komm doch mal runter, was ist schon dabei, dein Büro ist klimatisiert, dein Auto auch und daheim setzt du dich halt vor den Ventilator, so what? Und weil ich nicht mehr in meinen Garten darf, war ich an den heißen Abenden sogar in der Stadt unterwegs und saß woanders draußen rum und ich hab'süberlebt genossen.
Und jetzt, wo ich endlich die nötige Gemütsruhe für heiße Sommertage habe, soll's schon wieder vorbei sein? Ausgerechnet heute?
In Wahrheit geht mir was ganz anderes im Kopf herum. Ich erzähl's mal so verklausuliert wie möglich. Gestern ruft mich spät am Abend eine Freundin an. Sie hat eine riesige Schweinerei in ihrer Firma angeprangert, ist bis zur höchstens Stelle gegangen. Ich bewunderte damals ihren Mut. Wie sich jetzt zeigt, hat sie sich Todfeinde damit gemacht; also, das wusste ich auch schon vorher, aber jetzt benehmen sich die Todfeinde auch wie Todfeinde. Sie haben ein bisschen gewartet, Gras über die Sache wachsen lassen und schlagen jetzt erbarmungslos zu. Ihre Existenz wird vernichtet. Sie hat keine Arbeitsrechtsschutzversicherung, sie ist nicht in der Gewerkschaft, sie ist am Arsch.
Ich habe ein Häufchen Elend in der Leitung. Ich kenne sie nur lebenslustig, mit Kodderschnauze, dem Herz am rechten Fleck, aber davon ist nichts mehr übrig. Sie kann nichts mehr essen und nicht mehr schlafen.
Heute spreche ich mit einer befreundeten Anwältin. Sie saugt die Luft hörbar ein und sagt "Scheeeeiiiiße, sie hat WAS gemacht?" Mir fällt das Herz in die Hose. So schlimm? Ja, so schlimm. Ja, klar kann sie das machen, aber dann hat man sein Todesurteil unterschrieben, so ist das und wenn sie hundertmal Recht hat. Sowas verzeihen die einem nicht und dann suchen sie und sie werden was finden.
Diese kleine Person mit Löwenmut.... she fucked the wrong person.
Der 21. Juni ist ein magischer Tag. Für mich, die klimatechnisch entweder in der Vergangenheit lebt oder die Zukunft herbeisehnt (oder fürchtet - je nachdem) ist es ein Datum, vor dem ich schon wochenlang die Tage zähle "bis es wieder schlechter wird". Ich mag am beginnenden Jahr, dass dann alles besser (= heller) wird und dann, auf dem Höhepunkt ist alles schon wieder vorbei und ich nehme gedanklich den November vorweg.
Dieses Jahr ist das anders, weil schon so lange die Sonne scheint und ich denke, endlich mal genug von allem: Wärme, Grünzeug, Spargel, DoKo draußen, überhaupt alles draußen, besser geht's nicht.
Ich habe mich sogar mit der Hitze abgefunden. Mensch, tadelte ich mich, komm doch mal runter, was ist schon dabei, dein Büro ist klimatisiert, dein Auto auch und daheim setzt du dich halt vor den Ventilator, so what? Und weil ich nicht mehr in meinen Garten darf, war ich an den heißen Abenden sogar in der Stadt unterwegs und saß woanders draußen rum und ich hab's
Und jetzt, wo ich endlich die nötige Gemütsruhe für heiße Sommertage habe, soll's schon wieder vorbei sein? Ausgerechnet heute?
In Wahrheit geht mir was ganz anderes im Kopf herum. Ich erzähl's mal so verklausuliert wie möglich. Gestern ruft mich spät am Abend eine Freundin an. Sie hat eine riesige Schweinerei in ihrer Firma angeprangert, ist bis zur höchstens Stelle gegangen. Ich bewunderte damals ihren Mut. Wie sich jetzt zeigt, hat sie sich Todfeinde damit gemacht; also, das wusste ich auch schon vorher, aber jetzt benehmen sich die Todfeinde auch wie Todfeinde. Sie haben ein bisschen gewartet, Gras über die Sache wachsen lassen und schlagen jetzt erbarmungslos zu. Ihre Existenz wird vernichtet. Sie hat keine Arbeitsrechtsschutzversicherung, sie ist nicht in der Gewerkschaft, sie ist am Arsch.
