Freitag, 4. Dezember 2015

Schwache Chefs - Geißel der Menschheit

Wenn ich schlau wäre, also richtig schlau, dann würde ich jetzt ins Bett gehen und in den Schlaf der Gerechten fallen oder zumindest "ruhen", falls ich nicht schlafen kann, was anzunehmen ist, denn ich platze vor Wut, seit Stunden schon und selbst manisches kochen und backen hat mir nicht geholfen, meine Balance wiederzuerlangen - außer einer komplett eingesauten Küche ist nichts passiert, was mich auch nur in die Nähe von Seelenfrieden gebracht hätte.

Jedes Jahr nehme ich mir vor, kalt an mir ablaufen zu lassen, was Cheffe im Beurteilungsgespräch zu meiner Person zu sagen hat. Jedes Mal möchte ich eine Packung Beta-Blocker fressen, um Gleichmut zu verströmen. Jedes Mal möchte ich nach längstens 10 Minuten einen Baseballschläger in seiner Hackfresse zertrümmern schreiend rauslaufen und nie wieder zurück kommen. 

Seit letztem Jahr versucht er mir einzureden, dass es schlecht ist, dass "du so gut organisiert bist, weil dich das unflexibel macht" - kann mir einer diese Scheiße mal übersetzen? Dieses Jahr ist es sogar noch schlechter, einfach schlimm, meine Ablaufpläne - "da könnte mal ein bißchen Phantasie rein". 

Nun unterliegen Veranstaltungen sehr strengen Abläufen - man nennt mir ein Datum und dann summe ich los wie ein Bienchen, spule ab, was nötig ist, aber schockschwere Not: "Du könntest doch mal alles auf buntem Papier ausdrucken oder statt einer Tabelle in Word eine in Excel machen." Was freilich ausgedruckt keinen Unterschied macht, aber ja, natürlich könnte ich den Ablaufplan auch tanzen oder in kisuaheli schreiben, wenn es denn irgendwas am Plan ändern würde.

Es ist auch nicht gut, dass ich immer frühzeitig alles in Sack und Tüten habe, weil - und jetzt kommt's - "das die Fehlerquote erhöht". In meiner Welt erhöht es die Fehlerquote, wenn ich unter Hochdruck auf den letzten Drücker arbeite. 

Aber am allerschlimmsten ist, dass ich einfach nicht kapiere, dass mir die Zukunft "ganz neue Chancen" bringt. Weshalb ich nur so "starr" daran festhalten würde, die Veranstaltungen unter meiner Ägide zu behalten? Ich könnte doch mal was ganz Neues machen. Oder "dich einfach darauf konzentrieren, meine Assistenz zu sein". Ich bin einfach zu engstirnig, das muss er - klar - in seine Benotung einfließen lassen.

Ich habe noch längst nicht in aller Konsequenz zuende gedacht, für wie blöde er mich hält. Der "Zukunft" hat er nichts weiter entgegen zu setzen, als möglichst zu verhindern, dass die Visibility, die damit einhergeht, weiterhin mit meiner Person verknüpft wird; vor allem dann nicht, wenn sie ihn in irgendein Kellerloch gesteckt haben werden und sich kein Lichtstrahl mehr zu ihm verirrt. Und ich begrüße oben irgendeinen Landesfürsten, mit einem anderen Chef an meiner Seite, soweit kommt's noch.

Und deshalb muss er mir einreden, dass das ganz großer Mist ist, dass bei mir alles wie am Schnürchen klappt. Es ist ü-ber-haupt nicht gut. In meiner Paradedisziplin, der Orga, hat er mir deshalb auch eine unterdurchschnittliche Benotung gegeben, weil... ja weil... (da musste er lange nachdenken)... weil das "ewig gute Gelingen dich blind macht". Für was? "Dass du Dinge auch mal anders regeln könntest." Wie anders? "Na einfach mal ganz anders." 

