Donnerstag, 4. August 2016

Die vergessliche Generation


Als ich so durch die Stadt fuhr und überlegte, wie ich doch eines Tages ganz viel Geld haben werde, fiel mir ein, dass ich vor Monaten ein Sparbuch eingerichtet habe. Total vergessen. Plötzlich war ich reich, das spürte ich. Zuhause suchte ich nach diesem Ding. Aber heutzutage bekommt man ja keine Sparbücher mehr, sondern läppische Kontoauszüge, die bei mir in einer Schublade landen und nur alle drei Jahre sortiert und eingeheftet werden. Ich suchte mich blöd nach diesem Auszug. Nix zu machen. Ich fuhr zur Bank. Dort sagte man mir immerhin, wieviel auf dem Konto ist, aber ohne den Auszug leider kein drankommen. @ Universum: unter einer Koinzidenz stelle ich mir was anderes vor.

Genauso erging es dem I-Tunes Gutschein, den ich vor drei Jahren meinem Patenkind schenken wollte. Ich habe ihn - vermute ich jedenfalls - an einem sicheren Ort geparkt, wo er ruckzuck wiederzufinden sein wird. Nicht. Am Tag des 13. Geburtstages stellte ich meine Wohnung auf den Kopf. Nichts zu machen. Ich musste einen neuen kaufen. Nicht mal dann fand ich ihn wieder, wie es doch sonst schöne Tradition ist.

So wie vor einiger Zeit, als ich aus der Tür ging, ohne einen Schlüssel mizunehmen. Mein Nachbar half mir, die Tür aufzubrechen und baute mir freundlicherweise das Ersatzschloss ein, das ich klugerweise im Haus hatte. Nachdem alles eingebaut war, fand ich den Schlüssel wieder, in meiner Jackentasche, und zwar in der Jacke, die ich die ganze Zeit trug. Das habe ich ihm aber verschwiegen, sonst wäre es das erste und letzte Mal gewesen, dass er mir beim einbrechen in meine eigene Wohnung behilflich ist.

Ich horte auch potentielle Weihnachtsgeschenke, über das Jahr liebevoll erworben, um im Dezember nicht gestresst durch das Geblinke und Geschalle rennen zu müssen. Darauf bin ich verständlicherweise sehr stolz. Nur habe ich im Dezember längst vergessen, dass ich schon alles besorgt habe. Im Februar finde ich dann den Krempel und schüttel bedauernd den Kopf. In diesem Jahr ist mal wieder eingeläutet worden, dass wir uns nichts schenken. Ha ha. Nur den Kindern. Aber sind wir nicht alle Kinder, genau genommen? 

Ich hatte lange Zeit im Flur einen kleinen hübschen Tisch stehen, auf dem ein Behältnis für Schlüssel aller Art stand. Gestern fiel mir auf, dass er dort nicht mehr steht. Ich überlegte, wo er sein könnte. Geklaut? Wer klaut kleine Tische aus meiner Wohnung? Das gibt's doch gar nicht. Das kann nicht sein. Das Ding war weg. Mich überkam leichte Panik. Es kann doch nicht sein, dass ein Tisch verschwindet, ein Geschenk eines Freundes, der ihn widerum selbst geschenkt bekam, so ein 7€ Ikea Tisch, von einer 'lieben Patientin' mit Serviettentechnik beklebt in ansprechenden Grüntönen, ein Unikat, was wohl der Hauptgrund für seine freundliche Gabe gewesen sein dürfte, dabei ist er wirklich sehr hübsch. Ich rannte durch die Wohnung und fahndete nach dem grünen Dingelchen. Im Schlafzimmer wurde ich fündig. Seit Monaten steht da meine kleine Schlafzimmer-Glotze drauf. Ich atmete erleichtert aus und verdrängte meine Besorgnis über meinen Geisteszustand. Solange ich noch merke, dass ich ulkig werde, ist es noch nicht so schlimm.

Wenn ich nach dem Urlaub ins Büro komme, erinnere ich weder mein Passwort, noch den Ort, an dem ich den Schlüssel für den Geheimschrank deponiert habe. Und ich habe auch vergessen, dass ich diesbezüglich einen Post it mit verklausulierten Hinweisen am Bildschirm hinterlassen habe. Nach zwanzig Minuten hektischer Sucherei und dem verzweifelten Versuch, mich zu erinnern, bin ich schon wieder urlaubsreif. Dann mach ich immer schnell den Alzheimertest und prüfe, ob ich noch in der Lage bin, ein Ziffernblatt zu malen. Gleich danach bringe ich mich bei meinen Kollegen ins Gespräch, indem ich sie verdächtige, meinen Tacker geklaut zu haben. Der natürlich genau dort steht, wo er immer steht, nur konnte ich das so schnell nicht erkennen. 

Es gibt auch zwei Worte, die ich mir partout nicht merken kann. Das eine ist "Holunderbeersirup", das andere... warte, gleich fällt es mir ein...ach ja...nee, schon wieder weg...ko...ko...verdammt....ko...Minuten vergehen.... "Konsolidierung". Immer wenn ich die zwei Worte brauche, sind sie nicht da. 

Neulich war ich sicher, dass ich auf dem Reiterhof beklaut wurde, mein Portemonnaie war weg. Und das Handy auch. Ich wollte schon das SEK anrufen. Aber nein, ich hatte beides im Handschuhfach gelassen, damit es mir eben nicht geklaut wird, vorausschauend wie ich nun mal bin. Nach nur einer Stunde schon hatte ich das nicht mehr auf dem Schirm.

Meine Nerven Hormone!

Kommentare:

  1. Oje, und ich dachte schon, ICH wäre schusselig! Aber erzähl ruhig mehr davon, das heitert auf!
    LG !
    Anja

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    1. Dabei habe ich vergessen zu erzählen, dass, wenn ich jmd. anrufen will, in der Sekunde, in der ich den Höhrer in die Hand nehme, schon nicht mehr weiß, wen ich anrufen wollte. Und falls ich mich daran erinnere, weiß ich spätestens nicht mehr, was ich von der Person wollte, sobald sie meinen Anruf entgegennimmt.

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    2. Und ich habe vergessen, ob man Hörer mit H schreibt oder ohne H.

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    3. Ich lach mich schlapp!!!

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  2. Holunderbeersirup? Wie oft im Jahr benötigt man Holunderbeersirup? Ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten Jahren mal Holunderbeersirup in Form oder als Wort benötigt zu haben.

    Himmel, jetzt bin ich auch so weit! *kreisch*

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    1. Ich brauch das Wort ständig, weil ich mir das Zeug in alkoholfreies Bier schütte oder schütten lasse.
      Konsolidierung brauche ich eigentlich nie, es könnte mir im Grunde gleich sein, ob es mir einfällt oder nicht. Ist es aber nicht.

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    2. Klingt köstlich, das Bier mit dem Dings.
      Die Sache mit dem Tisch hätte genau so auch mir passieren können.
      Wir werden wunderliche Weiber werden.
      (Hab sehr gelacht, danke!)

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    3. Oh, meine Liebe, ich fürchte, das sind wir schon ;)

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    4. Macht nix, solange wir gemeinsam vergreisen.

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    5. Ein tröstlicher Plan :-)

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