Montag, 12. Oktober 2015

Die glücklichste Frau der Welt

Ich komme in die Arztpraxis, meine beste Freundin an der Hand. Da sie mich gut kennt und ein Menschenfreund ist, hat sie angeboten, mich zu begleiten. Kein Wunder, dass sie so beliebt ist. 

Zunächst auf die Liege zum normalen EKG. Als ich angestöpselt werde, fängt das Gerät an zu piepen wie verrückt, wegen Ruhepuls 120. Kein Wunder, denn mir gehen verschiedene Dinge durch den Kopf. Immerhin werde ich gleich erfahren, dass ich schon mehrere versteckte Herzinfarkte hatte, das lässt sich nun nicht länger verbergen, und wer bliebe dabei ruhig?

Die Arzthelferin nimmt das Ergebnis und meint, sie muss erst mal den Arzt fragen, ob ich überhaupt ein Belastungs-EKG machen darf. Wohl kaum, bei all den Herzklappenfehlern und Infarkten, die ich tapfer mit mir allein ausgemacht habe.

Wir warten, meine Freundin lenkt mich ab mit illustren Familiengeschichten, aber ich kann ihr kaum zuhören. Ich warte auf den Arzt, der sicher jede Sekunde hereinstürmt und schon den Helikopter bestellt hat, damit ich schnell ins Herzzentrum geflogen werde. 

Die Arzthelferin kommt zurück und mir entgeht ihr bedenklicher Blick nicht. Ich darf auf's Rad. Aha. Der Arzt will also jede Sekunde nutzen bis der Hubschrauber kommt. Dann haben es die Sanitäter auch leichter und wissen gleich, dass es ernst ist. Umfassende Ergebnisse, mehr Behandlungsalternativen.

Ich steige auf das Rad, werde wieder angestöpselt, es piept wie irre und ich denke, wie kireg ich nur meinen Puls runter? Nun ist Radfahren im Grunde meine Passion, es strengt mich nicht sonderlich an, obwohl es alle zwei Minuten schwerer wird und mir immerzu der Blutdruck dabei gemessen wird. Das Piepen wird immer bedrohlicher und obwohl ich das strampeln locker schaffe, überrollt mich Angst, weil das Gepiepse doch nur bedeuten kann, dass ich schon wieder einen Herzinfarkt habe, jetzt, in diesem Moment, wo bleibt denn nur dieser Scheiß-Hubschrauber? 

"Ichgannichmehr" - "Wieso, sind Ihnen die Beine schwer?" Die Beine schwer, die Beine schwer, natürlich sind sie nicht schwer, ich habe Hammer Muskeln in den Beinen, die sind nie schwer, ich hab die Beine einer Zwanzigjährigen, nur dieses Gepiepse erfüllt den Raum, es dröhnt in meinen Kopf, hört das denn niemand, kapiert sie nicht, dass ich an der Schwelle zum Tod stehe? 

"Bekommen Sie keine Luft mehr? Haben Sie ein Engegefühl in der Brust?" Hä? Was redet die denn nur? Meine Freundin schaltet sich ein "Sie hat nur Panik, sonst gar nichts." Sie schaut dabei aufs Handy, erkennt den Ernst der Lage nicht. 

Ich muss noch ein paar Minuten weiter strampeln ohne Widerstand und die Arzthelferin misst mir weiterhin den Blutdruck. Nach vier Minuten murmelt sie "130 zu 80" - das gibt mir Hoffnung, denn nach allem was ich weiß , ist es ein gutes Zeichen, wenn der Blutdruck sich nach kurzer Zeit wieder normalisiert. 

Ich darf mich wieder anziehen und nun warten wir auf den Arzt. Als er uns reinruft, schlägt mir das Herz wieder bis zum Hals, denn nun muss ich der Wahrheit ins Auge blicken, die Blutergebnisse stehen ja auch noch aus. Ich schau ihn ängstlich an.

"Dein Herz läuft tiptop, nix auszusetzen. Aber da war noch Luft nach oben, ich hätte deinen Puls gerne noch ein bisschen hochgejagt. Warum biste denn früher abgestiegen" Ja, warum sagt mir das denn keiner vorher, dass das der eigentliche Sinn ist? Dass der nach oben soll? Dass das gar nichts Schlimmes ist, sondern erwünscht, während ich arme Socke bereits ein weißes Licht sehe. Der war nie höher als 135, wie ich jetzt erfahre; für das Gestrampel ein geradezu exquisiter Wert. 

Gut, aber bei den Blutwerten, da muss doch jetzt was rauskommen, wahrscheinlich Leukämie, Zufallsbefund, man kennt das ja. "Blutbild perfekt, sagenhaft gute Nierenwerte, Nüchternzucker 90, nur Cholesterin, der ist zu hoch." Er hört mir noch die Halschlagader ab "Du hast ein echt starkes Herz." Ich muss heute noch mein Zimmer im Rosenhof abbestellen.

Aber ich gebe noch nicht auf. Wenn ich schon mal hier bin, erzähle ich von meinen geheimen Leiden. Dr. House sagt immer, jeder Patient lügt, aber ich nicht, ich lasse meinen Arzt nicht im unklaren und biete ihm eine letzte Chance, eine Notfallbehandlung einzuleiten. "In letzer Zeit ist mir morgens schwindlig, wenn ich mich auf die linke Seite drehe und dann kann ich den ganzen Tag nicht nach links oben gucken, dann wird mir wieder schwindelig." - "Dann guck halt nach rechts unten." Meine Freundin und er lachen herzlich über seinen Witz. Ich berichte weiter. "Und manchmal, da stolpert mein Herz. Da macht es hier so plupp." - "Meine Liebe, lass es beruhigt pluppen." - "Wirklich?" - "Unbedingt."

Ich seh ihn ungläubig an. "Ich muss nicht sterben?" - "Heute nicht."

Verlasse mit meiner Freundin die Praxis und will ein paar Atome spalten oder die Weltformel lösen, mir würde alles gelingen heute. Sie will ins Starbucks. Kein Problem, ich helfe, wo ich kann.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Those were the days my friend

Den ganzen Freitag hieperte ich auf den Abend hin. Das erste Mal konnte ich meine beste Freundin nicht in Tegel abholen, die zweimal im Jahr aus den USA nach Berlin kommt, um Freundschaften zu pflegen. Jedes Mal hole ich sie ab und wir fallen uns in die Arme und lassen uns eine ganze Weile nicht mehr los. 

Diesmal Treffen in einer Kneipe. Ich komme rein und da sitzt direkt am Eingang eine frühere Kollegin, die ich bestimmt 13, 14 Jahre nicht mehr gesehen habe. Ihr Lebensgefährte, ebenfalls im selben Laden tätig, saß neben ihr, gezeichnet vom Leben und vom Krebs. Sie kroschen beide los, als sie mich sahen und ich guckte perplex. Sie umhalste mich schneller als die Polizei erlaubt, klarer Fall von Vergangenheitsidealisierung.