Ich habe ein Häufchen Elend in der Leitung. Ich kenne sie nur lebenslustig, mit Kodderschnauze, dem Herz am rechten Fleck, aber davon ist nichts mehr übrig. Sie kann nichts mehr essen und nicht mehr schlafen.
Heute spreche ich mit einer befreundeten Anwältin. Sie saugt die Luft hörbar ein und sagt "Scheeeeiiiiße, sie hat WAS gemacht?" Mir fällt das Herz in die Hose. So schlimm? Ja, so schlimm. Ja, klar kann sie das machen, aber dann hat man sein Todesurteil unterschrieben, so ist das und wenn sie hundertmal Recht hat. Sowas verzeihen die einem nicht und dann suchen sie und sie werden was finden.
Diese kleine Person mit Löwenmut.... she fucked the wrong person.
Sonntag, 17. Juni 2018
Männer, die sich immer wieder melden (2)
"Wie geht es dir? Meld dich doch mal." oder "Du meldest dich gar nicht zurück. Wie geht es dir?" oder "Hast du eine neue Handynummer? Du antwortest gar nicht auf meine whatsapp Nachrichten."
Ich finde kaum etwas beleidigender als solche Nachrichten. Es gibt ja so'ne und solche Trennungen, einige sind gute bis sehr gute Freunde geblieben. Aber dann gibt es auch die anderen und das sind stets die, die sich melden, wenn ihnen laaaangweilig ist.
Memo an Männer, die sich immer wieder melden:
Wenn ihr euch langweilt, ruft euren Friseur an. Grabt keine Ex-Freundin aus, aus deren Herz ihr einst Hackfleisch gemacht habt. Wahrscheinlich schreibt ihr an solchen Abenden ja ohnehin mehreren Exen oder anderen potentiellen Probantinnen und dann bereut ihr das am nächsten Morgen.
Eine Frau, die bei Trost ist, antwortet nicht darauf, vor allem, wenn diese Nachrichten am Wochenende spätabends geschrieben werden. Am Dienstag wär das was anderes, aber am Dienstag schreibt ja niemand, weil da braucht niemand etwas zum stabilisieren des Egos, da ist man im Büro und hat Vollbeschäftigung.
Wenn ihr schon unbedingt schreiben müsst, dann habt Respekt vor dem was war. Eine Ex-Freundin habt ihr bestenfalls mal geliebt und womöglich hattet ihr eine richtig gute Zeit mit ihr. Sie hat am allerwenigsten verdient, als Ego-Booster herzuhalten. Was bringen solche kargen Ein-Satz-Mails überhaupt, außer mittelschwere Disaster, für den Fall, dass sie antwortet?
Eigentlich kennt ihr diese Frau richtig gut, ihr wisst, wie sie tickt, ihr habt sie mal umworben, mit ihr gelebt und ihr wisst, was ihr weh tut. Wenn ihr mal nachts heimgesucht werdet von innerer Ruhelosigkeit, dann überlegt euch sehr gut, ob ihr ausgerechnet sie anruft - hat sie verdient, dass ihr alten Wunden womöglich neue hinzufügt?
Denn wo soll das hinführen? Ihr habt doch nicht etwa festgestellt, dass ihr sie immer noch aufrichtig liebt und ohne sie nicht leben könnt? Denn das wäre das einzige Motiv, was einen Anruf erlauben würde - zwar ohne Erfolgsgarantie, aber ein Versuch wär's wert. Aber nur dann. Alle anderen Gründe sind zu vernachlässigen und verbieten sich von selbst.
