Donnerstag, 24. Dezember 2015

It's so important to make someone happy

Heiligabend wird bei der Grauen Eminenz gefeiert, volles Haus, für das ein begnadeter Mensch sieben Gänge kocht. Leider beginnt das Essen erst gegen 21 Uhr und endet gegen 5 Uhr mit dem Dessert. 

Niemand hat die Absicht, um 5 Uhr ein Dessert zu essen. 

Zwischendurch verkleidet sich die Gastgeberin (mal erscheint sie in einem Krankenschwester-Outfit aus Plastik, mal als tiefdekolletierter Porno-Engel) und zelebriert die Geschenkeübergabe. Man könnte Eintritt für sie nehmen. 

Gescheitert ist sie nur mal an Harald Schmidt, den sie anbetet und als sie ihn eines Tages in einer Bar sah, sagte sie zur Eminenz "Da geh ich jetzt hin und sage ihm, was ich ihm schon immer sagen wollte." Die Eminenz lächelte wissend, "Wie du meinst." Sie kam zurück wie ein geprügelter Hund, denn Harald Schmidt hatte sie nur gelangweilt angesehen und "Ach ja?" gesagt, als sie ihn informierte, dass sie die einzige Frau ist, die... - aber das kann sie viel besser erzählen.

Tagsüber denke ich darüber nach, was ich anziehe. Das ist wichtig, denn ich treffe dort immer die kürzeste Liebe meines Lebens. Nichts mehr, was mich sonderlich anficht. Meine Gefühle haben sich zu bedauerndem Mitleid transformiert, was ich hoffentlich erfolgreich verberge. Er hat einen mit Vorsatz selbst herbeigeführten Weltklasse Absturz hingelegt - Paradedisziplin eines jeden großen Koksers.

Als ich mich in ihn verliebte, deutete er auf einen vorübergehenden Obdachlosen und meinte "Schau hin, meine Zukunft". Das war sehr hellsichtig von ihm, denn es deutete nichts auf existenzielle Probleme hin; im Gegenteil, er war der große Kaiser Maximus von Moskau Berlin Mitte. Ich ahnte nichts von Kokain, gleichwohl mich die Eminenz für seine Verhältnisse eindringlich vor ihm warnte, es "könne schwierig werden". 

Er richtete dann auch ein Massaker an meinem Herzen an, wovon er aber nichts wusste. Er hatte keinen Schimmer, wie sehr ich mich ihm verbunden fühlte (das erzählte ich ihm erst Jahre später, als Anekdote), vor allem seitdem er sagte, ich spiel dir mal was Tolles vor und ohne mit der Wimper zu zucken den bekannten Independent Künstler James Last auflegte. Als es soweit war, zog ich mich wortlos zurück, was ich noch heute für eins meiner Glanzstücke halte.

Unterdessen berät er mich bei der Balkonbepflanzung, denn er hat, was man auf den ersten Blick nicht vermutet, ein profundes Wissen über Gräser. Als ich mal mit ihm bei Pflanzen Kölle war, trafen wir zufällig Freunde von mir und ich erschrak, als ich ihn mit ihren Augen sah: objektiv gesehen mussten sie denken, dass ich mich mit einem versoffenen Brandenburger Nazi herumtreibe. Koks kann er sich nicht mehr leisten und so versteckt er sich vor der Welt und gibt nur noch sporadisch den großen Zampano.

Anyway, was ziehe ich heute an? 

Allen anderen: Make someone happy


Kommentare:

  1. Jetzt komme ich mir mit meinem Raclette-Abend ziemlich armselig vor ...

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    1. Oh nein, wer will denn bis 5 Uhr morgens essen?

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    2. Ich muss ja, weil du mich nicht zu deinem Raclette-Abend eingeladen hast ;)

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    3. Ich war bei einer Sekretärin eingeladen, am Tisch saßen eine weitere Sekretärin und eine ehemalige Sekretärin, die jetzt in Rente ist - willst du dir das wirklich antun? Aber der Spätburgunder aus Klein-Winternheim war wirklich ausgezeichnet ...

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    4. Würde sagen, du warst in bester Gesellschaft...

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  2. Eine traurige Weihnachtsgeschichte erzählst Du da, liebe Annika.
    Ich hoffe das Dessert hat das Warten gelohnt und der Abend war ganz zauberhaft und somit perfekt passend zu Dir und Deinem Outfit.

    @Matthias - Sekretärinnen sind die Stützen der Gesellschaft. Ohne sie läuft gar nichts. Bin zufällig mit ein paar von dieser gattung eng befreundet. Interessantere Geschichten, als die, die sie erzählen hab ich selten gehört.

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    1. Das geht mir runter wie Öl :-)

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    7. Werter Matthias, da dich deine Gastgeberin vermutlich nie wieder einladen wird, wenn sie ahnen würde, was du preisgegeben hast, lösche ich deine Kommentare sicherheitshalber wieder. Es hätte evtl. unangenehme Folgen für sie; ich nehme an, ihre Chefin versteht da auch keinen Spaß.

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  3. Kein Problem :o)

    Unsere Plauderei muss man ja nicht für die Ewigkeit konservieren.

    Aber diesen Gossip kennt hier auf dem Dorf jeder ;o)))

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