Genauer gesagt war sie mal meine Chefin und zwar eine von der schlimmen Sorte. Wir nannten sie SS-Sabine. Der ganze Laden fürchtete sich vor ihr. Ich war eine ganze Weile ihr Augenstern, aber als sie mich einfach nicht dazu kriegen konnte, mich an den täglichen Besäufnissen zu beteiligen (damals wurde ganztägig gequalmt und gesoffen, das musste so), konnte sie mich nicht länger akzeptieren, weil jeder Alki eifrige Mittrinker braucht, damit die eigene Sauferei nicht allzusehr in den Fokus gerät. 

Ich wurde endgültig zur Persona non grata, als eine andere junge Kollegin, die ihren Animierversuchen nichts entgegen zu setzen hatte und über die Jahre zur Vollblutalkoholikerin heranwuchs, einen Krampfanfall im Büro bekam. Ich begleitete sie ins Krankenhaus und kam am nächsten Tag mit der Nachricht zurück, dass das ein Delirium Tremens war und sie einen Entzug machen muss. Das empörte SS-Sabine, so ein hanebüchener Quatsch könne auch nur mir einfallen und es solle mal niemand den Blödsinn glauben, den ich zum Besten gebe. Fortan wurde ich mit totaler Missachtung gestraft. Das nannte man damals noch nicht Mobbing, aber sie hat's definitiv erfunden.

Ein paar Jahre später hatte ihr Lebensgefährte eine Affaire mit einer sehr viel jüngeren Mitarbeiterin. Bei jeder Begegnung schupste und rempelte SS-Sabine die "Schlampe" an und als diese sich beim Betriebsrat beschwerte, sprach der Vorsitzende die weisen Worte "Du fickst ihren Mann, sei froh, dass sie nur rempelt." 

SS-Sabine ließ nichts aus, um den Abspenstigen zur Raison zu bringen, rannte zum Chef, auf dass er die Affaire "unterbinde", und bot ihm an, all seine beruflichen Verfehlungen zu offenbaren. Als Ehrenmann lehnte er dankend ab, woraufhin sie auch ihn zur Unperson deklarierte, niemand durfte mit ihm reden, wenn sie dabei war. Sie machte nur noch so abfällig wie möglich "Pffh", wenn er in ihre Nähe kam. Wir vermuteten gemeinsame Leichen im Keller, weil er sich das bieten ließ. Aber wahrscheinlich war es viel einfacher: es braucht nur einen, der sich über alle Grenzen hinwegsetzt, in aller Öffentlichkeit beleidigt und schon zucken alle zusammen und sind froh, wenn es einen anderen erwischt.

Nach ein paar stürmischen Monaten kehrte der Ungetreue zurück zu SS-Sabine, was keiner verstehen konnte und heiratete sie, um Abbitte zu leisten. Und jetzt saßen die zwei vor mir,  alt geworden, aber immer noch mit denselben Frisuren und freuten sich so scheckig, mich zu sehen, dass mir klar war, dass sie offenbar auch den letzten Freund in die Flucht geschlagen hatten.

Meine beste Freundin kam zur Tür rein (auch sie war in dem Laden tätig, halb Berlin war in dem Laden tätig). Ich legte nebenbei den Arm um sie und meinte, schau mal, wer hier sitzt. Wieder "Neeeiiiin, ich glaub's nicht" und Umhalsung. Komisch, da gehen ein paar Jahre ins Land, dann sieht man eine Quartalsirre wieder und dann tut die, als sei man gemeinsam über Blumenwiesen getanzt.

Später meinte die Beste, es sei ja immer so, als hätten wir uns das letzte Mal vorgestern gesehen, aber diesmal, als seien gerade 10 Minuten vergangen, so nebensächlich wie wir uns begrüßt haben. Kein Wunder bei dem Spektakel. 

Wir erinnerten uns an die andere Bekloppte im Laden. Nach Maueröffnung heuerte sie bei uns an und wurde die Chefsekretärin. Sie drückte sich hauptsächlich am Kopierer herum und raunte jedem Kollegen zu "Und, irgendwelche Probleme zuhause?". Sie konnte halt nicht so schnell umdenken. Wir nannten sie "IM-Kopierer". Die Implementierung einer Mini-Stasi-Zelle am Ernst-Reuter-Platz scheiterte letztlich an der stets belustigten und größtenteils besoffenen Belegschaft. Pfffh.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Keiner schreibt so schön wie er.

Ein kurzer Hinweis auf den weltschönsten Text von Glumm.
Also den von heute. Morgen oder übermorgen haut er den Nächsten raus.

Edit: Es gibt ja noch den anderen Guten 
Amen.  

Läuft bei mir. Nicht.

Obwohl ich immer rumquake, wenn der Sommer Feierabend macht und mich zurück lässt mit meinem Bedürfnis nach Helligkeit bis 23 Uhr, weil Dunkelheit so autistisch macht und man nur noch so weit gucken kann, wie die Scheinwerfer des Autos es zulassen, oder wenn man zu Fuß unterwegs ist, gerade mal 20 Meter, bis die Augen schon wieder auf undurchdringliche Düsternis prallen - also, obwohl ich sonst immer hadere, habe ich diesmal ein Gefühl von wohligem Schutz.

Das mag daran liegen, dass mein kleines Bullerbü in Schutt und Asche liegt. Sagen wir mal so, wir hier auf dem Hof durchleben eine veritable Krise. Der Hof besteht aus einem Konglomerat von Freunden und Freundinnen und einem Kind, das aussieht wie Schneewittchen. Wir wohnen natürlich nicht auf einem Hof, aber sehr nah beieinander. Wir können uns gegenseitig in den Vorgarten spucken. 

In diesem Sommer herrschte Schwanengesang. Es ist erstaunlich, wie unvermittelt Freundschaften auf dem Prüfstand stehen können. Ganz schnell geht das. Es braucht nur eine Person, die Krieg will und schon bekommt sie ihn, auch wenn sie ihn eigentlich mit sich selbst führt und alle das wissen. Jahrzehntealte Gefüge brechen in nullkommanix auseinander. Allianzen untereinander und mit Externen werden geschmiedet, um vorzubauen, falls die Homebase krachen geht. Man erkennt Engstirnigkeit am anderen und wenn man ehrlich ist, auch an sich selbst.

Es wird ja unheimlich viel geredet in so einer Situation. Die Externen üben sich in Neutralität so gut es geht und schauen verstört auf den Trümmerhaufen, der früher Bullerbü hieß und um den wir heiß beneidet wurden. Und jeder, wirklich jeder, sieht sich im Recht. Auch die Person, die den Krieg führt. Aussprachen, ohne Ende Aussprachen, in denen dann doch die wichtigsten Wahrheiten nicht gesagt werden. Beschwichtigungen, Verniedlichungen, um des lieben Friedens Willen, der so aber gar nicht entstehen kann, höchstens instabiler Burgfrieden. 

So ziehen wir uns zurück in unsere Wohnungen, versuchen Abstand zu bekommen, Ruhe einkehren zu lassen und sind froh, dass nicht mehr die Sonne brennt, die uns raus in den Garten treibt und uns erbarmungslos vor Augen führen würde, was jetzt anders ist. 