Ich finde kaum etwas beleidigender als solche Nachrichten. Es gibt ja so'ne und solche Trennungen, einige sind gute bis sehr gute Freunde geblieben. Aber dann gibt es auch die anderen und das sind stets die, die sich melden, wenn ihnen laaaangweilig ist.
Memo an Männer, die sich immer wieder melden:
Wenn ihr euch langweilt, ruft euren Friseur an. Grabt keine Ex-Freundin aus, aus deren Herz ihr einst Hackfleisch gemacht habt. Wahrscheinlich schreibt ihr an solchen Abenden ja ohnehin mehreren Exen oder anderen potentiellen Probantinnen und dann bereut ihr das am nächsten Morgen.
Eine Frau, die bei Trost ist, antwortet nicht darauf, vor allem, wenn diese Nachrichten am Wochenende spätabends geschrieben werden. Am Dienstag wär das was anderes, aber am Dienstag schreibt ja niemand, weil da braucht niemand etwas zum stabilisieren des Egos, da ist man im Büro und hat Vollbeschäftigung.
Wenn ihr schon unbedingt schreiben müsst, dann habt Respekt vor dem was war. Eine Ex-Freundin habt ihr bestenfalls mal geliebt und womöglich hattet ihr eine richtig gute Zeit mit ihr. Sie hat am allerwenigsten verdient, als Ego-Booster herzuhalten. Was bringen solche kargen Ein-Satz-Mails überhaupt, außer mittelschwere Disaster, für den Fall, dass sie antwortet?
Eigentlich kennt ihr diese Frau richtig gut, ihr wisst, wie sie tickt, ihr habt sie mal umworben, mit ihr gelebt und ihr wisst, was ihr weh tut. Wenn ihr mal nachts heimgesucht werdet von innerer Ruhelosigkeit, dann überlegt euch sehr gut, ob ihr ausgerechnet sie anruft - hat sie verdient, dass ihr alten Wunden womöglich neue hinzufügt?
Denn wo soll das hinführen? Ihr habt doch nicht etwa festgestellt, dass ihr sie immer noch aufrichtig liebt und ohne sie nicht leben könnt? Denn das wäre das einzige Motiv, was einen Anruf erlauben würde - zwar ohne Erfolgsgarantie, aber ein Versuch wär's wert. Aber nur dann. Alle anderen Gründe sind zu vernachlässigen und verbieten sich von selbst.
Mittwoch, 13. Juni 2018
Homo Avarus
Geburtstagseinladung bei Bling-Bling, meiner überaus großzügigen Kollegin. Ich kenne niemanden sonst, der so ausschweifend feiert und dabei keine Kosten scheut. Ein jeder wird gebeten, sich genau das auszusuchen, was er essen und trinken mag, ohne Limit.
Seit Jahren nehme ich entsetzt zur Kenntnis, wie sie und ihr Mann ausgenommen werden wie die Weihnachtsgänse. Ob es sich um Verwandte, Freunde oder Kollegen handelt - in jeder Peergroup ist mindestens eine Person dabei, die stets das teuerste Gericht bestellt, sich ungeniert vollstopft, Cocktails säuft und sich nicht zu schade ist, beleidigende Geschenke auf den Gabentisch zu legen.
Gestern war einer dabei, ein recht bekannter Autor, von dem ich sogar ein Buch im Regal zu stehen habe, weit länger schon, als ich ihn kenne, der brachte allen Ernstes einen vergilbten Chagall Bildband aus seinem eigenen Fundus mit, lieblos eingeschlagen in so etwas ähnlichem wie Wurstpapier. Er schlug sich den Magen voll und mit dem letzten Bissen vom Dessert stand er auf und sagte, er müsse nun gehen, da er frühmorgens einen Termin habe. Ich hätte ihm gerne die alte Chagall-Schwarte auf den Kopf gehauen.
