Freitag, 17. Juni 2016

Ladybird

Der Kiezschreiber hat dafür gesorgt, dass ich mich an etwas erinnert habe. 

Eine Freundin von mir hatte Vögel, vier Stück, die mir meistens auf die Nerven gingen, weil sie jede Menge Rabatz machten und mir immer um den Kopf flogen, im Tiefflug, sie kannten sich gut aus in der Wohnung. Bis auf die Tieffliegerei nahmen sie von mir keine Notiz, wir hatten keine Lust, uns näher zu kommen. Wir nahmen uns billigend in Kauf.

Ich hatte einen Schlüssel zu ihrer Wohnung und eines Tages rief ich sie tagsüber in ihrem Büro an, ob ich mich mal in ihre Wohnung verkrümeln könnte, zuhause bei mir vollzog sich ein mittelschweres Drama, dem ich mich durch Flucht entziehen wollte. Ein Café hätte nicht gereicht, ich brauchte dringend eine Pause, eine vollständig weltabgewandte Pause.

Als ich bei ihr eintraf, legte ich mich auf ihr Sofa, erschöpft von meinem spektakulären Liebesleben, mit klopfenden Herzen und Schnappatmung. Ich legte mich ganz lang auf den Rücken, Hände über den Bauch gefaltet und schloss die Augen. 

Da flatterte einer der Vögel (ihr Lieblingsvogel, ein hornalter Wellensittich von 13 Jahren, den ich praktisch von Geburt an kannte) plötzlich auf mich zu und setzte sich auf meine Hände, beziehungsweise auf einen meiner Finger, blieb ganz still sitzen und sah mich aufmerksam an, minutenlang, der kleine Reiki-Meister

Die Wärme seiner kleinen Krallen rührte mich ebenso wie die Tatsache, dass dieser winzige Vogel wusste, was Sache ist. Ich brauchte Trost und ich bekam ihn.

Aber das war eine einmalige Ausnahme. Beim nächsten Besuch tat er so, als hätte er mich noch nie gesehen.

Kommentare:

  1. Vielleicht gibt es noch mehr Geschichten dieser Art?

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  2. Ladybird - ein schönes Wort.
    Ist übersetzt allerdings kein Vogel, sondern ein Marienkäfer... ^^

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    1. Wie hübsch, das wusste ich nicht. Sollte eine Reminiszenz an den kiezschreiber sein, der seinen Post Ladycat nannte.

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  3. Den Post vom Kiezschreiber hab' ich ja auch goutiert. ;-)
    Ich musste bei dem Wort nur unwillkürlich an Nancy's Ladybird denken, was übrigens von der Stimmung her unheimlich gut passt:
    https://www.youtube.com/watch?v=in8nMLbqmFI

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    1. Ich musste dabei eher an Lady Bird Johnson denken, Gattin von Lyndon B. Johnson, von der ich seit heute weiß, dass sie ihren Baby Kosenamen ganz offiziell trug. :)
      Man stelle sich vor, Angela würde sich mit Schnatterinchen Merkel ansprechen lassen.

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    2. Ach, was fuer ein ruehrender Post. Ich bin ja der Meinung, dass unsere Haustiere die Menschheit bisher vor der totalen Selbstzerstoerung bewahrt hat. Wir wuerden entweder noch mehr Kriege fuehren oder noch mehr Selbstmorde verzeichnen koennen. Stimmts oder habe ich recht?

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    3. Ich fürchte, die Theorie hinkt. Hitler liebte deinen Schäferhund auch. Hat es was geholfen? Nicht die Bohne...

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    4. Ich kaufe ein S.
      Seinen Schäferhund

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