Ich finde Trost in merkwürdigen Sachen. Schuhekaufen, obwohl ich shoppen hasse, aber dieser eine Schuh, in den ich hinein schlüpfte, war so weich, so passend, so allumfassend Halt gebend. Ich könnte mir kaum etwas denken, was sich dämlicher anhört, als der letzte Satz. Aber dann bin ich durch den Regen, Kapuze hochgeschlagen, zurück zum Auto, unter dem Arm den flauschigsten Schuh aller Zeiten und das fand ich tröstlicher, als die Polizei erlaubt.

Oder dass mich ein sehr geschätzter Blogger mit Links versorgt, wie ich meiner Monster-Spinnen-Plage beikommen kann. Und der mir sein Wissen über diese Viecher zukommen lässt, auch wenn da nicht viel Beruhigendes zu lesen ist, außer, dass sie mir aller Voraussicht nach nicht in den Mund krabbeln werden, während ich schlafe, weil sie sich eigentlich nur verstecken wollen, um gut über den Winter zu kommen. Und wenn man sie überhaupt krabbeln sieht, sie nur auf dem Weg zu einem geeignetem Versteck sind, dass sie nicht mehr verlassen werden, was die gute Nachricht ist, ich dennoch nicht umhin komme, einzusehen, dass ich ein Nest in meiner Wohnung habe und gut daran tun würde, nach ihm zu suchen, was die eindeutig schlechte Nachricht ist. Aber seine Milde angesichts meiner Hysterie finde ich sehr charmant und in Zeiten wie diesen außerordentlich tröstlich, wovon er aber nichts weiß, bis eben jedenfalls. 

Trost finde ich auch in meinem neuen Laptop, der innert 5(!) Sekunden hochgefahren ist, was aber nichts gegen meine Schreibblockade ausrichtet, die mich plötzlich ergriffen hat. Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob ich diesen Sermon veröffentlichen werde, man will ja ein hoffentlich vorhandenes oder auch nur eingebildetes Niveau halten und ich befürchte, dass ich bis hierher schon mehrere Wachkomas verursacht habe. 

Sei's drum, obwohl ich keine Grippe habe, werde ich mich jetzt mit House of Cards Staffel 3 auf's Sofa legen und froh sein, dass es draußen stockfinster ist und der Regen an die Fenster prasselt.

Samstag, 3. Oktober 2015

Aus dem Leben einer Hypochonderin

Auch dem oberflächlichen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich zur Hypochondrie neige. Ich erwähne das öfter, so selbstironisch wie möglich, aber natürlich ist es im wahren Leben gar nicht soo witzig, bei jedem Zwicken sicher zu sein, dass die noch verbleibende Lebenszeit so überschaubar scheint, dass es sich nicht mehr lohnt, ein Brot zu kaufen. Den Kauf eines Wintermantels halte ich in Krisensituationen gar für eine tollkühne Unternehmung, was auch daran liegt, dass mir jede Kraft dafür fehlt. Totgeweihte gehen nicht shoppen.

Eine Typologie

Typ 1 macht sich auch dann  Gedanken, wenn nichts zwickt und geht zur Sicherheit mehrmals täglich zum Arzt. Er verlässt die Praxis mit der Erkenntnis, dass er einem unfähigem Quacksalber aufgesessen ist und stürmt umgehend die nächste Praxis. 

Typ 2 verschwendet wenig Gedanken an Krankheiten und geht nie zum Arzt. Aber wenn was zwackt, ist es immer tödlich. Wenn er einen Arzt aufsucht, hält er ihn für eine Koryphäe; vor allem dann, wenn 'nichts ist'. Er hüpft um 20 Jahre verjüngt aus der Praxis, was aber nichts bringt, denn zuvor ist er um 20 Jahre gealtert. 
 
Krisensituationen

Bei  Kopfschmerzen kann nur ein Tumor dahinter stecken, inoperabel natürlich. Rückenschmerzen? Es droht ein Herzinfarkt oder Knochenkrebs. Schwindel? Sofort lächeln und Füße und Hände bewegen - geht das nicht, hat man einen Schlaganfall. Hände Kribbeln? Multiple Sklerose. Erzählen mir andere von Symptomen, unter denen sie leiden, habe ich sie 24 Stunden später auch. 

Besondere Befähigungen

Ich habe ein phänomenales Gedächtnis für alles, was mit Krankheiten zu tun hat. Was auch immer ich am Rande aufschnappe, es bleibt für alle Ewigkeit meinem Gedächtnis, jederzeit abrufbar. Daher bin ich auch eine sehr gute Diagnostikerin. Mir fehlt im Grunde nur die Approbation, um als Expertin das Team von Dr. House zu bereichern.


Literatur

Natürlich bin ich im Besitz von Sekundärliteratur. Damit meine ich jedoch nicht den Pschyrembel oder Sobottas Atlas der Anatomie. Ich google auch nicht nach Krankheiten. Davon bekomme ich eine Posttraumatische Belastungsstörung. Sondern Bücher von anderen Hypochondern. Da gibt es wunderbare Sachen von Seelenverwandten, die ähnlich wie ich, adrenalingeflutet ihr Leben meistern müssen.

Der Arztbesuch

Kürzlich hatte ich doch diese komische Allergie im Gesicht, die mich zum Arzt trieb, obwohl ich zu Typ 2 gehöre. Er verdonnerte mich zu einem Check up inkl. Belastungs-EKG. Seitdem ist die Hölle los.

Zunächst mal zähle ich die Tage bis zur Untersuchung und rechne mir aus, was ich mit der sofortigen Umsetzung eines gesunden Lebensstils noch reißen kann. In meinem Fall fahre ich wie eine Besengte Rad. Ich will ja auf diesem Ergometer-Dingens nicht ohnmächtig runterfallen. Also brauche ich Training. Ich werde auch zum Termin radeln, 15 Kilometer, dann bin ich fit und werde auf diesem Dings bella figura machen. Außerdem schlafe ich schon jetzt nicht mehr so gut. Ich habe Alpträume. Letzte Nacht bekam ich die Diagnose Hautkrebs, war das eine Erleichterung, als ich um drei Uhr morgens aufwachte. 

Insgesamt fühle ich mich schwächlich, zitterig und aus der Balance. Prophylaktisch. Angst ist so anstrengend. Schon eine Blutabnahme wirft mich aus der Bahn. Ich kann das nur liegend überstehen, weil ich sonst umkippe. Dann steigt die Angst ins Unermessliche: was dabei alles rauskommen kann! Die Tage bis zum Ergebnis sind eine Tortur. Und wenn ich dann vorm Arzt sitze, leichenblass und mit wirrem Haar, entnehme ich seiner Miene, dass es schlecht um mich steht. Dabei ist es egal, ob er lächelt oder ernst guckt. 

Wenn Ärzte anrufen

Einmal hat mich ein Arzt im Büro angerufen, mitten während eines Meetings. Jeder weiß, wenn einem der Arzt hinterher telefoniert, wird's hohe Zeit, seine Angelegenheiten zu regeln. Ich weiß nicht, wie ich die Besprechung überstanden habe. Als ich ihn zurückrief und mich dabei mehrmals verwählte, weil meine Hände so zitterten, sagte er "Ich wollte nur fragen, ob du am Samstag zum Grillen kommst." Es hat auch Nachteile, wenn der Arzt mein Schwager ist.