Der Schlimmste von allen, ein Doktor der Physik, brachte eines Tages tatsächlich ein von ihm selbstgemaltes Bild seiner Katze mit, das seit 20 Jahren an seiner Wand hing. Ich starrte diesen Heini fassungslos an und bewunderte die Gastgeber ob ihrer Haltung. Sie steckten diesen beleidigenden Schlag ohne jede Regung weg. Ferner sitzt dieser Holzkopf stets regungs- und wortlos mit Hackfresse am Tisch - ich habe keine Ahnung, weshalb sie diese Napfsülze immer einladen.
Eine Cousine ist auch immer mit dabei, die Übelgelaunt nur Augen für das Essen hat, dass sie sich ununterbrochen einverleibt; wenn sie überhaupt etwas sagt, dann ist es ein Gezeter, dass der Heimweg ja sehr beschwerlich sein wird mit dem Bus - ein Wink mit dem Holzzaun an den Gastgeber, der sie dann nach Hause zu fahren hat.
Ihr alter Studienfreund stellt immer schon vorher Bedingungen, er fröstele leicht, man möge doch einen Tisch fern vom Fenster reservieren. Kaum ist das Essen auf den Tisch, bemängelt er, dass sein Fleisch leider etwas "zu" durch ist. Und das Dessert leider etwas "zu" üppig. Ein Mensch, der leider neben mir sitzt und den ganzen Abend klagt, dass er keine Freunde habe und ob ich nicht mal zusammen mit den Gastgebern zum Raclette kommen möge. Ich fange auch an zu frösteln.
Wenn da nicht immer ein paar Kollegen dabei wären, würde ich mich in einem Parallel-Universum wähnen. Aber selbst in unserem Kreis ist eine dabei, die reich geerbt hat und von daher mit dem angemessenem Understatement, aber erkennbar ausgesucht gekleidet und mit dem dazugehörigem Perlenschmuck behangen ist. Leider kann sie kaum mehr als 9,80 € für ein läppisches Taschenbuch erübrigen. Gestern kam sie reingerauscht "Es tut mir leid, ich habe gar nichts für dich, es war einfach zu stressig die letzten Tage." Setzt sich an Tisch und bestellt Champagner. Sie ist grandios dünkelhaft.
Sie folgt mir zum Rauchen nach draußen und ich sage scheinheilig (und um Bling Bling zu rächen) "Du siehst irgendwie anders aus." Natürlich ist mir gleich aufgefallen, dass sie eine OP hatte, die offenkundig schief gegangen ist. Die Frau ist fast nicht wiederzuerkennen. Sie beeilt sich zu erklären, dass medizinische Gründe vorlagen, natürlich. "Aber so schlimm seh ich doch nicht aus, oder?" Aber nein, lüge ich. ("Nimm dies, du Schnepfe", denke ich) Ihre Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.
Andere Möglichkeiten zur Satisfaktion des entehrten Geburtstagskindes ergaben sich leider nicht.
Seit Jahren nehme ich entsetzt zur Kenntnis, wie sie und ihr Mann ausgenommen werden wie die Weihnachtsgänse. Ob es sich um Verwandte, Freunde oder Kollegen handelt - in jeder Peergroup ist mindestens eine Person dabei, die stets das teuerste Gericht bestellt, sich ungeniert vollstopft, Cocktails säuft und sich nicht zu schade ist, beleidigende Geschenke auf den Gabentisch zu legen.
Gestern war einer dabei, ein recht bekannter Autor, von dem ich sogar ein Buch im Regal zu stehen habe, weit länger schon, als ich ihn kenne, der brachte allen Ernstes einen vergilbten Chagall Bildband aus seinem eigenen Fundus mit, lieblos eingeschlagen in so etwas ähnlichem wie Wurstpapier. Er schlug sich den Magen voll und mit dem letzten Bissen vom Dessert stand er auf und sagte, er müsse nun gehen, da er frühmorgens einen Termin habe. Ich hätte ihm gerne die alte Chagall-Schwarte auf den Kopf gehauen.
