Naja, ich hab dann mal recherchiert. Ich will ja immer noch so gerne Arme wie Michelle Obama kriegen. Gibt es hier doch tatsächlich ein Bad, das früher Hitlers Leibstandarte als Bootcamp für Seepferdchen und Fahrtenschwimmer gedient hat. Du meine Güte! Und es ist "behutsam" saniert worden, was nix anderes heißt, als das alles, was für Nazibauten typisch ist, genau so gelassen wurde, einschließlich der an die Wand gedengelter nackter Menschen in Übergröße.
Ich muss das Bad dennoch loben, denn ist man erst mal drin, kann man sich nur freuen. Es ist nämlich sehr groß, 50x25 und 15 m hoch und da dauert es schon, bis einem mal ein anderer Schwimmer begegnet. Jedenfalls in meinem Fall, die ja eher Stand-Schwimmen kultiviert, bzw. in Ermangelung eines Schwimmstils einfach nicht voran kommt, also nur in Zeitlupe, ich also
Hinzu kommt: in der Schwimmhalle hat's frische Luft. Keine saunös dicke Luft, eher eine gewisse Kühle, die sich fortsetzt, wenn man ins schattige Wasser steigt. Dauert ein bissel, bis einem warm wird, vor allem, wenn man drei Minuten für eine Bahn braucht.
Es gibt nix, was das Auge ablenkt. Keine Rutsche, kein Sprungturnm, keine Liegen - hier soll niemand Spaß haben; einfach nur schwimmen und Fresse halten.
Aber ich hieße ja nicht Annika, wenn mir nicht mindestens zwei Honks begegnet wären. Ein sehr merkwürdiges Männerpaar, erkennbar nicht schwul, dennoch nicht einzuordnen. Ein alter (ca. 70) und ein jüngerer (ca. 45) Mann steigen gemeinsam ins Wasser, bleiben immerzu am Rand stehen, machen Gymnastikübungen und erzählen sich was.
Ich glaube, der alte Mann muss unfreiwillig den Wingman für den Jüngeren geben, der nach kurzer Zeit im Wasser genießerisch sagt "Ich weiß schon, was wir die nächsten zwei Jahre am Wochenende machen: wir werden richtige Wasserratten." Der Ältere schweigt skeptisch und schaut mich irgendwie hilfesuchend an, vielleicht liegt hier ein Kapitalverbrechen vor: der alte Mann ist im Keller des Jüngeren eingesperrt und darf nur manchmal an die frische Luft. Aufgrund des Stockholm-Syndroms traut er sich nicht zu fliehen.
Als ich das nächste Mal vorbeischwebe, sagt der Jüngere "Nächsten Sonntag können wir doch auch bei Aqua Fitness mitmachen, guck mal da drüben, da sind auch Männer bei. Nicht so wie in Schöneberg, wo nur übergewichtige, alte Weiber mitmachen."
Wenn ich bei was wirklich die Hasskappe aufsetze, dann, wenn hässliche mittelalte Loser mit Schmerbauch und in Ermangelung eines altersgemäßen Freundeskreis mit einem Tattergreis als Wingman schwimmen gehen müssen, sich darüber beschweren, dass sie mit dem Anblick (ihrer Meinung nach) nicht genügend attraktiver Frauen konfrontiert werden.
Ach, das war jetzt auch nicht PC: nix gegen Tattergreise, es gibt haufenweise Tolle davon, ganz bestimmt.
Jedenfalls schwomm ich 40 Minuten, immerhin, ein Anfang und dann ging ich duschen, bzw. hätte ich gerne geduscht. Hier mein einziger Kritikpunkt: die Duschen lassen sich nicht regulieren und sind auf kochendheiß eingestellt. Ansonsten: tippe toppe, der Laden.
Ich habe auch gleich einen psychologischen Anfängertrick gemacht, damit ich da bloß wieder hingehe: Badeanzug in der Dusche vergessen.