Andere Menschen gehen einfach so zu einem Check up, bleiben gelassen, arbeitsfähig und schlafen auch in der Nacht vor dem Arztbesuch tief und traumlos. Wie schaffen die das nur?

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Jede dritte Frau

Als Tippse lese ich auch Tippsen-Magazine. Ich blätter so arglos um und da brüllt mich eine Anzeige an
JEDE DRITTE FRAU STIRBT AN BRUSTKREBS.  
Daneben ein Bild von einem Heftgerät und einer rosa Schleife. Und einem Erbauungstext.


Ein durchgeknallter Firmenpatriarch hält es offenbar für eine gute Idee, Sekretärinnen auf ihr statistisch erwartbares Ableben hinzuweisen. 

Wenn sie dann lesen, dass er von jedem erworbenen Heftgerät 2 Euro spendet für die Brustkrebsforschung, klicken sie mit angstgeweiteten Augen den Materialkatalog an und beschaffen haufenweise Tacker, damit bloß schnell weitergeforscht wird und sie im Falle einer hoffentlich nie eintretenden persönlichen Betroffenheit schneller geheilt werden. Eine win-win-Situation - so oder ähnlich muss sich das der Patriarch erhofft haben. 

Eigentlich ist die Statistik ja zu oberflächlich (abgesehen davon, dass ich sie für erfunden halte, wo es doch noch soviel andere Möglichkeiten gibt, über den Jordan zu gehen) - nicht jede Frau ist eine Sekretärin. Wenn schon, denn schon eine zielgruppengerechte Statistik darüber, wieviel Sekretärinnen... Vielleicht ist es dann nur noch jede 27ste? 

Und das kann man noch vertiefen: wieviele von ihnen sitzen im Knast, weil sie ihren Chef um die Ecke gebracht haben? Wie hoch ist der Prozentsatz unter den Senior-Assistentinnen, die man einfach zu lange mit einem Drucker eingesperrt hat? Die ohne Schutz-Handschuhe mit Farbtoner-Patronen hantiert haben? Die ihre geistige Gesundheit eingebüßt haben, weil ihnen zu oft geistesarme Praktikanten aufgehalst wurden?

Wenn ich schon so einen Hals bekomme, wie muss es erst einer Frau gehen, die gerade vom Schicksal auf's Maul bekommen hat? Die sich von einem bekloppten Heftgerät-Farbrikanten sagen lassen muss, dass sie allerbeste Chancen hat, demnächst six feet under zu liegen, denn falls sie die Überschrift noch nicht begriffen hat, steht ja oben drüber zur besseren Veranschaulichung noch "1, 2, 3... ICH?" 

Und das alles in Korrelation zu einem dämlichen Tacker. Ich kann ja gerade noch verstehen, wenn man mit  Anzeigen Frauen ermuntern will, zur Vorsorge zu gehen, aber einen Tacker zu kaufen?

"Jeder dritte Mann stirbt an Prostata-Krebs. Wir spenden 2 Euro an die Prostata-Krebsforschung für jeden Schraubenzieher. 1, 2, 3... ICH?"

Darauf warte ich jetzt.

Montag, 28. September 2015

Nichts bleibt wie es ist

Schon wieder in der Heimat. Diesmal aber ganz schlau: meine Gartenliege eingepackt, weil ich auf den Puppenstubensofas meiner Mutter Rücken kriege. Ich wär öfter dort, wenn's was zum rumlümmeln gäbe. So greine ich seit Jahr und Tag, vor allen an Weihnachten, wenn sich die heilige Familie zusammenfindet, eng gedrängt und geduckt, denn sie schafft es auch immer noch, eine kapitale Nordmanntanne in die Ecke zu quetschen. 

In der kleinsten Hütte ist Raum, wenn man nur gut packen kann. Ich hab den Trumm von Liege tatsächlich in mein lüttes Auto bekommen und die 5. Staffel von Downton Abbey noch dazu. Mir war klar, dass ich Abends Erholung brauchen werde, denn die Gründe für meinen Besuch waren trauriger Natur. Mehrere Freundinnen trafen sich bei der einen, die im Kaff geblieben ist. 

Ich habe ja schon ab und an erwähnt, dass ich vom sterben nichts halte. Ich prangere das an. Als ich klein war, gab es mal eine Raumschiff Enterprise Folge, die mich entrüstet hat: Besuch auf einem Planeten, auf dem niemand älter als 25 Jahre werden durfte. Wenn es soweit war, wurden die irgendwo hingeführt und dann mussten sie unter dubiosen Umständen sterben. Ich fand das eine Sauerei. 

Bis mir klar wurde: auf meinem Heimatplaneten sieht die Sache nicht viel besser aus (Mal ganz abgesehen von dem göttlichen Kniff, dass man blind wird, wenn man direkt in den Stern guckt, der uns überhaupt am Leben hält). Nur weiß man hier nicht, wann es soweit ist. Ich halte es bis heute für eine der größten Grausamkeiten, zu wissen, wann und wie es geschehen wird. Dank Google und Freunden im Medizinbereich kann man sich eine umfassende Halbbildung anschaffen. Wir wissen einfach zu viel.

Jedenfalls schlenderten wir durch's Dorf bis zu einem lauschigem Garten Café. Dort berieten wir uns. Dass die Einschläge näher kommen. Und dass Altwerden wirklich beschissen ist. Das der Eltern und das eigene sowieso. Dass wir jetzt Zipperlein haben, bestenfalls. Dass es nicht mehr besser wird, allem Anschein nach. Dass da jetzt jemand zuhause sitzt und um sein Leben kämpft, obwohl er doch gerade noch mit 200 Sachen auf seinem Motorrad durch den Harz gekachelt ist. Und seine bekümmerte Frau, mit der war ich doch gestern noch im Steinbruch, um künstlerisch wertvolle Fotos in zweifelhaften Posen zu knipsen. Ich seh uns immer noch am See liegen und murmeln "Er guckt schon wieder rüber." 

Und jetzt? Jetzt geht die andere mit der Mutter zum Arzt, weil sie im Hotel stundenlang umhergeirrt ist auf dem Weg vom Zimmer zum Speisesaal. Sie erkennt mich gerade noch mit Ach und Krach, klein und durchsichtig ist sie jetzt, dabei hat sie doch erst neulich auf der Hochzeit ihrer Tochter getanzt, in ihrem Leopardenjäckchen. 

Auf der Rückfahrt nach Berlin hörte ich die Hörbar Rust, weil ich grundsätzlich nur Radio 1 höre und da wurde ein Lied von Tom Waits gespielt und dann musste ich ein bißchen weinen. Weil nichts bleibt wie es ist.

Dienstag, 22. September 2015

Der tollste Mann der Welt

Alles fing damit an, dass ich einen Schönheitstag einlegte

Ich stand im Bad und legte mir eine Maske auf, die mich binnen kurzem in einen früheren Zustand wiederherstellen sollte. Ich sah aber nur ungefähr eine halbe Stunde jünger aus. Ich salbte mich, setzte dieses und jenes instand - was man so tut, wenn man im Selbstfürsorgemodus ist.