Der Schlimmste von allen, ein Doktor der Physik, brachte eines Tages tatsächlich ein von ihm selbstgemaltes Bild seiner Katze mit, das seit 20 Jahren an seiner Wand hing. Ich starrte diesen Heini fassungslos an und bewunderte die Gastgeber ob ihrer Haltung. Sie steckten diesen beleidigenden Schlag ohne jede Regung weg. Ferner sitzt dieser Holzkopf stets regungs- und wortlos mit Hackfresse am Tisch - ich habe keine Ahnung, weshalb sie diese Napfsülze immer einladen.
Eine Cousine ist auch immer mit dabei, die Übelgelaunt nur Augen für das Essen hat, dass sie sich ununterbrochen einverleibt; wenn sie überhaupt etwas sagt, dann ist es ein Gezeter, dass der Heimweg ja sehr beschwerlich sein wird mit dem Bus - ein Wink mit dem Holzzaun an den Gastgeber, der sie dann nach Hause zu fahren hat.
Ihr alter Studienfreund stellt immer schon vorher Bedingungen, er fröstele leicht, man möge doch einen Tisch fern vom Fenster reservieren. Kaum ist das Essen auf den Tisch, bemängelt er, dass sein Fleisch leider etwas "zu" durch ist. Und das Dessert leider etwas "zu" üppig. Ein Mensch, der leider neben mir sitzt und den ganzen Abend klagt, dass er keine Freunde habe und ob ich nicht mal zusammen mit den Gastgebern zum Raclette kommen möge. Ich fange auch an zu frösteln.
Wenn da nicht immer ein paar Kollegen dabei wären, würde ich mich in einem Parallel-Universum wähnen. Aber selbst in unserem Kreis ist eine dabei, die reich geerbt hat und von daher mit dem angemessenem Understatement, aber erkennbar ausgesucht gekleidet und mit dem dazugehörigem Perlenschmuck behangen ist. Leider kann sie kaum mehr als 9,80 € für ein läppisches Taschenbuch erübrigen. Gestern kam sie reingerauscht "Es tut mir leid, ich habe gar nichts für dich, es war einfach zu stressig die letzten Tage." Setzt sich an Tisch und bestellt Champagner. Sie ist grandios dünkelhaft.
Sie folgt mir zum Rauchen nach draußen und ich sage scheinheilig (und um Bling Bling zu rächen) "Du siehst irgendwie anders aus." Natürlich ist mir gleich aufgefallen, dass sie eine OP hatte, die offenkundig schief gegangen ist. Die Frau ist fast nicht wiederzuerkennen. Sie beeilt sich zu erklären, dass medizinische Gründe vorlagen, natürlich. "Aber so schlimm seh ich doch nicht aus, oder?" Aber nein, lüge ich. ("Nimm dies, du Schnepfe", denke ich) Ihre Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.
Andere Möglichkeiten zur Satisfaktion des entehrten Geburtstagskindes ergaben sich leider nicht.
Sonntag, 10. Juni 2018
Every breathe you take
Nun war ich in der Zwischenzeit in Dresden. Dort ist es teurer als in Berlin, allerdings hat man dort einen anständigen Fluss. Nichts kommt mit der Elbmündung mit, aber wenn sie durch Dresden fließt, entwickelt sie auch schon Charme. Die Spree ist ein Schiss dagegen.
Seminar also. Zwei aus Dresden waren auch dabei, die gaben uns Tipps, wo man gut essen kann, denn das Vier Sterne Hotel fütterte uns mit Convenience Food ab, kredenzt von einem Kellner, der lustig sein wollte, es aber nicht war und dazu einen starken Tremor hatte, wahrscheinlich aus Angst, dass wir ihm das Essen um die Ohren hauen.
"Gähd doch mol zu "Oma und Opa", die hobn gude deudsche Güche, orber imme mid so'm gleenen Bfiff dobei."