Gute Idee, das nächste Mal versuche ich es ohne Einladungsversand, dann holen wir uns die Leute einfach von der Straße. Oder ich bestelle nichts zu essen, die Leute werden sowieso zu fett. Raumbuchung - total überschätzt. Irgendein Eckchen wird sich schon finden. VIP-Listen? So'n Quatsch. Oberboss kann auch mal neben Hans und Franz sitzen. Und wer braucht schon Mikrofone? Und Garderobendamen? Die Presse muss weiß Gott auch nicht immer dabei sein. Ich hab ja soviel Möglichkeiten.

Aber wenn ich ab jetzt abwechselnd grünes oder gelbes Papier für Handouts nehme, das ändert alles; dann bin ich TMFMOU (The Most Flexible Master of Universe).

Kommentare:

  1. Das ist ja absolut lächerlich. Da ich eher Prokrastination zuneige, bin ich eher spät dran. Aber ein langjähriger Kollege hat letztens zu mir gesagt: Ich würde schon lange nervös werden, aber Dir weiß ich, dass wirklich alles rechtzeitig fertig ist und auch klappt.

    Mach Dir wirklich nichts daraus, wenn Du und die Veranstaltungsteilnehmer mit Deiner Arbeit zufrieden sind. Kopf HOCH

    Ich bewundere Leute, die alles sofort und gut organisiert angehen!

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    1. Leider entscheiden die Teilnehmer nicht über meinen Bonus :-(

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  2. Der Mann kann einfach nicht ertragen, dass er hirnlos ist und du dein Hirn benutzt!
    Würdest du diese lächerlichen Vorschläge umsetzen, wäre er doch wohl der Erste, der sich wie ein Bluthund auf dich stürzen und vernichtende Worte finden würde....Ich bin eigentlich sprachlos...
    Hedi

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    1. Ich hatte einen zweitägigen Wutanfall. Der Mann ist perfide.

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  3. Boah, da geht mir der Hut hoch!!
    Das kann man doch nicht machen!!
    Du reisst dir den Arsch auf und rettest seinen gleich mit, und dann so eine abgefuckte Beurteilung !
    Mädel, such dir was anderes oder du bekommst dort noch einen Herzinfarkt.
    Du hast doch Beziehungen, VitaminB ..
    Oder besteht die Hoffnung, das er wirklich weggeht?
    Du brauchst einen Boxsack mit seinem Konterfei und keine Backorgie

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    1. Ich habe heute einen Artikel gelesen, dass auf langandauernde Kränkung gleich die Depression auf dem Fuß folgt.
      Den Boxsack wünsche ich mir zu Weihnachten :-)
      Oder ich geh mal wieder in den Wald, das Ja-Nein-Spiel spielen. Geht ganz einfach: einer schreit Ja, der andere Nein - man fängt ganz verschämt und leise an und am Ende brüllt man sich die Lunge aus dem Hals und geht geheilt nach Hause. Kommt jemand mit?

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  4. Man möchte schreien angesichts soviel Dummheit!
    Hoffentlich wird er recht bald "weggelobt" und das war das letzte Gespräch, nach dem du wie Wolf Larsen eine rohe Kartoffel mit bloßer Hand zerquetscht hast.

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  5. So einen Chef hatte ich auch. Mir ist schlussendlich der Kragen geplatzt, hab auf der Stelle gekuendigt und meinen Resturlaub sofort genommen. 1 Jahr spaeter gab es ihn und die Abteilung nicht mehr. Tat meinem geschundenen Ego sehr gut! 😉

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    1. Ich beneide dich um deine Konsequenz. Muss ein toller Moment gewesen sein. Hab ich auch mal gemacht, mit einem neuen Job in der Tasche ein letztes Mal eine Gehaltserhöhung gefordert, sie nicht bekommen und dann gesagt: Ich kündige. Da muss ich bis ans Ende meines Lebens von zehren, bin unterdessen in einem schwer vermittelbaren Alter.

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  6. Meine bessere Hälfte hat auch so einen Scheffe. Sie spielt neuerdings ein Feld Lotto in der Woche: "Wenn ich gewinne hat er den Betriebsrat of hell!" Auch eine Lösung.

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    1. Das ist auch mein Traum! Solidarische Grüße an die bessere Hälfte.

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