Am nächsten Tag wachte ich auf und fühlte mich komisch. Mein Gesicht fühlte sich komisch. Es juckte. Am Hals, am Kinn, an den Augen, hm. Nicht schön. Ich fuhr ins Büro, wichtiger Termin. Hatte schon so ein blödes Gefühl. Irgendwas würde schief gehen, das spürte ich genau. Als ich ankam, war noch nichts aufgebaut. Die "musikalische Begleitung" war eine halbe Stunde vor Beginn noch nicht da. Der Festredner kam erst 5 Minuten vor Beginn. Ein wichtiges Untensil fehlte, es musste mit dem Taxi herbeigeschafft werden. Wenn das nicht geklappt hätte, könnte ich jetzt mit viel Freizeit um mich werfen.

Am Ende lief es doch gut. Entspanntes ausklingen lassen, was trinken, was essen. Ich unauffällig die Hand am Hals, sanftes drüberstreichen, es juckte wie verrückt und ich fühlte mich fiebrig. 

 Plötzlich brach die Hölle los

Cheffe bekam aus dem Nichts einen Hassanfall auf mich. Brüllte mich an vor all den Leuten. Zunächst dachten wir alle, er macht Scherze. Dann merkten wir, der meint das ernst. Ich erstarrte zur Salzsäule. Einer machte "Hey, hey!" und trat einen Schritt zurück. Der andere schwieg peinlich berührt. Eine Frau verwickelte mich in ein idiotisches Gespräch, um weitestgehend Normalität herzustellen. 

Ich fuhr nach Hause und legte mich um 20 Uhr ins Bett. Mein Gesicht drehte vollends durch. Legte mir feuchte Tücher auf. Wachte am nächsten Morgen auf, inzwischen zu einem roten Ballon aufgequollen, die Augen bekam ich kaum auf. Juckreiz unerträglich. Ich brach mit meiner Tradition, nie zum Arzt zu gehen und begab mich umgehend in eine Praxis, weil ich mir einbildete, meine Zunge würde anschwellen. Kurz vorm ersticken geh selbst ich zum Arzt. Cortison Tablette eingeworfen, nach 20 Minuten setzte die Wirkung ein. Zu 70% geheilt, der Rest ist auszuhalten.

Im Büro die Tür geschlossen gehalten, bis Cheffe kam und fragte, wie es mir geht. Ich gab knapp Auskunft, beschloss aber, den Vorfall nicht anzusprechen. Er beschloss dasselbe. Hat eh kein Zweck, dann entschuldigt er sich halbherzig, versucht mir eine Mitschuld unterzujubeln und ein paar Wochen später kühlt er wieder sein Mütchen an mir.  

Dann passierte ein Wunder 

Ich bekam einen Anruf. Von dem Mann, der "Hey, hey" gesagt hatte. Ein ziemlich hohes Tier. Weitaus wichtiger als Cheffe. Ich habe keine Ahnung, wie der überhaupt an meine Nummer gekommen ist. Beziehungsweise, dass er meinen Namen kennt (mit dem kommt man dann schon an meine Nummer). 

Er wolle mir etwas sagen, und zwar, dass er sich Cheffe noch zur Brust genommen hat, nachdem ich weg war. Was denn "diese miese Nummer" sein sollte, und ob er schon mal etwas von "gutem Führungsstil" gehört habe. Weshalb er nicht aufgehört habe, "nachzutreten". Dass das ein ganz schlechtes Licht auf ihn werfe, vor allem, weil es keinen Anlass gegeben hätte, der so einen Ausbruch gerechtfertigt hätte. 

Ich war sprachlos. Vor Glück und Dankbarkeit. Sämtliche Kindheitstraumata wurden auf einen Schlag geheilt. Ich machte ihm einen Heiratsantrag. Ich dankte ihm. Das sei "nicht nötig", vielmehr eine "Selbstverständlichkeit", dass er sich noch mal bei mir melde, man hätte mir angemerkt, wie sehr ich um Fassung gerungen hätte. Ich machte ihm noch einen Heiratsantrag.

Ist das nicht einfach sensationell?

Freitag, 18. September 2015

Nichtrauchen - ein Selbstversuch

Seit 13 Tagen bin ich Nichtraucherin. Im Grunde. Doch. Ja. Nein. Irgendwie schon. Ich bin auf einem guten Weg. 

Eine Chronik

Irgendwann Mitte August: Die Auftragsmörderin teilt mit, dass sie Mitte September aufhört zu rauchen. "Ich mach mit! 15.9. ist Deadline." proklamiere ich ekstatisch. Wir sind stolz auf uns und wissen, diesmal werden wir es schaffen. 

6.9. Ich beschließe vorzeitig, Nichtraucherin zu werden. Eine Stunde später werde ich krank. Ich nehme das als Zeichen. Eigentlich ist es ein Lattenzaun direkt vor meine Birne, was mir meine geplagte Lunge beschert.

7.9. Ich rauche nicht und geh zum Arzt, der schreibt mich krank. Ich leg mich hin und schlafe für eine ganze Weile ein.

8.9. Als ich mal kurz wach werde, informiere ich die Auftragsmörderin, dass ich schon früher aufgehört habe. Sie teilt mir mit, dass sie auch schon aufgehört habe. Wir sind sehr stolz auf uns. Planerfüllung vor der Zeit. 

9.9. Ich rauche nicht. Herr Capitano wünscht mir guten Appetit. Damit spricht er ein heikles Thema an. Ich kann überhaupt nicht aufhören zu essen.

10.9. Immer noch rauchfrei. Ich fühle mich fantastisch. Herr Glumm kommentiert, dass der 15.9. ein einschneidendes Datum für ihn sei und dass der 15.9. vielleicht ja auch für mich ein wichtiges Datum wird. Er selbst habe an einem 31.12. das Rauchen aufgegeben. Der Druck wird größer. Wie kann ich das ignorieren? Mit Herrn Glumm am selben Tag ein einschneidendes Datum zu haben? Ich fange spontan an, wieder zu rauchen und am 15.9. den Sack endgültig zu zu machen. 

11.9. Ich habe einiges nachzuholen und rauche wie verrückt. Verrückt vor allem, weil ich schlimmen Husten und Schnupfen habe. Aber daran ist nur Herr Glumm schuld. Ich bin auch nur eine Frau. Nennt mir eine, die dieser Verlockung hätte widerstehen können. Ein gemeinsames einschneidendes Datum, hallo?

12.9. Exzessives rauchen den ganzen Tag bis in die Nacht. Ich habe natürlich auch viel Zeit, weil ich nicht ins Büro muss. Man sollte nicht aufhören zu rauchen, wenn man keiner sinnvollen Beschäftigung nachgeht. Das war eine wirklich bekloppte Idee. Das Scheitern war im Grunde vorprogrammiert.

13.9. Nachricht an die Auftragsmörderin, dass ich eingeknickt bin. Sie antwortet, dass sie heute schon den ganzen Tag nicht geraucht hat, bis auf eben. Wir einigen uns wieder auf den ursprünglichen Termin. Ich rauche Kette. Noch zwei Tage Karenzzeit.

14.9. Endlich wieder ins Büro. Abends hole ich mir schnell noch eine Schachtel und beschließe, dass ich sie aufrauchen muss, damit morgen, am 15.9. nichts mehr im Haus ist. Ich gebe alles, aber ich schaffe es nicht. 5 bleiben übrig.