Das Essen dort war noch schlimmer als im Hotel. Ich war bald auf Null Diät. Ich musste zum Lidl um die Ecke gehen und mir unverderbliche Waren kaufen, denn der kleine Kühlschrank auf dem Zimmer war vom Strom abgeklemmt. Also ging nur Schokolade. Damit konnte ich eventuellen Gewichtsabnahmen vorbeugen.
Am letzten Abend schlenderten wir am Elbufer lang, setzten uns in einen Biergarten direkt gegenüber vom Zwinger („Do hobd ihr dän bässeren Bligg auf die obendliche Beleuchdung“). Ich zahlte für eine Bebbsi Gola und eine Brezel 9 Euro. Hier wird man arm und stirbt an Hunger. Schee war's aber doch. Dieser Sommer macht ja alles irgendwie schön.
Zurück in Berlin fraß ich mich abends durch die Lokale, spielte Doko bis in die späte Nacht und am nächsten Abend gleich noch ma. Ein paar Meter von uns entfernt saßen diese Art gutmütiger Anfangzwanziger, die (offenbar Kirchentagserprobt) Lieder sangen. Irgendjemand von denen hatte einen dieser bassigen Lautsprecher dabei, auf denen sich trefflich Spotify Playlists runterdudeln lassen.
Irgendwann sagte ich: Ich hör Police.
Ein U30er an unserem Tisch (gebürtig aus Dresden) meinte: "Das ist doch voll das Stalker Lied. Hör doch mal hin."
Oh can't you see
You belong to me
Seminar also. Zwei aus Dresden waren auch dabei, die gaben uns Tipps, wo man gut essen kann, denn das Vier Sterne Hotel fütterte uns mit Convenience Food ab, kredenzt von einem Kellner, der lustig sein wollte, es aber nicht war und dazu einen starken Tremor hatte, wahrscheinlich aus Angst, dass wir ihm das Essen um die Ohren hauen.
"Gähd doch mol zu "Oma und Opa", die hobn gude deudsche Güche, orber imme mid so'm gleenen Bfiff dobei."
Das Essen dort war noch schlimmer als im Hotel. Ich war bald auf Null Diät. Ich musste zum Lidl um die Ecke gehen und mir unverderbliche Waren kaufen, denn der kleine Kühlschrank auf dem Zimmer war vom Strom abgeklemmt. Also ging nur Schokolade. Damit konnte ich eventuellen Gewichtsabnahmen vorbeugen.
Am letzten Abend schlenderten wir am Elbufer lang, setzten uns in einen Biergarten direkt gegenüber vom Zwinger („Do hobd ihr dän bässeren Bligg auf die obendliche Beleuchdung“). Ich zahlte für eine Bebbsi Gola und eine Brezel 9 Euro. Hier wird man arm und stirbt an Hunger. Schee war's aber doch. Dieser Sommer macht ja alles irgendwie schön.
Zurück in Berlin fraß ich mich abends durch die Lokale, spielte Doko bis in die späte Nacht und am nächsten Abend gleich noch ma. Ein paar Meter von uns entfernt saßen diese Art gutmütiger Anfangzwanziger, die (offenbar Kirchentagserprobt) Lieder sangen. Irgendjemand von denen hatte einen dieser bassigen Lautsprecher dabei, auf denen sich trefflich Spotify Playlists runterdudeln lassen.
Irgendwann sagte ich: Ich hör Police.
Ein U30er an unserem Tisch (gebürtig aus Dresden) meinte: "Das ist doch voll das Stalker Lied. Hör doch mal hin."
Every breath you take
Every move you make
Every bond you break
Every step you take
I'll be watching you
Every move you make
Every bond you break
Every step you take
I'll be watching you
Das war mir nie aufgefallen. Ich muss meine Jugend völlig neu bewerten.
"Tja, damals habt ihr wahrscheinlich gedacht, es ist ein Liebeslied, oder ein Trennungslied, aber in Wahrheit ist es das Psychopathenlied überhaupt."
Oh can't you see
You belong to me
Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Dresdner sind nicht zu unterschätzen.
Samstag, 2. Juni 2018
Gutes Unwetter, schlechtes Unwetter
Eine Wohnung zur Ostseite zu haben, kann einen dieser Tage an den Rand des Abgrunds bringen. Es gibt kein Entrinnen. Ab 5 Uhr morgens brettert mir die Sonne das Hirn weg, ich werde gegrillt, während ich noch schlafe und wache mit Matschbirne auf (außer du bist geistesgegenwärtig um 4 Uhr aufgewacht und hast alle Jalousien runtergezogen. Machst du aber nicht, da du frühestens um 1 Uhr einschlafen kannst bei dieser Wärme).
Jetzt kommt mir nicht mit "Westseite ist noch schlimmer" - hatte ich, ist nicht schlimmer. Denn wenn der Tag schon beginnt, in dem du gekocht wirst, kommst du aus der Nummer nicht mehr raus.
Vorgestern hatte ich Home Office, abends stand ein Geburtstag im Garten an - mir graute davor, die Wohnung zu verlassen. Später am Tag wurde es dunkel, Wolken zogen auf, allein: kein Regentropfen nirgends. Ich sah Nachrichten im Fernsehen von Unwettern im ganzen Land und beneidete alle, die in Sturzbächen standen.
Gegen 19 Uhr fuhr ich los und als ich die Wohnung verließ, wusste ich, dass es ein großer Fehler war, sie nicht früher verlassen zu haben. Draußen war es nämlich kühler als drinnen und als ich bei der Geburstagsgesellschaft eintraf, wurde mir berichtet von dem Unwetter, das ein paar Stunden zuvor und keine 10 Kilometer von mir entfernt stattgefunden hatte.
Erzählt mehr davon, sagte ich. So ein Ärger, dass ich nicht dabei war. Erzählt noch mal von vorn. Es hat gehagelt? Wirklich? Das ist ja himmlisch! Und ihr durftet dabei sein.
Am darauffolgenden Tag wurde es 34 Grad. Mein einziger Trost ist das klimatisierte Büro. Sicherheitshalber treffe ich schon morgens um 8 Uhr ein und gehe nicht vor 19 Uhr - da bin ich safe und lagere kein Wasser ein.
Heute immer noch 34 Grad. Abends DoKo. Ich denke nicht ernsthaft daran, hinzufahren, sondern plane, im Büro zu übernachten. Es sagen auch einige ab und ich bin heilfroh und sage auch ab. Gegen 18 Uhr klingelt das Telefon und ich werde von drei Spielern aufgespürt, sie brauchen mich dringend, wo ich denn bliebe? Da ich eine gute Kameradin bin, mache ich mich auf den Weg und als ich ankomme, tröpfelt es vom Himmel und 10 Minuten später beginnt ein Unwetter und ich bin endlich live dabei.
Die Auftragsmörderin ist hingegen ein Opfer des Unwetters. Auf dem Rückweg von Malle kreiste das Flugzeug über Berlin und bekam keine Landeerlaubnis und bevor der Sprit alle war. sind die zurück nach Leipzig geflogen - dort sitzt sie jetzt seit 6 Stunden auf dem Rollfeld, kein Ende abzusehen. Man wisse nicht, wann aufgetankt wird. Die Klimanalage funktioniert, aber es gibt keine Getränke, weil am Boden keine Getränke verkauft werden dürfen. Nur eine Mitreisende mit Panikattacke hat einen Becher Wasser bekommen.
Ist das zu fassen? Verstößt das nicht gegen die Genfer Menschenrechtskonventionen? Sie brauchen ihren Kram ja nicht verkaufen. Verschenken wäre hier das Mittel der Wahl und zwar pronto oder spielen die Landshut nach? Ich hätte schon so einen Tobsuchtsanfall bekommen, dass die mich hätten aussteigen lassen, das walte Hugo!