15.9. Der große Tag. Ich beschließe, dass es der letzte Tag ist, an dem ich noch rauchen kann. Die Auftragsmörderin und ich haben das nie so genau definiert. Ist es der erste Tag ohne Zigaretten oder der letzte Tag mit Zigaretten? Ich rauche die 5 Zigaretten und hole mir abends noch eine Schachtel, denn heute ist der letzte Tag, an dem ich noch rauchen darf. 

16.9. Ich habe wieder ein paar übrig. Ich kann sie nicht wegschmeißen. Beschließe, dass sie beruhigende Wirkung haben. Für den Fall, ist es gut, was im Haus zu haben. Wenn gar nichts da ist, ist es schlimmer. Besser ist, zu wissen, ich könnte, wenn ich wollte. Am Abend rauche ich die Beruhigungszigaretten. Immerhin sind es die einzigen 4 an diesem Tag, was in meinem Fall dem Nichtrauchen sehr nahe kommt. Bin schon ganz schön stolz. Auch wenn es mit dem Glummschen einschneidenden Datum jetzt nichts geworden ist, aber der 31.12. ginge ja auch noch.

17.9. Ich wache auf, nichts im Haus. Ich fahre gleichmütig ins Büro. Denke, wie toll wäre es, wenn ich jeden Tag nur fünf Zigaretten rauchen würde. Wenn ich wieder zu einer Genussraucherin werden könnte. Nur dann rauche, wenn ich wirklich will. Nicht nebenbei, nicht nebenher, nicht ohne Grund. Und nicht vor 18 Uhr. Auf dem Nachhauseweg beschließe ich, dass ich es für den Anfang als Genussraucherin versuche. Dafür brauche ich natürlich Zigaretten. Ich kaufe eine Schachtel und rauche mit Genuss 11 Stück.

18.9. Ich rauche mit Genuss die restlichen 9 Zigaretten, über den Tag und Abend verteilt ist das ja so gut wie nichts. Im Schnitt alle zwei Stunden eine. Wenn ich sie über den Tag verteilt geraucht hätte. Ich will ja ehrlich sein. Selbstbetrug sieht mir gar nicht ähnlich. Ab 17 Uhr. Anderthalb pro Stunde. Das ist doch... immer noch ein guter Schnitt. Jetzt sind wieder keine da. Und ich habe mir keine neuen besorgt. Was vielleicht daran liegen mag, dass hier nicht mal mehr eine Tanke offen ist. 

Ich finde, das hört sich doch alles recht vielversprechend an.

Mittwoch, 16. September 2015

Aus der Hölle direkt vor mein Büro

Das Schlimmste an Cheffe - und es gibt viel Schlimmes an ihm - ist sein Denunzianten-Gen. Er lässt keine Gelegenheit aus, andere in maximal schlechtem Licht dastehen zu lassen und in aller Öffentlichkeit ans Knie zu pissen. Dabei ist ihm egal, ob er sich inner- oder außerhalb seiner Gehaltsgruppe bewegt. Er tritt nach oben wie nach unten.

Es wäre so schön, wenn ich mich emotional nicht so herausgefordert fühlen würde. Verachtung ist ein starkes Gefühl, vor allem, wenn man es unterdrücken muss. Das ist anstrengend und wird von meinem Gehalt nicht abgedeckt.

Letzte Woche ist was schief gegangen, klar, wer der Schuldige ist. Cheffe wittert sofort eine Chance, jemand ganz anderen dafür bluten zu lassen. Er erzählt mir, was er vor hat, ganz berauscht ist er von sich. Ich seh ihn mit undurchdringlicher Miene an und wenn er mich auch nur ein bisschen kennen würde, wüsste er, das ist ein Alarmzeichen. Normalerweise habe ich eine bewegliche Mimik und schau freundlich in die Welt.

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass er sehr wohl weiß, dass ich ihm an die Gurgel will, aber zu irgendwas müssen Abhängigkeitsverhältnisse eben gut sein: er weiß, was ich denke und auch, dass ich nichts sagen werde (können, wegen Armut). Weil so verrückt kann niemand sein, zu denken, in mir eine loyale Gesprächspartnerin zu haben, die darauf wartet, irgendwelche Drecksstrategien vorgetragen zu bekommen. Oder doch? Geht Verrücktheit so weit?

Jeden Tag bringt er mich mindestens dreimal so weit, alles überzuschreien oder noch schlimmer, zu Obercheffe zu gehen und selber zur Denunziantin zu werden. Das engste Umfeld wünscht sich das  seit Monaten von mir. Allein, ich bin nicht doof: der Verrat wird geliebt, aber nicht der Verräter. Selbst wenn es mir gelänge.... wären von da an auch meine Tage gezählt. Aber ich phantasiere oft, wie ich auspacke. 

Heute erzählt er mir stolz, wie gut sein Plan geklappt hat. Er wirkt ausgeglichen.
Mal eben so jemanden abgeschossen, without reason, just for fun.

Samstag, 12. September 2015

Föhnen gefährdet die Gesundheit

Nachdem ich eine Woche lang auf dem Sofa gelegen habe und jetzt endlich eine Bindung aufbauen konnte, also zu dem Sofa, das hier seit Mai unbenutzt herumsteht, und mir die Augen viereckig gekuckt habe, weil ich mir bei Grippe immer staffelweise Serien reinziehe (diesmal "Shameless"), war ich doch recht froh, heute das Haus verlassen zu können; endlich mal wieder normale Sachen machen, andere Leute als die Gallaghers sehen, etc. 

Jedenfalls kurz vor Verlassen meiner Wohnung machte ich eine harmlose Bewegung beim Haareföhnen - da machte es wieder zong im unteren Lendenwirbelbereich und ich war noch hilfloser als neulich über dem Mülleimer. Ich saß nämlich auf der Kloschüssel, der geschlossenen wohlgemerkt. 



Und wer will das schon? Aber das nur nebenbei. Jedenfalls im sitzen einen Hexenschuss zu bekommen ist noch schlimmer als im stehen. Weil das sitzen den Schmerz in Sekundenschnelle in elliptische Höhen treibt. Es wird immer schlimmer, aber man kommt nicht hoch. Man kann nicht mal mehr den Föhn halten, der dann auch auf die Fliesen krachte, war mir aber egal. 

Ich sah bereits ein weißes Licht, aber kurz vor dem Exitus schaffte ich es, irgendwie aufzustehen. Ich fummelte ein ABC Pflaster aus der Hülle und freute mich auf den Ablenkungsschmerz. Leider hatte ich mich versehentlich mit der sensitiven Variante bevorratet. Aus Erfahrung wusste ich, dass ich mich bewegen muss, damit es besser wird und außerdem wollte ich heute sowieso zurück ins Leben. 

Eine weitere Staffel von Shameless würde ich nicht mehr ertragen, wegen meiner niederschwelligen Ekelgrenze und weil ich nach einer Woche mit William Macy kurz davor bin, rauchen für eine sinnvolle Gesundheitsmaßnahme zu halten.