P.S. Eben bekomme ich Nachricht. Der Flug ist gecancelt, sie warten jetzt auf einen Bus, der sie zum Terminal bringt und wie es dann weitergeht, weiß kein Schwein. Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, einen Bus nach Berlin zu chartern, denn die Autobahn ist wegen absaufens auch schon gesperrt.
Schließen wir sie also in unsere Nachtgebete ein.
Jetzt kommt mir nicht mit "Westseite ist noch schlimmer" - hatte ich, ist nicht schlimmer. Denn wenn der Tag schon beginnt, in dem du gekocht wirst, kommst du aus der Nummer nicht mehr raus.
Vorgestern hatte ich Home Office, abends stand ein Geburtstag im Garten an - mir graute davor, die Wohnung zu verlassen. Später am Tag wurde es dunkel, Wolken zogen auf, allein: kein Regentropfen nirgends. Ich sah Nachrichten im Fernsehen von Unwettern im ganzen Land und beneidete alle, die in Sturzbächen standen.
Gegen 19 Uhr fuhr ich los und als ich die Wohnung verließ, wusste ich, dass es ein großer Fehler war, sie nicht früher verlassen zu haben. Draußen war es nämlich kühler als drinnen und als ich bei der Geburstagsgesellschaft eintraf, wurde mir berichtet von dem Unwetter, das ein paar Stunden zuvor und keine 10 Kilometer von mir entfernt stattgefunden hatte.
Erzählt mehr davon, sagte ich. So ein Ärger, dass ich nicht dabei war. Erzählt noch mal von vorn. Es hat gehagelt? Wirklich? Das ist ja himmlisch! Und ihr durftet dabei sein.
Am darauffolgenden Tag wurde es 34 Grad. Mein einziger Trost ist das klimatisierte Büro. Sicherheitshalber treffe ich schon morgens um 8 Uhr ein und gehe nicht vor 19 Uhr - da bin ich safe und lagere kein Wasser ein.
Heute immer noch 34 Grad. Abends DoKo. Ich denke nicht ernsthaft daran, hinzufahren, sondern plane, im Büro zu übernachten. Es sagen auch einige ab und ich bin heilfroh und sage auch ab. Gegen 18 Uhr klingelt das Telefon und ich werde von drei Spielern aufgespürt, sie brauchen mich dringend, wo ich denn bliebe? Da ich eine gute Kameradin bin, mache ich mich auf den Weg und als ich ankomme, tröpfelt es vom Himmel und 10 Minuten später beginnt ein Unwetter und ich bin endlich live dabei.
Die Auftragsmörderin ist hingegen ein Opfer des Unwetters. Auf dem Rückweg von Malle kreiste das Flugzeug über Berlin und bekam keine Landeerlaubnis und bevor der Sprit alle war. sind die zurück nach Leipzig geflogen - dort sitzt sie jetzt seit 6 Stunden auf dem Rollfeld, kein Ende abzusehen. Man wisse nicht, wann aufgetankt wird. Die Klimanalage funktioniert, aber es gibt keine Getränke, weil am Boden keine Getränke verkauft werden dürfen. Nur eine Mitreisende mit Panikattacke hat einen Becher Wasser bekommen.
Ist das zu fassen? Verstößt das nicht gegen die Genfer Menschenrechtskonventionen? Sie brauchen ihren Kram ja nicht verkaufen. Verschenken wäre hier das Mittel der Wahl und zwar pronto oder spielen die Landshut nach? Ich hätte schon so einen Tobsuchtsanfall bekommen, dass die mich hätten aussteigen lassen, das walte Hugo!
P.S. Eben bekomme ich Nachricht. Der Flug ist gecancelt, sie warten jetzt auf einen Bus, der sie zum Terminal bringt und wie es dann weitergeht, weiß kein Schwein. Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, einen Bus nach Berlin zu chartern, denn die Autobahn ist wegen absaufens auch schon gesperrt.
Schließen wir sie also in unsere Nachtgebete ein.
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