Der Tag wurde dann doch noch ganz schön, als Ablenkung habe ich Sonnenbrand, wenn nicht sogar einen Hitzschlag. Ich futterte und trank mich durch halb Steglitz, Termine über Termine, erwähnte ich ja. Bloß nicht husten oder lachen. Tut echt weh. 

Mittwoch, 9. September 2015

Mein wunderbares Liebesleben

Auch ich bin seit sechs Wochen in einem beruflichen Netzwerk angemeldet, wie stets allen Trends 10 Jahre hinterher. Ganz ohne Netiquette habe ich mal jeden ohne weitere Ansprache "hinzugefügt", den ich kenne und mag. Einige bestätigen nicht nur kommentarlos, sondern schreiben sehr nette Zeilen zurück, da wird mir klar, so hau ruck macht man das wohl nicht. Zu spät. 

Einen habe ich nicht hinzugefügt. Für den habe ich eine Schwäche. Da traue ich mich nicht. Will nicht aufdringlich sein. Das hat neben meiner üblichen Strategie, den zu ignorieren, den ich gut finde, noch einen anderen handfesten Grund: ich könnte praktisch seine Mutter sein. Da will ich mich nun überhaupt nicht verdächtig machen. Ich muss mich auf meine alten Tage nicht noch lächerlich machen. So eine kleine Schwäche tut keinem weh, solange niemand davon weiß. Und das wird niemand erfahren.

Naja, ein paar Tage vergehen, es werden immer mehr Kontakte, ich werde nun auch von anderen hinzugefügt, ich find das ganz nett, wenn auch sinnlos: nun wissen meine Kollegen und entfernteren beruflichen Kontakte, was ich so mache, aber das wussten die vorher auch schon. Anyway, ihn füge ich dann doch hinzu. 

Tja, keine Bestätigung. Hm. Nun ja. Jetzt denkt der, ich stalke ihn. Wie peinlich. Wochen vergehen, ich vergesse meine Schmach.

Letzte Woche Betriebsausflug. Ich tanze bis spät in die Nacht, sogar mit Cheffe, amüsiere mich bestens, flirte mit allen, die mir wurscht sind, ihn ignoriere ich wie üblich. Er bemerkt nicht mal, dass ich da bin. Wozu auch, eine Mutter hat er ja schon. Hat alles seine Richtigkeit. Als das Licht angeht, verschwinde ich schnell; wenn's am schönsten ist, soll man gehen.  

Als ich am nächsten Morgen aufwache, sehe ich, dass er meine Anfrage um 4.31 Uhr bestätigt hat.

Mein persönliches Highlight in 2015.

Dienstag, 8. September 2015

Nichtraucherin. Hungrig.

Am Sonntag gegen 13 Uhr nehme ich die letzte Zigarette aus der Schachtel, muss dringend Nachschub besorgen. Ich habe vor, am 15.9. mit dem rauchen aufzuhören. Zusammen mit einer Freundin. Dabei weiß ich, dass dieses komm, wir hören zusammen auf, nehmen zusammen ab, laufen zusammen durch den Wald in meiner Welt nicht funktioniert. So bin ich nicht konstruiert.

Also denke ich, während ich die Zigarette nachdenklich zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her rolle, sie aus der Nähe betrachte, dass es mir am 15.9. genau so schwer fallen wird wie an jedem anderen Tag, warum also nicht gleich, sofort, unverzüglich aufhören? Jetzt, wo ich noch die Wahl habe. Und nicht wie ein Kollege, 'Lungenkrebs, inoperabel, noch zwei Monate'. Der hat keine Wahl mehr. Und die Wahl haben ist immer das ultimative Symptom von Gesundheit, nur dass man sich dessen nie bewusst ist und erst kapiert, dass man eine hatte, wenn es zu spät ist. 

Ich kaufe spontan keinen Nachschub.

Eine Stunde später werde ich krank. Aus dem Nichts. Dabei bin ich jetzt Nichtraucherin. Von Null auf Hundert. Bronchitis. Husten ist das nicht. Das wäre eine unzulässige Untertreibung. Jeder Atemzug ist eine Qual, husten geht gar nicht ohne Vollnarkose. Whow, denke ich, mein Körper unterstützt mich in meinem Kampf gegen das Rauchen. Ich muss mich wohl bei ihm bedanken. 

Ab 15 Uhr bin ich eine hilflose Person mit 38 Grad Fieber. Ich schlafe ganz viel und ganz tief. Tag und Nacht. Finde ich sehr gut. Nach jedem meiner Schläfchen wache ich langhingestreckt auf dem Rücken auf, tiefenentspannt, klappe die Augen auf, habe weder Kopf- noch Rückenschmerzen von der vielen Liegerei, nein, es ist genau das, was mein Körper jetzt will und bekommt. Eine ganz selbstgenügsame Phase ist das jedes Mal, Tag 2 und 3 einer Grippe. Wenn mein Leben doch nur immer so sein könnte. Also diese Grundstimmung der Bedürfnislosigkeit AUßER nach Tiefschlaf - selig, selig.

Aber ich bin jetzt wach und sitze am Rechner und schreibe das hier, die Schlafphase ist wohl vorbei. Oder wird abgelöst vom Nikotin Entzug. Ich entwickle für eine Fiebernde nämlich ungewöhnlich großen Appetit. Das kommt von der Nichtraucherei. Zweieinhalb Tage schon. Ich bin eine Heldin. Was ich jetzt schon allein an Geld gespart habe. 

to be continued

Donnerstag, 3. September 2015

Spinnen Content, die Zweite

Bei mir stinkt's. So'n leicht muffiger Geruch empfängt mich, wenn ich die Wohnungstür aufschließe. Das liegt daran, dass ich keine Fenster mehr öffne und auch nicht die Balkontür, wegen meiner posttraumatischen Belastungsstörung. Das ist schwer für mich, denn ich bin sehr für Frischluft. Aber Sicherheit geht vor. Denn es ist schon wieder passiert. 


Das nimmt überhand. Jetzt haben die auch schon Muster. Und sind echte Überlebenskünstler. Nach zwei Tagen unter dem Glas war die immer noch puppenmunter. Jeden Morgen rannte ich panisch zum Glas und war froh, dass sie es nicht geschafft hatte, sich zu befreien. Das war mir zu belastend. Ich trug sie deshalb doch nach draußen, 100 Meter weit weg, damit sie bloß nicht den Weg zurück findet. 

Eigentlich sollte sie bei mir sterben, damit sie nicht noch Babies bekommt. Aber mir ist nur die passive Sterbehilfe gegeben und noch eine Nacht länger mit ihr unter einem Dach hätte ich nicht verkraftet. Ich erhole mich nur langsam.

Mittwoch, 2. September 2015

Mama liest mit

Hab neulich ein Diensthandy bekommen und zwang meiner Mutter mein altes Smartphone auf. Der Vertrag läuft noch über ein Jahr und als älteste und dominanteste Tochter bin ich immer darauf bedacht, dass meine Mutter nicht vor der Zeit einrostet. 73 Jahre ist definitv jung genug, sich der heutigen Technik zu stellen. Sie lebt sicher noch dreißig Jahre und da kann es nicht angehen, dass sie für alle Zeiten auf ihrem alten Nokia herumtippt.

Wobei... Das hat sie eigentlich nie getan, ja, wir mussten sie jahrelang ermutigen, das Ding überhaupt anzulassen. Unvergessen der eisige Winter, als sie sich mit dem Fernbus zu Weihnachten nach Berlin aufmachte. Wir beschworen sie, das Handy nicht auszuschalten, weil wir uns so auf dem Laufenden halten konnten, in welchem Bundesland sie sich gerade befindet. Meine Schwester wollte ihr an der Haltestelle in ihrer Stadt noch ein paar Geschenke  für uns mitgeben. 

Eine Stunde nach offizieller Abfahrt rief ich sie an, Handy ausgeschaltet. Verdammt, dachte ich, wir haben ihr doch eingebleut, es auf keinen Fall... Eine weitere Stunde später rief meine Schwester an, die mittlerweile mit Erfrierungen an den Extremitäten auf den Bus wartete. Alle Anrufe bei meiner Mutter zwecklos, konsequent blieb das Handy ausgeschaltet. Sie stand also seit zwei Stunden an der Straße und wartete auf den Bus, vermutlich eher drei Stunden, denn sie ist immer lieber etwas früher da, soweit war uns das klar. 

Nach drei Stunden wurde meine Schwester erlöst, die gleich nach Übergabe der Geschenke ins Krankenhaus fuhr, um sich die Beine amputieren zu lassen und sich anschließend zur Adoption anzubieten. Praktisch hatte meine Mutter zu dem Zeitpunkt gerade mal 30 Kilometer des Weges zurückgelegt. Gleich nach dem Bericht meiner Schwester rief ich meiner Mutter wieder an, um ihr zu sagen, dass sie kurz vor Berlin anrufen soll, damit ich weiß, wann ich losfahren muss. Ich wollte nicht dasselbe Schicksal wie meine Schwester erleiden und wochenlang am ZOB ausharren. 

Ich wählte ihre Nummer: Handy ausgeschaltet. Ich bekam einen Schreikrampf. Und rief die nächsten Wochen alle Viertelstunden bei ihr an. Das Handy blieb stumm. Nach drei Jahren rief sie mich zurück. Sie flüsterte "Der Busfahrer hat gesagt, wir müssen die Handys ausschalten, weil er sich bei dem Geklingel nicht aufs Fahren konzentrieren kann.", ihr gehe es gut, nur ein bißchen durchgefroren, es dauere noch ca. zwei Stunden. "Mama, scheiß auf den Busfahrer, das Handy bleibt jetzt an, versprich mir das." - "Nein, das geht nicht, hat der Busfahrer verboten. Ich muss jetzt aufhören." Klack aufgelegt. Ich machte einen Probeanruf. Ausgeschaltet. 

Meine Mutter hat einfach zuviel Respekt vor Respektspersonen. Und eine sehr weitgefasste Meinung, wer  als Respektsperson einzuschätzen ist. Praktisch jeder erfüllt ihr geheimes Raster. 

Nach fünf Jahren kam sie in Berlin an, ohne ein weiteres Mal angerufen zu haben. Ich wartete auf sie am ZOB, mit einer Lungenentzündung und unter Verlust mehrerer Gliedmaßen, die ich mir von einer Fachkraft direkt an Gleis 10 abnehmen ließ. Ins Krankenhaus fuhr ich nicht, sonst hätte ich meine Mutter verpasst. 

Jedenfalls erkärte ich ihr bei meinem letzten Besuch, wie das Smartphone funktioniert. Wie sie Mails schreiben, Fotos machen, schicken und empfangen und wie sie googeln kann. Sie holte unauffällig die Papiere hervor, um mich (oder sich) ins Heim einzuweisen.Sie tippte auf dem alten Nokia "Helfen Sie mir, meine herrische Tochter zwingt mich...". Ich blieb unbeirrt, erklärte, dass sie ganz umsonst damit telefonieren kann, uns auch auf dem Handy anrufen kann und dass das überhaupt nichts kostet. Soweit ist sie jedoch noch nicht. Sie telefoniert mit dem Nokia. Aber sie schickt jetzt Selfies. An alle Töchter und Nichten. Wir sind begeistert. Sie hat's jetzt drauf.

Heute der Knaller. Ein Anruf auf meinem AB. "Ich hab dein Blog gelesen. Kind, ist dir immer noch schwindelig? Naja, wahrscheinlich nicht, bist ja nicht zuhause. Melde dich mal." Ich fass es nicht. Sie hat die Favoriten gefunden. Auf ihre Art ein Crack.

Montag, 31. August 2015

31. August, 36 Grad


Auf der Straße sehe ich einen alten Herrn - man könnte unter ihm den Schotterweg asphaltieren, so langsam und vorsichtig bewegt er sich. Es ist schweineheiß.

Wie ist das, wenn man so alt ist, dass man bei dieser irrsinnigen Hitze zu Fuß gehen muss, weil man kein Auto mehr hat? Der sengenden Hitze lange ausgesetzt ist, weil man sich nicht mehr schnell bewegen kann? Nicht mehr aufs Rad kommt? Wenn man keine Freunde hat, die einen Pool sitten, in den man sowieso nicht mehr reinklettern könnte, weil einem Kraft und Motorik fehlen? Wenn man gar keine Freunde mehr hat, weil schon alle tot sind? Wenn man den ganzen Tag allein ist, der Einkauf die einzige Abwechslung und dann ist es so brüllend heiß, dass dieser Gang zum lebensbedrohlichen Abenteuer wird? Sollte ich nicht einfach anhalten und ihm anbieten, ihn schnell an sein Ziel zu bringen?

Wenn ich nicht mit dem Rad unterwegs gewesen wäre, hatte ich's getan. So kämpfe ich selber mit dieser Affenhitze. Mir wurde im Büro so'n bisschen plemplem und hielt es für eine willkommene Abwechslung, mich um die Mittagszeit krank zu melden, um rasch nach Hause zu radeln und den Rest des Tages zu zelebrieren, diesen letzten brüllendheißen Tag in 2015. In Ruhe Abschied nehmen von diesem Sommer und so. Wehmütig werden, weil es jetzt vorbei ist.

Bei 36 Grad nach Hause zu radeln, ist keine gute Idee. Die Sonne nur von vorne, kein Wölkchen, kein Schatten; die Flasche Wasser, die ich dabei habe, kippe ich mir wie ein Tour de France Fahrer direkt über den Kopf, so sehr verzweifle ich auf den 13 Kilometern. 'Plemplem' beschreibt nicht mehr annähernd, wie ich mich fühle. 

Fast angekommen bin, biege ich noch mal kurz ins Wäldchen ein, um mich abzukühlen. Als ich absteige, um mich kurz auf eine Bank zu setzen, wird mir schwindelig. Kein Wunder, mein Hirn ist warmer Apfelmus. Ich erhole mich, auch weil Schatten mich per se beruhigt. 


Auf allen Vieren krieche ich in meine Wohnung, justiere den Ventilator auf meine äußere Hülle, und warte, dass sich meine verflüssigten Innereien wieder an Ort und Stelle begeben. Ich schau aus dem Fenster, seh die Hitze draußen flirren, aber ich bin in Sicherheit, endlich.



Ab morgen schreibe ich Gehaltvolleres, ich versprech's.